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Philipp Lahm "Ich wusste, dass nichts dergleichen nachkommen würde"

Beim WM-Sieg 2014 war Philipp Lahm Kapitän der Nationalelf. Heute ist er Inhaber des Naturkostherstellers Schneekoppe. Im Interview sagt er, was er aus dem Fußball für sein Unternehmen mitgenommen hat.
Das Interview führte Michael O. R. Kröher
aus Harvard Business manager 12/2022
Philipp Lahm war 2014 Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, als diese die Weltmeisterschaft gewann

Philipp Lahm war 2014 Kapitän der deutschen Fußballnationalmannschaft, als diese die Weltmeisterschaft gewann

Foto: Peter Rigaud / DER SPIEGEL

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Mit welchem Gefühl haben Sie 2017 Ihre Profikarriere beendet?

Philipp Lahm: Der Abschied ist mir nicht schwergefallen, denn für mich hat alles im Leben seine Zeit. Es war für mich ein großes Privileg, auf einem so hohen Niveau Fußball spielen zu können. Ich wusste, dass nichts dergleichen nachkommen würde. Also habe ich versucht, mir positive Perspektiven und lohnende Aufgaben zurechtzulegen. Ich habe mich dann vor allem um meine Stiftung gekümmert.

Ihre Stiftung unterstützt benachteiligte junge Menschen dabei, durch Ernährung und Bewegung gesünder zu leben. Wie haben Sie in diese neue Rolle als Stiftungsvorsitzender hineingefunden?

Es war Learning by Doing. Außerdem hatte ich kompetente Beratung: Im Kuratorium der Stiftung saßen damals erfahrene Experten wie der frühere Bundespräsident Roman Herzog oder Norbert Walter, der ehemalige Chefökonom der Deutschen Bank. Von denen konnte ich sehr viel lernen.

Wie sind Sie auf das Thema Ihrer Stiftung gekommen?

Gesunde Ernährung, das richtige Ausmaß an Bewegung und eine ausgewogene Lebensweise sind schon lange wichtige Themen für die Menschen unserer Gesellschaft, nicht erst seit der Corona-Pandemie. Außerdem passen diese Themen zu mir und meiner persönlichen Entwicklung. Ich stamme aus einer intakten Familie, es war bei uns selbstverständlich, dass alle pro Tag eine warme Mahlzeit zu sich nehmen. Oma und Opa saßen oft mit am Tisch. Das alles ließ mich werden, was ich heute bin. Und ich möchte solche Verhältnisse möglichst vielen Kindern und Jugendlichen ermöglichen. Auch jenen, denen das zu Hause nicht selbstverständlich geboten wird.

Danach haben Sie in Unternehmen investiert und sich dort engagiert. Zunächst haben Sie Sixtus saniert, das Pflegeprodukte vertreibt, dann den Nahrungsmittelproduzenten Schneekoppe umgekrempelt. Wie kam es dazu?

Ich wollte in einem Segment Erfahrung sammeln, das zu mir passt. Meine Stiftung arbeitet im Bereich Gesundheit, da lag ein Investment in die genannten Firmen nahe, denen es zum Zeitpunkt meines Einstiegs nicht gut ging. Bei Schneekoppe haben wir zum Beispiel das Sortiment komplett umgestellt, vertreiben jetzt ausschließlich Bioprodukte und stehen bei einem großen Lebensmitteldiscounter im Regal.

Wie unterscheidet sich das Führen im Sport von dem in der Wirtschaft?

Die Herausforderungen liegen nicht weit auseinander. Es geht immer darum, die Talente  und Einsatzbereitschaft der einzelnen Beteiligten zu bündeln und ein gut funktionierendes Team herzustellen, in dem jeder seine Rolle findet und ausfüllen kann.

Aber im Fußball zeigen sich die Ergebnisse für jeden sichtbar auf dem Platz. Ein Unternehmen ist komplexer.

Das stimmt. Deshalb habe ich zum Beispiel den Wochenrhythmus, in dem der Fußball weitgehend arbeitet und in dem sich Ergebnisse zeigen, auf mein Unternehmen übertragen. Auch dort fragen wir uns in der Regel wöchentlich: Wo stehen wir? Was haben wir geleistet, was hat nicht so gut geklappt? Wie können wir besser werden?

Am 20. November beginnt die Fußball-WM in Katar. Worauf kommt es in der Schlussphase der Vorbereitungen für die Mannschaft an?

Entscheidend ist das Zusammenwachsen zu einem belastbaren, lebendigen Team . Die Mannschaft muss einen Kern herauskristallisieren, zu dem alle Vertrauen haben und auf den sich jeder verlassen kann. Außerdem muss sich eine Atmosphäre der Anerkennung und des gegenseitigen Verstehens herausbilden, in die sich jeder möglichst leidenschaftlich einbringt.

Und worauf hoffen Sie bei dieser WM?

Natürlich auf ein möglichst gutes Abschneiden unserer Nationalmannschaft. Aber auch auf ein überzeugendes, stimmiges Auftreten der Spieler. Wir sind ein offenes, demokratisches Land. Das sollen meine Kollegen auch bei dem Turnier und im Umfeld repräsentieren. Auf eine Weise, mit der sich möglichst viele Menschen identifizieren können.

Ausgabe Dezember 2022

Warum so zynisch?

Misstrauen zerstört die Zusammenarbeit. Wie Führungskräfte umsteuern.

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