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Kommunikation Keine Gefühle am Arbeitsplatz

Wie offen und ehrlich sollten sich Menschen im Büro gegenüber Kollegen und Vorgesetzten geben? Sollten sie im Job erzählen, dass es bei ihnen privat gerade nicht optimal läuft? Eine neue Studie rät zur Zurückhaltung.
aus Harvard Business manager 9/2020

ILLUSTRATION: TIM BOWER

Für die Studie führten Emma E. Levine und Kristina A. Wald von der Booth School of Business der Universität Chicago sechs Experimente durch. Zunächst einmal fanden sie heraus, dass Probanden, die am Arbeitsplatz vortäuschten, rundum zufrieden und glücklich zu sein, mit größerer Wahrscheinlichkeit als andere eingestellt werden und ihre Kollegen ihnen eher vertrauten.

In einem weiteren Experiment hatten einige Studienteilnehmer die Rolle eines Managers inne, der einem fiktiven Mitarbeiter eine anspruchsvolle Aufgabe zuteilen sollte. Dafür bekamen sie vorher dessen Antworten auf einen Fragebogen vorgelegt. Manche Antworten wiesen darauf hin, dass dieser Mitarbeiter Gefühle von Traurigkeit und Verzweiflung hegte. Einer anderen Gruppe von Managern lagen hingegen Antworten vor, die darauf hindeuteten, dass dieser Mitarbeiter seine wahren Gefühle unter Verschluss hielt und sein vermeintliches Glück eher vortäuschte.

Die zweite Gruppe war viel eher bereit, dem Mitarbeiter eine anspruchsvolle Aufgabe zu übertragen. Nachfolgende Experimente bestätigten diesen Befund. Vorgetäuschtes Glück wird demnach als Kompetenz eingestuft, denn es signalisiert Belastbarkeit und Engagement in Bezug auf berufliche Ziele.

Vorgetäuschtes Glück

Im letzten Experiment jedoch fragten die Forscherinnen Probanden, wie sie auf einen Kollegen reagieren würden, der sich am Arbeitsplatz oder bei einem Drink am Abend öffnet und über seine Verzweiflung mit ihnen spricht. Dabei zeigte sich, dass durch vorgetäuschte Fröhlichkeit im privaten Kontext kein Vertrauen oder gar Kompetenz entstehen kann.

"Im beruflichen Umfeld, in dem Einzelpersonen Fortschritte bei gemeinsamen Aufgaben zeigen wollen, tun sie gut daran, Glück vorzutäuschen", schreiben die Forscherinnen. "In persönlichen Kontexten, in denen Individuen das Ziel haben, Intimität und Verbindung herzustellen, ist es dagegen unwahrscheinlich, dass sie Vertrauen aufbauen, indem sie Glück vortäuschen."

Quelle: Emma E. Levine, Kristina A. Wald: "Fibbing About Your Feelings: How Feigning Happiness in the Face of Personal Hardship Affects Trust", Organizational Behavior and Human Decision Processes, Januar 2020

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