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Networking Corona zerstört Beziehungen

Der Plausch in der Kaffeeküche, das Feierabendbier oder gemeinsamer Sport: Seit vielen Monaten schlafen viele unserer Kontakte ein. So retten Sie Ihr Netzwerk für die Zeit nach der Pandemie.
aus Harvard Business manager 6/2021
Die Musikerinnen und Musiker des "Orchestre National de Lyon" bei einer digitalen Probe während der Kontaktbeschränkungen.

Die Musikerinnen und Musiker des "Orchestre National de Lyon" bei einer digitalen Probe während der Kontaktbeschränkungen.

Foto: HANS LUCAS / IMAGO IMAGES

Unsere beruflichen und privaten Netzwerke schrumpfen. Eine Untersuchung der Yale University zeigt, dass sich unsere Kontakte im Verlauf der Pandemie im Schnitt um rund 16 Prozent verringert haben – das heißt um mehr als 200 Personen.

Dass Verbindungen abbrechen, ist nicht ungewöhnlich. Doch unter normalen Umständen ersetzen wir sie durch neue Beziehungen. Das findet in der Pandemie kaum noch statt. Der Grund: Wir kommen nur noch selten mit Fremden in Kontakt.

Gillian Sandstrom und Elizabeth Dunn von der University of British Columbia in Vancouver hatten vor der Pandemie untersucht, wie häufig Menschen an einem normalen Tag aufeinandertreffen – Zufallsbegegnungen und Plausch in der Kaffeeküche miteingerechnet. Im Durchschnitt begegnen wir 11 bis 16 Personen, die wir nicht besonders gut kennen. Diese Interaktionen, so die Forschung, machen glücklich und verleihen einem das Gefühl von Zugehörigkeit. Fallen sie weg, nehmen die Gefühle von Einsamkeit und Isolation zu.

Die Yale-Untersuchung ergab auch, dass die Netzwerke von Frauen in der Pandemie deutlich weniger schrumpfen als die von Männern. Das liege vermutlich am Kommunikationsstil, erklären die Autoren: Während Frauen emotionale Nähe eher durch Gespräche herstellten, was auch über Telefonate oder Messengerdienste funktioniert, würden Männer eher miteinander Dinge unternehmen: Sie träfen sich zum Beispiel zum Sport. Durch die Kontaktbeschränkungen sei das derzeit kaum möglich.

Die Forscher raten deshalb dazu, sich in Zeiten sozialer Distanzierung einen Ruck zu geben, um persönliche Kontakte aufrechtzuerhalten: "Wir müssen uns aktiv darum bemühen, abgebrochene Beziehungen wieder zum Leben zu erwecken. Sonst werden die Folgen wahrscheinlich dauerhaft sein." Telefongespräche dienen der Beziehungspflege dabei oft mehr als Onlinetreffen, so die überraschende Empfehlung der Wissenschaftler. Videokonferenzen, so zeige die Forschung, seien ungeeignet, um soziale Verbindungen aufrechtzuerhalten.

"Es ist unmöglich, in die Kamera zu schauen und gleichzeitig die Augen des anderen zu lesen. Wir sind empathischer und hören besser zu, wenn wir einfach nur eine Stimme hören", schreiben die Autoren. Ein Telefonanruf sei fast so gut wie eine Umarmung – er reduziere die Ausschüttung von Cortisol, einem Stresshormon.

Quelle: Balázs Kovács et al.: "Social Networks and Loneliness During the COVID-19Pandemic", Socius: Sociological Research for a Dynamic World, Januar 2021

Ausgabe Juni 2021

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Dieser Artikel erschien in der Juni-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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