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Psychologie Ein Leitfaden für Humor am Arbeitsplatz

Führungskräfte, die Mitarbeiter zum Lachen bringen, stärken den Teamgeist und sind erfolgreicher. Doch wir alle wissen: Witze können auch nach hinten losgehen. Wie Managerinnen und Manager sicher mit Humor auf der Arbeit umgehen.

aus Harvard Business manager 11/2020
Foto: Epoxydude / Getty Images

Vor einigen Jahren baten wir mehrere Frauen und Männer, uns zu helfen, eine Werbekampagne zu entwickeln. Kunde war der von uns erfundene Reiseveranstalter VisitSwitzerland.ch. Wir teilten die Probanden unserer Studie in kleine Gruppen ein und zeigten ihnen ein Foto, auf dem eine typische Schweizer Landschaft zu sehen war mit einem See, einem Berg und der Flagge des Landes: dem weißen Kreuz, das wie ein Pluszeichen aussieht, auf rotem Grund. Dazu stellten wir die Frage: "Warum haben Sie sich in die Schweiz  verliebt?" Wir gaben den Teilnehmern drei Minuten Zeit, um sich eine einprägsame Antwort zu überlegen. Anschließend sollten sie ihrer jeweiligen Gruppe ihre Ideen vorstellen.

Bei jeder Präsentation machten zwei Personen, die mit uns arbeiteten, den Anfang und unterbreiteten ihre Vorschläge, wobei sie Skripte benutzten, die wir vorab für sie geschrieben hatten. Der erste Sprecher hatte eine einfache Botschaft, die die Schweiz anpries: "Das Land ist wunderschön. Die Landschaft ist wirklich atemberaubend!" Der zweite Sprecher gab unterschiedliche Statements ab. In der einen Hälfte der Beiträge sagte er: "Die Berge sind großartig, um Ski zu fahren und zu wandern! Es ist einfach toll!" In der anderen Hälfte fügte er ein Wortspiel hinzu: "Die Berge sind großartig, um Ski zu fahren und zu wandern. Und die Flagge, die ist ein großes Plus! Im Ernst, es ist einfach toll!"

Zugegeben, das ist nicht der beste Witz der Welt. Aber wir haben ihn genutzt, um eine einfache Frage zu beantworten: Kann ein einziger Witz eine messbare Auswirkung darauf haben, wie jemand von seinen Mitmenschen wahrgenommen wird? Die Antwort unserer Studie war eindeutig: Ja.

Die Teilnehmer, die den Witz des zweiten Sprechers hörten, schätzten ihn als selbstbewusster und kompetenter ein als diejenigen, die seinen scherzfreien Kommentar hörten. Bei anschließenden Gruppenaufgaben wurde der witzige Sprecher zudem mit größerer Wahrscheinlichkeit zum Leiter gewählt. Das ist kein schlechtes Ergebnis für einen eher schwachen Versuch, witzig zu sein.

Dieses Ergebnis mag nicht sehr überraschend sein – viele von uns wissen intuitiv, dass Humor wichtig ist. Wenn Sie Kollegen fragen, welche Eigenschaften sie an ihren Freunden oder Lebensgefährten schätzen, werden sie Ihnen unter anderem antworten: "Sinn für Humor", "dass die Person mich zum Lachen bringt" oder "dass sie über meine Witze lacht". Fragen Sie dieselben Personen aber, welche Eigenschaften sie an Vorgesetzten schätzen, dürfte Humor eher nicht ganz oben auf der Liste stehen. Wir neigen dazu, Humor bei Führungskräften als tendenziell nebensächlich zu betrachten.

Tatsächlich ist Humor aber ein wichtiges Werkzeug, das einige von uns instinktiv einsetzen. Doch es könnten noch viel mehr Menschen nutzen, und zwar bewusst. Ein herzhaftes Lachen – oder besser noch eine Arbeitskultur, die eine gewisse Leichtigkeit fördert – verbessert die zwischenmenschliche Kommunikation und stärkt den sozialen Zusammenhalt. Die Analyse einer großen Zahl von Kommunikationsvorgängen am Arbeitsplatz zeigt: Humor kommt in mindestens 10 Prozent der E-Mails vor und wird von Führungskräften mit einer etwas größeren Häufigkeit in persönlichen Interaktionen eingesetzt. Diese Zahlen könnten und sollten jedoch größer sein. Untersuchungen, die wir und andere Forscher durchgeführt haben, belegen, dass Humor die Statushierarchie in einer Gruppe beeinflussen und festigen kann sowie zwischenmenschliches Vertrauen und wertvolle Arbeitsbeziehungen entstehen lässt. Humor bestimmt, wie Menschen das Selbstbewusstsein, die Kompetenz, die Wärme und die Klarheit der Kommunikation ihres Gesprächspartners wahrnehmen. Humor hat Einfluss auf wesentliche Verhaltensweisen und Einstellungen, die für die Effektivität von Führungskräften entscheidend sind. Und Humor wirkt sich auf die Leistung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus, auf ihre Zufriedenheit, ihre Bindung an den Arbeitgeber, das freiwillige Arbeitsengagement – sogenanntes Organizational Citizenship Behavior –, die Kreativität, die psychologische Sicherheit in Gruppen und das Interesse an weiterer Zusammenarbeit.

Allerdings können Witze dem beruflichen Ansehen auch schaden, wenn sie schlecht ankommen oder beleidigend sind, weil sie im jeweiligen Kontext als unpassend empfunden werden. In solchen Fällen erweckt der Witzeerzähler den Eindruck, weniger intelligent und weniger kompetent zu sein. Das setzt seinen Status herab und kann im Extremfall zum Verlust des Arbeitsplatzes führen.

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In diesem Artikel zeigen wir Ihnen, wie Sie bestimmte Formen von Humor einsetzen können, um eine bessere Führungskraft zu werden – und wie Sie es vermeiden können, bei der nächsten HR-Schulung Ihres Unternehmens als abschreckendes Beispiel angeführt zu werden.

Humor erhöht den Status – oder schadet ihm

Humor und Lachen sind eng mit Status und Macht verbunden. Wer beides gut einsetzt, kann in der Statushierarchie der Abteilung oder des Unternehmens aufsteigen. Wie wir in der Schweizer Werbestudie (gemeinsam mit Maurice Schweitzer von der Wharton School der University of Pennsylvania) festgestellt haben, werden Personen, die lustige und angemessene Witze machen, von anderen Gruppenmitgliedern für Führungspositionen nominiert. Im selben Forschungsprojekt führten wir ein weiteres Experiment durch: Wir baten die Teilnehmer, sich an Momente zu erinnern, in denen ein Kollege witzig gewesen war. Wir stellten fest, dass die Verbindung zwischen Humor und Status so stark ist, dass schon allein die Aufforderung, sich an einen humorvollen Austausch mit einem Kollegen zu erinnern, den Status dieses Kollegen in der Wahrnehmung der befragten Person verändert.

Humor hilft nicht nur beim beruflichen Aufstieg. Er verbessert zudem auch die Führungsqualität. Cecily Cooper (Professorin an der University of Miami), Tony Kong (Professor an der University of South Florida) und Craig Crossley (Professor an der University of Central Florida) fanden heraus, dass Mitarbeiter, deren Führungskräfte Humor einsetzten, zufriedener waren. Das verbesserte die Kommunikation und erhöhte das freiwillige Arbeitsengagement – also freiwillige Handlungen, die das Unternehmen effektiver machen. Bei humorvollen Führungskräften waren Mitarbeiter also eher bereit, Leistungen zu erbringen, die über ihre eigentliche Pflicht hinausgingen.

Warum hat Humor solch eine Macht? Die Forscher Caleb Warren (University of Arizona) und Peter McGraw (University of Colorado in Boulder) haben untersucht, wodurch Dinge lustig werden. In ihrer Studie fanden sie heraus, dass Humor am häufigsten dann auftritt, wenn etwas als harmlose Normverletzung empfunden wird.

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