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Selbstmanagement Werden Sie belastbarer!

Heute werden Manager in rascher Folge mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Ein vierstufiges Trainingsprogramm hilft, Krisen mutig und dynamisch zu bewältigen, statt lange über deren Ursachen zu grübeln.
aus Harvard Business manager 3/2010
Foto: Gustafsson / imago images/Westend61

Eigentlich läuft alles ganz gut. Da ruft plötzlich ein wichtiger Kunde an und sagt: "Wir arbeiten ab dem nächsten Monat mit anderen Lieferanten zusammen. Ihr Unternehmen passt leider nicht mehr zu unserer Strategie." Oder drei Kollegen, die alle ungefähr zur selben Zeit in Ihrer Firma angefangen haben wie Sie, sollen jetzt befördert werden - nur Sie nicht. Oder Ihr Team verliert durch betriebsbedingte Kündigungen nun schon den dritten guten Mitarbeiter. Egal, ob die Marktlage schlecht ist oder nicht - Sie müssen Ihre Umsatzvorgaben auf jeden Fall erreichen, sind dabei aber jetzt ausgerechnet auf zwei der unkooperativsten Mitarbeiter Ihres Teams angewiesen.

Wie verhalten Sie sich in solchen Situationen? Reagieren Sie wütend und enttäuscht, schimpfen wie ein Rohrspatz und klagen allen Leuten, die es hören wollen, Ihr Leid? Sind Sie deprimiert und sehen sich als Opfer negativer Umstände? Finden Sie sich resigniert mit der grausamen Realität ab, obwohl Sie sie andererseits doch eigentlich noch gar nicht so richtig wahrhaben wollen? Oder empfinden Sie das Problem als spannende Herausforderung (auch wenn sich vielleicht ein wenig Furcht in Ihre Begeisterung mischt), weil Sie darin eine bisher ungeahnte Chance sehen, Ihre Talente und Fähigkeiten weiterzuentwickeln? Wahrscheinlich haben Sie alle diese Reaktionen schon einmal durchlaufen, wenn Sie mit schwierigen Situationen konfrontiert waren - vielleicht erleben Sie in einer Phase, in der alles schiefzugehen scheint, sogar ein richtiges Wechselbad unterschiedlichster Gefühle.

Doch ganz egal, wie Ihre erste Reaktion auch aussieht: Die Herausforderung besteht darin, eine negative Erfahrung in eine produktive Situation umzumünzen - also in Krisensituationen belastbar zu sein. Diese sogenannte psychische Resilienz ist die Fähigkeit, rasch und konstruktiv auf Krisen zu reagieren - eine Dynamik, die hinter den meisten Überlebensgeschichten steckt. Diese Eigenschaft besaßen zum Beispiel die schwer traumatisierten Menschen und Unternehmen, die nach den Anschlägen vom 11. September oder dem verheerenden Hurrikan "Katrina" rasch wieder auf die Füße kamen. Doch diese seelische Widerstandskraft ist nicht immer leicht aufzubringen: Nach einem schweren Rückschlag können Angst, Zorn und Verwirrung uns manchmal förmlich lähmen. Sich in Schuldzuweisungen zu ergehen, statt Lösungsansätze zu entwickeln, ist leider eine nur allzu menschliche Neigung. Und was noch schlimmer ist: Die Menschen, die wir um Rat bitten, geben uns in so einer Situation vielleicht genau die falschen Empfehlungen.

Kompakt

Das Problem
Psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) ist nicht jedem gegeben. Viele Manager sind in Krisen wie gelähmt - vor lauter Angst, Zorn, Verwirrung oder aufgrund der Neigung, anderen die Schuld zu geben.


Das Ziel
Resiliente Manager halten sich nicht lange damit auf, traumatische Ereignisse zu sezieren. Sie schauen in die Zukunft und überlegen sich, wie sie in dieser neuen Situation weiterkommen. Ihnen wird rasch klar, wie stark sie eine negative Situation kontrollieren und beeinflussen können - und sie schätzen Ausmaß und Tragweite einer Krise realistisch ein.

Das Training
Die Autoren empfehlen Führungskräften, eine Krise systematisch nach den Aspekten Kontrolle, Einfluss, Tragweite und Dauer zu analysieren. Je drei Fragen dienen dazu, die Situation zu präzisieren, zu imaginieren und zu überlegen, mit wem gemeinsam eine Lösung entwickelt werden kann.

Jahrzehntelange Forschungsarbeiten von Psychologen zu Themen wie Widerstandsfähigkeit, erlernte Hilflosigkeit, Stressbewältigung und dem Zusammenhang zwischen Denkstil und Gesundheit haben bestätigt, dass jeder Mensch ein eigenes konsistentes Denkmuster hat, mit dem er die Wechselfälle des Lebens betrachtet und verarbeitet - und den meisten Menschen ist dieses Muster kaum bewusst.

Vielleicht ist es ein unbewusster Reflex, bei traumatischen Erlebnissen in die Vergangenheit zurückzublicken und dort nach einer Erklärung zu suchen. So eine Analyse kann sicher auch ganz sinnvoll sein - aber nicht, wenn starke negative Emotionen uns daran hindern, die Krise zu überwinden und anschließend wieder ganz normal weiterzuleben.

Wir glauben, dass Manager bei sich und in ihren Teams ein hohes Maß an Resilienz aufbauen können, indem sie hinterfragen, wie sie mit Krisen umgehen. Resiliente Manager gehen von der Analyse der Krise sehr rasch zur Entwicklung eines Aktions- (und Reaktions-)Plans über. In Krisensituationen schalten sie von ursachenorientiertem auf reaktionsorientiertes Denken um und blicken stets nach vorn. Bei unserer Arbeit mit Führungskräften unterschiedlichster Unternehmen und Branchen haben wir vier verschiedene Denkmuster identifiziert, mit denen ein Manager Krisen effizient bewältigen kann.

Kontrolle: Überlegen Sie sich in einer Krisensituation, was Sie in diesem Augenblick daran verbessern können, oder analysieren Sie erst einmal sämtliche Ursachen der Krise?

Einfluss: Können Sie der Versuchung widerstehen, die Gründe für das Problem bei sich oder anderen Menschen zu suchen, und sich stattdessen ausschließlich auf die positiven Auswirkungen konzentrieren, die Ihr Handeln auf die aktuelle Krisensituation haben könnte?

Tragweite: Gehen Sie davon aus, dass die Krise eine ganz bestimmte Ursache hat, die man in den Griff bekommen kann, oder machen Sie sich Sorgen, dass sie Ihr ganzes Leben überschatten könnte?

Dauer: Wie lange werden die Krise und deren Nachwirkungen Ihrer Meinung nach dauern?

Bei den ersten beiden Fragen geht es um die persönliche Reaktion eines Individuums auf Krisensituationen; in den beiden letzten Fragen spiegelt sich wider, wie ein Mensch die Tragweite der Krise einschätzt. Manager, die in einer problematischen Situation stecken, sollten sich alle vier Fragen ehrlich beantworten, um ihre instinktive Reaktion auf persönliche und berufliche Herausforderungen, Rückschläge oder Misserfolge richtig einschätzen zu können.

Im folgenden Text möchten wir Ihnen anstelle reflexartiger Reaktionen einen bewussten Umgang mit Missgeschicken empfehlen, dem diese vier Denkmuster zugrunde liegen und der die Fähigkeit der Resilienz fördern kann. Anhand einer Reihe gezielter Fragen können Manager ihre Denkgewohnheiten und die ihrer Mitarbeiter beurteilen und negative Ereignisse aus einer konstruktiven Perspektive betrachten. Wer diese vier Fragen als Orientierungshilfe benutzt, kann lernen, sich in Krisensituationen nicht mehr wie gelähmt zu fühlen, sondern mit Kreativität und innerer Stärke darauf reagieren - und auch seinen Mitarbeitern den Weg zu einer konstruktiveren Krisenbewältigung zeigen.

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