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Neugier Wieso, weshalb, warum?

Neugierige Menschen sind kreativer und arbeiten besser unter Stress. Trotzdem wird in Unternehmen die Fähigkeit zum Staunen konsequent unterdrückt. Was Manager besser machen können.
aus Harvard Business manager 12/2018
Foto: Janosch Boerckel und Tim Dechent

Bahnbrechende Entdeckungen und herausragende Ideen in der Geschichte der Menschheit, vom Feuermachen bis hin zu selbstfahrenden Autos, haben eines gemeinsam: Sie sind durch Neugier entstanden. Der Impuls, nach neuen Informationen und Erfahrungen zu suchen und unbekannte Möglichkeiten zu erkunden, liegt in der Natur des Menschen. Neueste Forschungen verweisen auf drei wichtige Erkenntnisse zur Bedeutung der Neugier für Unternehmen.

Erstens, die Wissbegierde ist weitaus wichtiger für den Erfolg eines Unternehmens als bisher angenommen. Der Grund: Neugierige Führungskräfte und Mitarbeiter können sich leichter auf unsichere Marktbedingungen und Druck von außen einstellen. Ist unsere Neugier einmal geweckt, denken wir wesentlich gründlicher und rationaler nach, bevor wir eine Entscheidung treffen, und gelangen zu kreativeren Lösungen. Hinzu kommt, dass neugierigen Managern mehr Respekt entgegengebracht wird und Mitarbeiter ein vertrauensvolleres und kollegialeres Verhältnis zueinander aufbauen.

Zweitens können die Unternehmenschefs bereits durch kleine Veränderungen in der Organisationssstruktur und in ihrem Führungsstil Neugier fördern und ihr Unternehmen dadurch erfolgreicher machen. Das gilt für sämtliche Branchen und für kreative Arbeiten ebenso wie für Routineaufgaben.

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Drittens ist es häufig so, dass Führungskräfte zwar behaupten, sie schätzten wissbegierige Menschen, tatsächlich aber die Neugier hemmen, weil sie Risiko und Ineffizienz fürchten. In einer Umfrage, die ich mit über 3000 Mitarbeitern aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen durchgeführt habe, gaben nur etwa 24 Prozent an, sie seien bei ihrer Arbeit grundsätzlich neugierig. Rund 70 Prozent sagten, sie würden daran gehindert, bei der Arbeit mehr Fragen zu stellen.

In diesem Artikel möchte ich aufzeigen, welche Vorteile Neugier am Arbeitsplatz hat und wodurch sie eingeschränkt wird. Ich stelle fünf Strategien vor, die Managern helfen können, die Neugier ihrer Mitarbeiter und ihre eigene Wissbegierde gewinnbringend einzusetzen.

Die Vorteile der Neugier

Die aktuelle Forschung zeigt, dass Unternehmen, Führungskräfte und Mitarbeiter in hohem Maße von Neugier profitieren können.

Weniger Fehlentscheidungen

Ist die Neugier einmal geweckt, so zeigen meine Untersuchungen, sind wir weniger anfällig für Bestätigungsfehler (Confirmation Bias, also die Suche nach Informationen, die unsere Meinung stützen, statt nach Hinweisen darauf, dass wir uns getäuscht haben könnten). Und wir neigen weniger dazu, Menschen auf Stereotype festzulegen (mit allgemeinen Vorurteilen wie etwa, dass Frauen oder Vertreter von Minderheiten nicht gut als Führungskräfte geeignet seien). Neugier hat diesen positiven Effekt, weil sie dazu anregt, nach Alternativen zu suchen.

Mehr Innovationen und Ideen

Ein Beispiel macht dies deutlich: Für eine Feldstudie fragten Spencer Harrison von Insead und seine Kollegen Künstler, die ihre Arbeiten über eine Website im Internet verkauften, wie neugierig sie bei der Arbeit sind. Anschließend wurde die Kreativität der Teilnehmer gemessen anhand der Anzahl der Kunstwerke, die sie innerhalb von zwei Wochen anboten. Eine Zunahme der Neugier um eine Einheit (zum Beispiel eine Bewertung mit 6 statt mit 5 auf einer Skala von 1 bis 7) führte zu einer um 34 Prozent höheren Kreativität. In einer anderen Studie konzentrierten sich Harrison und seine Kollegen auf Callcenter, in denen die Tätigkeiten häufig stark reglementiert sind und im Allgemeinen eine hohe Fluktuation herrscht. Sie baten neu eingestellte Mitarbeiter in zehn Unternehmen, einen Fragebogen auszufüllen, der unter anderem messen sollte, wie groß ihre Neugier war, bevor sie ihre neue Stelle angetreten hatten. Nach vier Wochen wurden sie zu ihrer Arbeit befragt. Die Ergebnisse zeigten, dass die neugierigsten Mitarbeiter die meisten Informationen von ihren Kollegen erfragten und dass diese Informationen ihnen bei ihrer Arbeit halfen – sie steigerten zum Beispiel ihre Kreativität im Umgang mit Kundenanliegen.

Meine eigene Forschung bestätigt, dass es zu Verbesserungen am Arbeitsplatz führt, wenn Mitarbeiter ermutigt werden, neugierig zu sein. Für eine Studie befragte ich rund 200 Mitarbeiter aus unterschiedlichen Unternehmen und Branchen. Vier Wochen lang erhielt die Hälfte von ihnen zweimal wöchentlich zu Beginn ihres Arbeitstages eine Textnachricht, in der stand: "Auf welches Thema oder welche Tätigkeit sind Sie heute neugierig? Was nehmen Sie normalerweise als selbstverständlich hin und möchten Sie heute hinterfragen? Bitte stellen Sie im Laufe des Tages einige Warum-Fragen. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, wie Sie Ihren Arbeitstag heute mit diesen Fragen gestalten wollen."

Die andere Hälfte (die Kontrollgruppe) erhielt eine Nachricht, die zum Nachdenken anregen, aber keine Neugier wecken sollte: "Mit welchem Thema oder welcher Tätigkeit werden Sie sich heute beschäftigen? An welcher Sache arbeiten Sie normalerweise, die Sie heute abschließen werden? Bitte denken Sie im Laufe des Tages daran. Nehmen Sie sich ein paar Minuten Zeit, um zu überlegen, wie Sie Ihren Arbeitstag heute mit diesen Fragen gestalten wollen."

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