Karriere Nehmen Sie Ihr Onboarding selbst in die Hand

Verlassen Sie sich nicht auf das Unternehmen, wenn Sie einen neuen Job beginnen. Treiben Sie Ihre Einarbeitung selbst voran und knüpfen Sie gezielt wichtige Kontakte.
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Veam / imago images/Westend61

Als Liz eine Stelle als Produktmanagerin in einer wachsenden Biotech-Firma angeboten wurde, war sie begeistert. Sie hatte viel Zeit mit der Jobsuche verbracht, bis sie ein Unternehmen gefunden hatte, wo alles perfekt schien. Die Bewerbungsgespräche liefen gut und sie konnte zum Schluss geschickt verhandeln.

Doch nach den ersten Tagen im neuen Unternehmen und nach einem Monat Onboarding kamen ihr Zweifel und sie war sich nicht mehr sicher. Sie spürte, dass sie nicht in die Unternehmenskultur passte, war sich unsicher, zu wem sie Beziehungen aufbauen sollte und wusste nicht, was ihre Rolle eigentlich genau war. Liz begann sich zu fragen, ob sie überhaupt für diesen Job, für den sie so hart gearbeitet hatte, qualifiziert war. 

Als Coach für Führungskräfte habe ich viele Manager wie Liz (ihr Name wurde geändert) gesehen - tatsächlich war Liz selbst meine Klientin. In der Zusammenarbeit mit ihr rund um den Arbeitsplatzwechsel wurde deutlich, dass sie zwar begeistert war, den neuen Job zu beginnen, aber die Einarbeitung nicht rund lief. Untersuchungen von McKinsey zeigen, dass fast die Hälfte aller Einarbeitungsprozesse von neuen Führungskräften innerhalb von zwei Jahren scheitern. Wenn Sie in Ihrem neuen Job erfolgreich sein wollen, dürfen Sie sich beim Onboarding nicht auf das Unternehmen verlassen. Sie müssen die Einarbeitung selbst in die Hand nehmen.

Bauen Sie Beziehungen auf - nach oben, unten und abteilungsübergreifend

Als Neueinsteiger starten Sie meist fast ohne internes Netzwerk im Unternehmen. Viele fokussieren sich deshalb anfangs darauf, Beziehungen zu ihren Vorgesetzten und ihren direkten Mitarbeitern aufzubauen. Aber auch andere Mitarbeiter im gesamten Unternehmen können Ihre Karriere intern entscheidend beeinflussen. 

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Laterale Beziehungen variieren je nach Branche, daher ein Beispiel. Eine leitende Marketingdirektorin untersteht einer Führungskraft, die wiederum dem globalen Vizepräsidenten für Marketing untergeordnet ist. Die Marketingdirektorin muss verstehen, wie ihre Produktlinie sich in die allgemeine Marketingstrategie integriert und welche Ziele die ihr gleichgestellten Kollegen haben. Sie sollte deshalb nicht nur ihren direkten Vorgesetzten kennenlernen, sondern auch die übergeordnete Ebene sowie Kollegen anderer Bereiche, um die Prioritäten des Unternehmens zu verstehen.

Nehmen Sie sich rechtzeitig Zeit, um herauszufinden wer entscheidenden Einfluss auf Ihre Rolle im Unternehmen hat und lernen Sie diese Menschen persönlich kennen. Das kann sich für Sie in der Zukunft auszahlen. Wenn Sie zum Beispiel eine Stelle angenommen haben, bei der Sie sich auf externe Partner konzentrieren, sollten zu Ihren Gesprächspartnern Kunden, Geschäftspartner, Lieferanten und Meinungsführer der Branche zählen. Haben Sie die wichtigsten Kontakte identifiziert, fragen Sie Folgendes:

  • Welches sind Ihre wichtigsten geschäftlichen Themen in den nächsten ein bis zwei Jahren?

  • Wie können unsere Abteilungen zusammenarbeiten, um dieses Ziel zu erreichen?

  • Was hat bisher gut zwischen unseren Abteilungen funktioniert, das wir fortsetzen sollten?

  • Was sollten wir anders machen, um effektiver zu sein?

  • Wie müssen wir kommunizieren, um eine optimale Zusammenarbeit zu gewährleisten?

  • Welche politische Strategie sollte ich mit meiner Abteilung verstehen, um diese Ziele zu erreichen?

  • Mit wem sollte ich Ihrer Meinung nach noch sprechen? Können Sie mich mit ihnen verbinden?

Verstehen Sie Ihre Rolle und wie Sie bewertet werden

Ein häufiger Fehler, den ich bei Führungskräften in neuen beruflichen Situationen beobachtet habe, ist deren Annahme, dass sie wissen, was ihre obersten Ziele sind und wie sie am besten mit ihren neuen Managern und Teamkollegen kommunizieren. Ich erinnere mich an einen extrovertierten Klienten, der in einer akademischen Institution arbeitete und mir erzählte, dass er unangekündigt in das Büro seines höchst introvertierten neuen Chefs ging, um mit ihm etwas zu besprechen. Das führte zu einer unmittelbaren Dissonanz in den Kommunikationsstilen. Es klingt wie eine Kleinigkeit, aber am Ende wurde sein Vertrag in der Organisation nicht verlängert.

Nehmen Sie sich während Ihres ersten Monats in einem Unternehmen Zeit, um Ihrem Chef diese Fragen zu stellen: 

  • Wie möchten Sie am liebsten Feedback geben und erhalten und auf dem neuesten Stand gehalten werden?

  • Was sind Ihre wichtigsten Ziele für das Jahr und wie passen sie zu den strategischen Zielen des Unternehmens?

  • Was sind die zwei bis drei wichtigste Erfolge, die ich innerhalb eines Jahres erreichen muss und wie werden sie gemessen?

  • Was sollte ich in den nächsten sechs Monaten erreichen?

  • Auf welche Weise kann ich Ihnen konkret zum Erfolg verhelfen?

Identifizieren Sie frühe Erfolge

Nach langen Vorstellungsgesprächen wird der Personalmanager sich sicher sein, die richtige Person für den Job gefunden zu haben und wird Ihnen in den ersten Wochen und Monaten ein Gefühl der Unbesiegbarkeit geben. Als neuer Mitarbeiter können Sie sich diesen "Halo-Effekt" zunutze machen, indem Sie frühzeitige Erfolge erkennen und umsetzen. Laut Michael Watkins müssen Sie diese Projekte sorgfältig auswählen.

Das Ziel besteht nicht darin, das ehrgeizigste Problem anzugehen und zum Helden zu werden. Vielmehr geht es darum, einen ersten Erfolg auszuwählen, der schnell erreicht werden kann, das Team motiviert und operative und finanzielle Ergebnisse liefert. Für neue Führungskräfte ist es auch wichtig, die Unternehmenskultur im Auge zu behalten, wenn sie die Umsetzung eines frühen Erfolgs planen. Dabei sollten sie sich auf erfahrene Teammitglieder verlassen, die wissen, was als Erfolg im Unternehmen angesehen wird und was nicht. 

Schaffen Sie Vertrauen zu Ihrem Team

Wenn Sie als neuer Chef oder neue Chefin an Bord kommen, denken Sie daran, dass die meisten Menschen unsicher sind, wenn sie einem neuen Vorgesetzten Bericht erstatten. Sie zögern vielleicht, weil sie Ihre Absichten und Ihre Erwartungen  noch nicht kennen. Wenn Sie keinen Plan haben, wie Sie sich mit diesem Problem auseinandersetzten wollen, kann das Ihre Führungseffektivität beinträchtigen.

Damit Ihre Kollegen und Mitarbeiter Ihre Agenda verstehen, sollten Sie zu Beginn Ihrer Beschäftigung Ihre Version klar und enthusiastisch vorstellen und einen Fahrplan mit Teamzielen, die Sie erreichen wollen, präsentieren. Ermutigen Sie das Team, die eigenen Ansichten und Perspektiven einzubringen und seien Sie ehrlich, wenn Ihnen Herausforderungen Sorgen bereiten. Diese Maßnahmen können Ihnen helfen, einen positiven ersten Eindruck zu hinterlassen und eine Basis für Vertrauen und Respekt zu schaffen. 

Mit etwas Planung und Weitsicht können Sie die Kontrolle über Ihr Onboarding übernehmen, um Ihre Lernkurve zu beschleunigen und nachhaltige Beziehungen aufbauen, die Ihnen den Erfolg im Unternehmen erleichtern können. 

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