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Selbstausbeutung vermeiden Sorgen Sie für sich selbst

Viele Mitarbeiter elitärer Kanzleien und Beratungen arbeiten nahezu rund um die Uhr. Wer den Teufelskreis der Selbstausbeutung durchbrechen will, muss das dahinterstehende psychologische Phänomen erkennen.
aus Harvard Business manager 5/2018
Foto: Jacobs Stock Photography/ Getty Images

"Ich wurde zum Roboter", erklärte uns eine Managerin einer Wirtschaftsprüfung. Lange Arbeitszeiten waren für sie und ihre Kollegen an der Tagesordnung. "Ich hielt das für normal", sagte sie. "Es ist wie eine Gehirnwäsche. Wenn der Druck immer stärker wird, gerät man irgendwann in einen Zustand, in dem man sich sagt: 'Da musst du jetzt einfach durch, erholen kannst du dich ja später' – doch dieses später' kommt leider nie."

Solche Geschichten bekomme ich bei meinen Recherchen immer wieder zu hören – von Mitarbeitern von Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, Anwaltskanzleien, Beratungsfirmen und anderen wissensbasierten Dienstleistungsunternehmen. Wir alle wissen, dass ständige Überforderung sich negativ auf unsere körperliche und seelische Gesundheit auswirkt und die Qualität unserer Arbeit ernsthaft gefährden kann. Und eigentlich würden wir ja auch gern etwas an dieser Situation ändern. Wir wissen nur nicht, wie.

Im Management und in anderen Wissensberufen kommen lange Arbeitszeiten besonders häufig vor. Doch das war nicht immer so. Früher musste man in diesen Berufen zu Beginn seiner Karriere sehr hart arbeiten, konnte aber später die Früchte seiner Bemühungen genießen: einen sicheren Arbeitsplatz und den Aufstieg in immer höhere Positionen. In Anwaltskanzleien oder Beratungen konnte man beispielsweise zum Partner aufsteigen. Der Konkurrenzkampf war gnadenlos; doch sobald man den Sprung in die oberen Unternehmenshierarchien geschafft hatte, konnte man sich entspannt zurücklehnen. Partner durften selbstständig entscheiden, wie, wann und an welchen Projekten sie arbeiteten. Natürlich verbrachten manche Seniorpartner einen nicht geringen Anteil ihrer Zeit für die Pflege geschäftlicher Beziehungen auf dem Golfplatz; doch das spielte keine Rolle, denn sie hatten ihren Preis ja bereits bezahlt und sich in ihrem Unternehmen hochgedient.

Diese rosigen Zeiten gehören längst der Vergangenheit an. "Der Prüfungsleiter sitzt normalerweise von morgens halb sechs bis zehn Uhr abends im Büro – auch am Wochenende", erklärte mir der Personaldirektor eines führenden Wirtschaftsprüfungsunternehmens, "und unser geschäftsführender Gesellschafter auch. Das ist keine Seltenheit. Und wenn die anderen Mitarbeiter sehen, dass diese Führungskräfte rund um die Uhr arbeiten, eifern sie ihnen natürlich nach."

Meine Recherchen zeigen, dass unserem heutigen Trend zu Arbeitsüberlastung und Burn-out ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Einflussfaktoren zugrunde liegt. Zu diesen Faktoren gehören beispielsweise die Branche, in der man tätig ist, der Arbeitgeber und die eigene Persönlichkeitsstruktur. Die treibende Kraft dieser verhängnisvollen Entwicklung ist ein tief sitzendes Gefühl der Unsicherheit. "Ich komme einfach jeden Tag hier herein und arbeite so viel ich kann", erklärte mir der Geschäftsbereichsleiter einer großen Anwaltskanzlei. "Ich habe das Gefühl, gute Arbeit zu leisten; aber das lässt sich nur schwer messen. In unserer Branche gilt die Devise: Friss oder stirb. Im Grunde sind wir alle sehr unsicher und leiden unter ständiger Existenzangst."

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