Mentale Stärke für sich und andere Resilienter durch Krisen gehen

Deadlines, hohe Zielanforderungen oder Krisenzeiten führen zu Stress im Berufsalltag und belasten die Psyche. Um dem Druck standhalten zu können und sich vor einem Burn-out zu schützen, helfen diese Strategien.
Bis hierhin und nicht weiter: Mit den richtigen Strategien gehen Sie gestärkt aus Krisen.

Bis hierhin und nicht weiter: Mit den richtigen Strategien gehen Sie gestärkt aus Krisen.

Foto: shih-wei / Getty Images/iStockphoto

Genauso wie im Privaten gibt es auch im Berufsleben immer wieder Höhen und Tiefen. Jeder Mensch reagiert unterschiedlich auf Niederlagen oder Misserfolge. Manche stecken diese nicht so leicht weg und leiden dadurch unter lähmenden Zukunftsängsten; andere zeichnen sich durch eine psychische Widerstandsfähigkeit aus und rappeln sich schon nach einer kurzen Besinnungsphase wieder auf.

Wenn hohe Erwartungen und Stress den Arbeitsalltag erschweren, ist die Fähigkeit der Resilienz für den Erhalt der geistigen und körperlichen Gesundheit von entscheidender Bedeutung. Paradoxerweise können wir diese Fähigkeit gerade in schwierigen Zeiten am besten entwickeln – wenn wir mit den größten Umwälzungen konfrontiert sind, wenn wir am ehesten Gefahr laufen, falsch zu reagieren, und wenn wir die Chancen, die sich uns bieten, am ehesten übersehen.

Wie Führungskräfte gestärkt durch Krisen gehen

Resilienz ist nicht jedem gegeben. Viele Managerinnen und Manager sind in Krisen wie gelähmt - vor lauter Angst, Zorn, Verwirrung oder aufgrund der Neigung, anderen die Schuld zu geben. Gerade in herausfordernden Situationen ist es wichtig, innezuhalten und nachzudenken.

Resiliente Führungskräfte halten sich nicht lange damit auf, traumatische Ereignisse zu sezieren. Sie schauen in die Zukunft und überlegen sich, wie sie in dieser neuen Situation weiterkommen. Durch Reflexion gelingt es ihnen, eine negative Situation zu kontrollieren und zu beeinflussen - und sie schätzen Ausmaß und Tragweite einer Krise realistisch ein.

Wie resilient man auch im Alltag ist, hängt dazu vom persönlichen Umfeld ab. Kollegen, Vorgesetzte und Familie können Kraft und Rückhalt geben. Zudem können Manager und Managerinnen resilienter werden, indem sie reflektieren, wofür sie im Leben dankbar sind. Konzentrieren Sie sich auf positive statt negative Gefühle und machen Sie so einen wichtigen Schritt, die mentale Gesundheit zu fördern.

Das Team resilienter machen

Viele Teams sind in der Coronapandemie sehr effizient geworden - sie schaffen mehr in kürzerer Zeit. Gleichzeitig sagen immer mehr Menschen: "Ich kann nicht mehr!". Als Führungskraft können Sie ihren Mitarbeitern helfen, gestärkt aus der Krise herauszukommen. Dabei sollten sie Ihre Kollegen auf mehreren Ebenen unterstützen.

Um an Krisen wachsen zu können, müssen die Mitarbeiter sie zunächst verstehen und emotional verarbeiten. Nutzen Sie als Vorgesetzte die neuen Prozesse aus der Krise, um Innovationen für die Zukunft anzustoßen. Fördern Sie dazu die Kommunikation im Team, damit sich Ihre Mitarbeiter weniger allein fühlen und die emotionale Kraft der Gruppe erfahren. In Ihrer Rolle als Kollege und Führungskraft müssen Sie verstehen, welche Folgen die Pandemie auf die Menschen in Ihrem Umfeld hat. Sprechen Sie daher offen darüber, was Ihnen selbst zu schaffen macht und fragen Sie ihre Mitarbeiter, ob sie nicht auch ihre Erfahrungen teilen wollen. Entwickeln Sie danach mit Ihren Kollegen ein Narrativ für das Trauma und die Zeit danach. Das hilft bei der Akzeptanz des Geschehenen.

Wieder Freude an der Arbeit finden

Krisen wie die Coronapandemie zehren an den Mitarbeitern. Viele von ihnen sind vom durchgehenden Stress und der emotionalen Beanspruchung erschöpft. Auch in Unternehmen, denen es wirtschaftlich gut ergangen ist, haben Veränderungen dazu geführt, dass der Druck auf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestiegen ist. Obwohl wir die Pandemie alle unterschiedlich erlebt haben, sind wir doch alle von Verlust und Trauer betroffen. Viele von uns fühlten sich in den vergangenen Monaten unehrlich, wenn wir nach außen vermittelt haben, dass alles in Ordnung sei, obwohl es in Wahrheit anders in uns aussah. Das gilt ebenso für die aktuellen Krisen.

Wenn der Unterschied zwischen unserem Inneren und dem Verhalten, das wir anderen gegenüber zeigen, zu groß wird, kann das unsere psychische Gesundheit verschlechtern. Nach der akuten Krise gilt es, die Freude an der Arbeit wiederzufinden. Dazu sollten Sie sich ihrer Stärken wieder bewusst werden und diese im Berufsalltag einsetzen. Wenn wir intensiv auf wichtige Ziele hinarbeiten und mutig Hindernisse überwinden, kann das ein Bedürfnis nach Weiterentwicklung stillen und die Lust aufs Arbeiten neu wecken.

Gerade nach der Isolation im Home Office ist es wichtig, die Pflege von Beziehungen am Arbeitsplatz wieder aufzunehmen, um gestärkt zurück ins Büro zu kommen. Nutzen Sie Ihre Pausen, um sich engen Kollegen anzuvertrauen und mit neuen Kollegen über ihre Herausforderungen und Ziele für die Zukunft zu sprechen.

Burn-out erkennen und richtig handeln

Wer nichts für seine Resilienz tut, landet schnell im Burn-out. Viele Mitarbeiter trauen sich in einer solchen Situation nicht, ihre Führungskraft darauf anzusprechen. Sie befürchten von Kollegen bemitleidet zu werden oder vom Chef weniger Aufgaben anvertraut zu bekommen. Doch Ihr Vorgesetzter ist die Person, die Ihnen jetzt schnell helfen kann.

Sprechen Sie ihn oder sie an und schildern Sie Ihre Situation so konkret wie möglich - natürlich ohne persönliche Details. Entschuldigen Sie sich nicht für Ihr Burn-Out, aber übernehmen Sie Verantwortung dafür, wie es Ihre Arbeit beeinträchtigt hat. Üben Sie das Gespräch mit Kollegen - vor allem, wenn Sie sich nicht Wohl dabei fühlen, direkt zu Ihrem Chef zu gehen. Stellen Sie in dem Gespräch klar, dass Sie vor allem um Hilfe bitten und Teil der Lösung sein möchten. Wichtig dabei: Suchen Sie sich auch die Hilfe von Experten, die Ihre Situation von außen beurteilen und Sie im Falle einer ernsthaften Erkrankung behandeln können.

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