Networking Lange nicht vernetzt? Tipps, wie Sie wieder einsteigen können

Durch die Coronapandemie sind viele Gelegenheiten zur beruflichen Vernetzung weggefallen. So können Sie beim Netzwerken wieder durchstarten.
Viel zu besprechen: Der Einsteig zurück ins berufliche Networking ist nicht leicht, kann sich für die eigene Karriere aber lohnen

Viel zu besprechen: Der Einsteig zurück ins berufliche Networking ist nicht leicht, kann sich für die eigene Karriere aber lohnen

Foto: Buena Vista Images / Getty Images

Selbst für engagierte Netzwerker und Netzwerkerinnen hat die Pandemie die typischen Gelegenheiten zum Knüpfen beruflicher Kontakte zunichte gemacht: Konferenzen wurden abgesagt, die Arbeit wurde ins Virtuelle verlagert und es gab viel weniger Gelegenheiten für persönliche Networking-Veranstaltungen. Viele von uns haben sich auf ihre bestehenden Beziehungen konzentriert und die Zahl der neuen Kontakte, die wir in den letzten zwei Jahren geknüpft haben, drastisch reduziert. Zudem wurden viele lose Kontakte aufgegeben. Eine Studie  fand heraus, dass die Zahl der lockeren Beziehungen in Unternehmen, die auf virtuelles Arbeiten umstellten, um 21 Prozent zurückgegangen ist.

ist eine Marketingstrategin und Keynote-Speakerin, die an der Fuqua School of Business der Duke University lehrt und von Thinkers50 als eine der 50 besten Unternehmensdenkerinnen der Welt bezeichnet wurde. Ihr neuestes Buch ist "The Long Game: How to Be a Long-Term Thinker in a Short-Term World" (HBR Press, 2021) und Sie können ihre kostenlose Selbsteinschätzung zum strategischen Denken im Rahmen des Long Game erhalten.

Das mag im Moment nicht als Problem erscheinen, aber mit der Zeit, so vermuten Forscher, kann es zu einem Rückgang von Innovation führen, weil wir nicht mit neuen Perspektiven konfrontiert werden. Wie können wir also anfangen, dem Networking eine höhere Priorität einzuräumen, selbst wenn wir uns eingerostet und aus der Übung fühlen?

Dieser Frage gehe ich in meinem Buch "The Long Game: How to Be a Long-Term Thinker in a Short-Term World" nach, denn der Aufbau von Beziehungen ist, wenn er richtig gemacht wird, der Grundstein für langfristige Chancen. Ich habe im Folgenden Strategien gesammelt, die sich als hilfreich erweisen werden, wenn wir wieder ins Büro und zu anderen beruflichen Zusammenkünften zurückkehren - ganz gleich, wie groß die Treffen sind, an denen Sie teilnehmen möchten.

Nehmen Sie persönliche Kontakte wieder auf

Die Teilnahme an großen Networking-Veranstaltungen kann sich überwältigend anfühlen - gerade, wenn man es eine Weile nicht gemacht hat. (Und seien wir ehrlich: Für Introvertierte waren sie schon immer überwältigend.)

Fühlen Sie sich überwältigt, ist die Suche nach persönlichen Kontakten ein guter Ausgangspunkt, um die Netzwerkmuskeln wieder aufzubauen. Sie können mit Kollegen oder Kunden beginnen, mit denen Sie während der Pandemie virtuell in Kontakt getreten sind und mit denen Sie Ihre Beziehungen vertiefen möchten. Sie können auch eine Liste mit ruhenden Verbindungen erstellen - Personen, die Sie in den letzten zwei Jahren kaum gesehen oder interagiert haben und zu denen Sie Ihre Beziehungen auffrischen möchten.

Wenn Sie diese Möglichkeiten ausgeschöpft haben oder Ihnen keine Personen einfallen, mit denen Sie sich gerne treffen würden, bitten Sie einen Freund oder eine Freundin (vor allem jemanden, von dem Sie wissen, dass er ein guter Netzwerker ist) um Vorschläge für Menschen, die Sie treffen sollten. Erkundigen Sie sich, ob diese Person bereit wäre, Sie einander vorzustellen oder ein Kaffee- oder Videogespräch zu dritt zu organisieren. Wahrscheinlich wird Ihnen gerne geholfen.

Dies ist eine vielversprechende Möglichkeit, sich wieder mit den Grundlagen des Networkings vertraut zu machen, bei dem es im Grunde nur darum geht, interessante Menschen besser kennenzulernen.

Nehmen Sie an Networking-Veranstaltungen teil

Wenn Sie sich bereit fühlen, an einer Networking-Veranstaltung teilzunehmen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein, dass sich einige Dinge geändert haben, zum Beispiel das Maß an persönlichem Abstand und Freiraum, den Sie und andere für angemessen halten. Außerdem müssen wir uns wieder auf die Grundlagen des Smalltalks besinnen und Wege finden, um mit Fremden in Kontakt zu treten.

Am besten ist es, so der Psychologe Robert Cialdini, wenn Sie schnell eine Gemeinsamkeit mit der anderen Person finden. Wenn Sie etwas gemeinsam haben, haben Sie nicht nur etwas, worüber Sie reden können, sondern Sie vermitteln auch, dass Sie "einer von ihnen" sind, und schaffen so einen Weg, Vertrauen aufzubauen. Nach einer Pandemie, in der soziale Kontakte eingeschränkt waren und Fremde als potenzielle Krankheitsüberträger gefürchtet wurden, kann es besonders wirkungsvoll sein, bei neuen Kontakten Ihre Gemeinsamkeiten zu betonen.

Eine Strategie, die dies erleichtert, ist die Auswahl gezielter Veranstaltungen, an denen Sie teilnehmen. Anstatt zu einer allgemeinen Networking-Veranstaltung zu gehen, könnten Sie sich zum Beispiel bemühen, an einer Veranstaltung teilzunehmen, die von Ihrem Alumni-Verein gesponsert wird. Sie haben automatisch etwas mit den anderen Teilnehmern gemeinsam, sodass sich die Konversation leichter gestaltet ("In welchem Wohnheim haben Sie gewohnt? Sie haben Philosophie studiert. Haben Sie den Kurs von Professor Green besucht?"). Außerdem entsteht durch die gemeinsame Erfahrung schneller ein Gefühl der Vertrautheit. Vielleicht stellen Sie sogar fest, dass Sie bereits gemeinsame Kontakte haben, was die Verbindung weiter vertieft.

Veranstalten Sie Ihre eigenen Events

Das Problem bei der Teilnahme an Veranstaltungen anderer Menschen ist, dass sie möglicherweise nicht so fürs Networking optimiert sind, wie Sie es gerne hätten. (Ich habe vor Kurzem an einer Veranstaltung teilgenommen und bin einerseits den Gastgebern dankbar, dass sie die Leute zusammengebracht haben – andererseits kann ich es immer noch nicht glauben, dass sie keine Namensschilder zur Verfügung stellten, um das Kennenlernen zu erleichtern.)

Wenn Sie bereit sind, die Organisation einer Veranstaltung in die Hand zu nehmen, können Sie nicht nur die Teilnehmerliste kontrollieren, sondern auch den Ablauf strukturieren. (Ich stelle zum Beispiel eine "Tischfrage", um die Gruppe bei einem Abendessen zusammenzubringen.) Sie können auch auf gesundheitliche Vorlieben Rücksicht nehmen. (Wenn das Wetter es zulässt, können die Covid-Vorsichtigen Plätze im Freien reservieren).

Sie könnten in Erwägung ziehen, einen Co-Moderator oder eine Co-Moderatorin einzubinden Durch die Aufteilung der Aufgaben wird die Last leichter. Sowohl Sie als auch der Co-Moderator oder die Co-Moderatorin können, zum Beispiel, drei bis vier Gäste einladen. Durch dieses Manöver haben Sie Hilfe für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung. (Wenn Sie gerade nicht im Raum sind und die Unterhaltung in kontroverse Themen abgleitet, kann Ihr Co-Gastgeber oder Ihre Co-Gastgeberin sie wieder in die richtigen Bahnen lenken.) Und natürlich besteht der Hauptvorteil darin, dass Ihr Co-Moderator bzw. Ihre Co-Moderatorin Ihr Netzwerk kennenlernt und umgekehrt.

Die lockeren Verbindungen, die sich aus dem Kennenlernen Ihrer Netze ergeben, können sich positiv auswirken: Eine Frau, die ich zu einem Abendessen einlud, lernte einen anderen Teilnehmer kennen, der zum Berater ihres Start-ups wurde und ihr half, ihre erste Kapitalrunde abzuschließen.

Denken Sie daran: Fast alle Menschen sind genauso aus der Übung wie Sie, und selbst wenn sie nicht an Ihrer Veranstaltung teilnehmen können, werden sie die Einladung wahrscheinlich begrüßen und zu schätzen wissen, da es in letzter Zeit so wenige Gelegenheiten zum beruflichen Networking gab.

Seit dem Beginn der Covid-19-Pandemie haben sich viele von uns zurückgezogen und sprechen hauptsächlich mit ihren bestehenden Kollegen, Kolleginnen und Kontakten. Im Interesse unseres langfristigen beruflichen Fortkommens ist es jedoch an der Zeit, wieder neue Leute kennenzulernen und lose Verbindungen wiederherzustellen. Mit den vorgestellten Strategien sind Sie gut gerüstet, um dauerhafte berufliche Beziehungen aufzubauen und zu pflegen.