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Selbstmanagement So bewältigen Sie einen Karriereknick

Nach beruflichen Rückschlägen verhalten sich viele Manager ähnlich - sie verfallen in eine Schockstarre und suchen die Schuld bei anderen. Lernen Sie, Ihr Verhalten zu ändern und harte Einschnitte zu nutzen, um Ihre weitere Laufbahn zu planen.
aus Harvard Business manager 2/2015
Foto: Bruce Peterson

Brian war einer der vielversprechendsten Manager in seinem Unternehmen. Er hatte sich bereits mehrere Topmanagementposten hochgearbeitet und wurde schnell zum Leiter einer der Geschäftsbereiche befördert - eine Position, in der er dem CEO direkt unterstand. Doch nach zwei Jahren entließ ihn sein Chef überraschend - trotz hervorragender finanzieller Ergebnisse, die er erzielt hatte. Die Firma wolle sich als offeneres, globaler agierendes Unternehmen positionieren, und dazu passe sein aggressiver Führungsstil nicht - so lautete die Erklärung des CEOs für diese Entscheidung.

Wie viele ehrgeizige Manager, die einen Rückschlag in ihrer Karriere erleiden, durchlief Brian zunächst Phasen des Schocks, der Verleugnung und der Selbstzweifel. Schließlich hatte er noch nie zuvor in irgendeiner Position versagt. Es fiel ihm schwer, die Tatsache zu akzeptieren, dass er nicht so gut war, wie er gedacht hatte. Außerdem war er wütend und entsetzt darüber, dass sein Chef ihm nicht einmal die Chance gegeben hatte, sich zu bewähren. Doch irgendwann wurde ihm klar, dass er die Entscheidung nicht rückgängig machen konnte. So beschloss er, nach vorn zu schauen und sich auf seine nächsten Schritte zu konzentrieren. Keiner der Kollegen, mit denen er arbeitete, hatte Einwände gegen seine Kündigung erhoben; daher lag ihm nun besonders viel daran herauszufinden, wie man Mitarbeiter zur Loyalität motivieren kann.

Schon wenige Monate später wurde Brian von einem großen Industriebedarfshersteller als Abteilungsleiter engagiert. Dort fand man die Konsequenz, mit der er finanzielle Zielvorgaben erreichte, beeindruckend. Verglichen mit seiner vorherigen Position war der Job zwar ein Abstieg, aber Brian beschloss, ihn trotzdem anzunehmen, um mit verschiedenen Arbeits- und Führungsstilen zu experimentieren. Er wollte lernen, seine Emotionen besser unter Kontrolle zu halten, und erreichen, dass sein Team hinter ihm stand. Seine Entscheidung erwies sich als richtig: Knapp drei Jahre später ernannte eine andere Firma - diesmal ein "Fortune"-500-Unternehmen - ihn zum CEO. Während seiner siebenjährigen Amtszeit verdoppelte Brian die Umsätze und schuf eine Unternehmenskultur, die Innovation mit einem Fokus auf Produktivität und Performance verband.

Natürlich schafft nicht jeder den Sprung aus der Arbeitslosigkeit in die Chefetage eines großen Unternehmens. Doch während unserer über 30-jährigen Recherche- und Beratungstätigkeit für Führungskräfte haben wir festgestellt, dass man aus Brians Geschichte doch eine allgemeingültige Lektion ableiten kann: Selbst ein dramatischer Karriereknick kann zum Erfolgssprungbrett werden, wenn man richtig darauf reagiert.

Um eine ähnliche 180-Grad-Wende herbeizuführen wie Brian, sollten Sie sich auf ein paar wichtige Schritte konzentrieren: Machen Sie sich klar, warum Sie keinen Erfolg hatten, überlegen Sie sich neue Wege, und ergreifen Sie die richtige Chance, sobald sie sich Ihnen bietet.

Gründe für den Misserfolg

Wir haben schon Hunderte von Führungskräften interviewt, die betriebsbedingt oder aus anderen Gründen entlassen wurden oder bei einer Beförderung übergangen worden sind. Die Gründe dafür waren sehr unterschiedlich: Fusionen, betriebliche Umstrukturierungen, der harte Konkurrenzkampf um Spitzenpositionen oder auch persönliches Versagen. Oft stellten wir dabei fest, dass diese Leute die typischen Stadien eines Verlusts durchliefen, die die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross in ihren Büchern beschreibt: Zunächst einmal sind sie schockiert und verleugnen das Geschehene, dann werden sie wütend auf das Unternehmen oder den Chef, versuchen über ihr Schicksal zu verhandeln, und schließlich lecken sie eine Zeit lang ihre Wunden und fragen sich, ob sie je wieder den Respekt ihrer Kollegen und ihres Teams zurückgewinnen können. Viele dieser Leute erreichen das Stadium der Akzeptanz niemals.

In jahrzehntelangen Untersuchungen haben Sozialpsychologen herausgefunden, warum das so ist: Es liegt mit daran, dass leistungsstarke Menschen sich ihren Erfolg normalerweise zu sehr als eigenen Verdienst anrechnen und dann dazu neigen, äußere Umstände für ihren Misserfolg verantwortlich zu machen. Diese falsche Ursachenzuschreibung schützt zwar ihr Selbstwertgefühl, steht aber Lernprozessen und innerem Wachstum im Weg: Die Betroffenen richten ihr Augenmerk zu stark auf situative Faktoren oder auf die Unternehmenspolitik, statt sich Gedanken darüber zu machen, welchen Beitrag sie selbst zu dem Problem geleistet haben.

Einige bitten andere Menschen um ehrliches Feedback, doch die meisten wenden sich lieber an mitfühlende Freunde, Angehörige und Kollegen, die sie in ihrem positiven Selbstbild bestätigen ("Du hättest diese Beförderung verdient") und in ihrem Gefühl bestärken, ungerecht behandelt worden zu sein ("Kein Wunder, dass du so wütend bist"). Das hindert sie daran, ihre eigenen Fehler zu erkennen und das destruktive Verhalten abzulegen, das sie beruflich ins Straucheln gebracht hat. Außerdem kann es dazu führen, dass sie sich am Arbeitsplatz künftig nicht mehr so sehr bemühen und ihre Karriereerwartungen zurückschrauben.

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Menschen, die nach einem beruflichen Rückschlag wieder auf die Beine kommen, verhalten sich ganz anders. Statt sich in ihrem Kummer zu vergraben oder anderen die Schuld zu geben, versuchen sie aktiv herauszufinden, welchen Beitrag sie zu dem Problem geleistet haben. Sie überlegen sich, ob sie die Situation richtig eingeschätzt und angemessen reagiert haben, und denken darüber nach, was sie anders machen würden, wenn sie eine Chance dazu hätten. Außerdem holen sie sich Feedback von vielen verschiedenen Leuten (Vorgesetzten, Kollegen und Mitarbeitern) und stellen dabei von vornherein klar, dass sie keine tröstenden Worte, sondern eine ehrliche Meinung hören möchten.

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