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Karrierepfade: Roman Gaida "Was für mich Erfolg bedeutet, definiere ich selbst"

Was macht Karriere heute aus? Wir haben Führungskräfte gefragt, wie ihre Karriere verlaufen ist und welche Vorstellungen sie haben. Roman Gaida, Topmanager bei Mitsubishi Electric, über die Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
aus Harvard Business manager 9/2021
Roman Gaida ist Head of Division des Geschäftsbereichs Mechatronics CNC Europe bei Mitsubishi Electric.

Roman Gaida ist Head of Division des Geschäftsbereichs Mechatronics CNC Europe bei Mitsubishi Electric.

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Andi Werner

Das geht nicht! Diesen Satz habe ich im Laufe meiner Karriere oft gehört. Karriere machen, wenn man Zerspanungsmechaniker nach der Realschule gelernt hat? Geht nicht! Neben der Schichtarbeit samstags sein Abi nachholen? Geht nicht! Nebenberuflich eine Firma aufbauen, damit ich mir das berufsbegleitende Wirtschaftsingenieurstudium leisten kann? Jeder sagte damals: Geht nicht!

Als ich endlich Wirtschaftsingenieur war und nebenberuflich an den Universitäten RWTH Aachen und St. Gallen einen MBA absolvierte, kamen die nächsten Bedenkenträger und zweifelten daran, dass Karriere und Familie zusammen funktionieren würden. Ich war damals 30 Jahre alt, meine Frau und ich wollten gern eine Familie gründen.

Eine solch negative Einstellung im Außen spornt mich eher an: Ich beweise allen das Gegenteil und bin hundertprozentig überzeugt, dass es geht. Das gilt nicht nur, wenn es um persönliche Ziele geht, sondern auch, wenn ich mit meinem Team Entwicklungen anstoße.

Inzwischen bin ich im Management eines "Fortune"-500-Unternehmens angekommen, als Bereichsleiter EMEA bei Mitsubishi Electric Europe. Ich kümmere mich um die Weiterentwicklung des Geschäftsbereichs CNC und dessen digitale und kulturelle Transformation. Zu meinem Team gehören 150 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Karrierepfade

Wie eine erfolgreiche berufliche Entwicklung aussieht, definieren immer mehr Menschen nach ihren persönlichen Vorstellungen. Was sie eint, ist der Mut, Neues zu probieren – und das Gefühl, am richtigen Ort das Richtige zu tun. Fünf Frauen und Männer erzählen, wie sie ihren Weg gefunden haben.

Ich bin Vater von dreijährigen Zwillingen, meine Frau ist erfolgreiche Gründerin im Bereich Mental Health & Happiness. Wir teilen uns die Familienarbeit auf und planen auf Augenhöhe. Wer von uns beiden im Job gerade besonders gefordert ist, wird vom anderen entlastet.

Als Working Dad ist es natürlich manchmal mühsamer. Aber ich mache es für mich möglich. Weil ich die Prioritäten anders setze und ständig an meiner Effizienz arbeite. Eine gute Unternehmenskultur und ein transformationaler Führungsstil mit Teams und Teammitgliedern, die selbst Entscheidungen treffen, unterstützt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zusätzlich.

Ich komme aus einfachen Verhältnissen, mein Vater war Schichtarbeiter und meine Mutter Hausfrau. Ich musste mir meine eigenen Rollenbilder schaffen. Als ich nach der Ausbildung mehr als fünf Jahre an der Werkzeugmaschine bei einem großen schwäbischen Mittelständler arbeitete, war mir schnell klar, dass ich das nicht 40 Jahre lang machen möchte. Ich musste mich emanzipieren und herausfinden: Was möchte ich, was kann ich?

Um Wirtschaftsingenieurwesen zu studieren, musste ich den unbefristeten Arbeitsvertrag kündigen, den ich seit zwölf Jahren hatte. Ich blieb weiter in der Firma, verdiente aber nur rund600 Euro im Monat. Ich war damals 26 Jahre alt, wohnte mit meiner Frau zusammen. Um den Lebensunterhalt zu finanzieren, hatte ich nebenher ein Ein-Mann-Unternehmen gegründet. Ich verkaufte online Antiquitäten, aber auch CNC-Maschinen an Unternehmen. Schnell habe ich gemerkt, dass mir der Vertrieb viel mehr liegt als die Produktion. Diese Zeit war auch darüber hinaus ein Wendepunkt in meinem Leben. Ich habe das Gefühl mitgenommen, dass es sich lohnt, ins kalte Wasser zu springen und bestehende Normen zu hinterfragen, um seinen eigenen Weg zu finden.

Wir leben in einer Zeit, in der wir selbst definieren können, wie eine Karriere aussehen kann. Das ist eine Chance. Seit ich Vater von zwei Söhnen bin, weiß ich, dass ich noch an anderer Stelle als nur im Unternehmen gebraucht werde. Und ich brauche meine Söhne auch. Aber ich möchte trotzdem erfolgreich sein. Was für mich Erfolg bedeutet, definiere ich selbst. Das hat nichts mit einem großen Auto oder Eckbüro zu tun, sondern mit genügend Freiräumen zum Gestalten.

Mir ist wichtig, ein Arbeitsumfeld für meine Teams zu schaffen, in der auch meine Kolleginnen und Kollegen ihre eigene Definition von Karriere finden können und Vereinbarkeit auch für alle anderen möglich ist. Deswegen setze ich mich für eine Verbindung von Vaterschaft und Job ein.

"Ist es nicht ein Risiko, in deiner Position so offen über Vereinbarkeit zu sprechen?", werde ich oft gefragt. Ich antworte dann: "Moderne Unternehmenskulturen brauchen nicht nur Frauen im Vorstand, sondern auch Väter, die für ihre Kinder da sein können." © HBm 2021

Ausgabe September 2021

Aufstieg um jeden Preis?

Karriere: Ein Blick in die Zukunft, die bereits begonnen hat.

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Dieser Artikel erschien in der September-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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