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Homeoffice Schluss mit "Oben hui, unten pfui"

In der Corona-Pandemie haben viele ihren Kleidungsstil im Homeoffice vernachlässigt. Unten rum überwog legere Kleidung, oben rum zeigte sich der Rest von Anstand. Ein neues Studienergebnis zeigt: Das ist eine ungünstige Mischung, zumindest aus psychologischer Sicht.
aus Harvard Business manager 5/2022

Am Oberkörper ein formales Businessoutfit, unten Freizeithosen – so kleideten sich während der Pandemie viele Menschen für ihre Videokonferenzen. Laut einer Studie waren es angeblich 75 Prozent aller Menschen im Homeoffice. Entsprechend verzeichnete der Einzelhandel einen großen Einbruch bei den Hosenverkäufen, nicht aber beim Hemdenumsatz. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch, dass diese unsichtbare Mischung von Kleidungsstilen aus psychologischer Sicht nicht optimal ist. Im ersten Experiment bat ein Forschungsteam 177 Probanden, einen Arbeitstag lang das anzuziehen, was sie normalerweise tragen würden. Das war das Basisszenario. Anschließend sollten alle Studienteilnehmer an den folgenden drei Tagen in zufälliger Reihenfolge drei Outfits tragen: typische Arbeitskleidung; typische Freizeitkleidung; oben Arbeits-, unten Freizeitkleidung. Dabei zeigte sich, dass sich die Probanden im Freizeitoutfit authentischer fühlten als in Arbeitskleidung oder im gemischten Outfit und dass sie engagierter waren. Im zweiten Experiment, das über zwei Tage ging, kleideten sich 238 Menschen am ersten Tag wie immer, wenn sie von zu Hause aus arbeiteten. Am zweiten Tag wurde ihnen nach dem Zufallsprinzip einer der drei genannten Kleidungsstile zugeteilt. Auch diesmal fühlten sich die Probanden in vollständiger Freizeitkluft am authentischsten und engagiertesten.

Die symbolische Bedeutung von Kleidungsstilen beeinflusse den psychologischen Zustand der Menschen, erklären die Wissenschaftler um den Sozialpsychologen Adam Galinsky von der Columbia Business School. So entstehe Harmonie, wenn das Outfit zu einem Anlass passe, und Dissonanz, wenn es nicht passe. Ein Mischmasch könne die Dissonanz verstärken, weil dies sowohl Assoziationen zur Freizeit als auch zur Arbeit aktiviere. "Auch wenn das in den sozialen Medien oft so rüberkommt – ein Outfit nach dem Motto ,Oben hui, unten pfui' ist wohl doch nicht die perfekte Kleidung für das Homeoffice", schreibt das Forschungsteam. Arbeitgeber sollten daher überlegen, ihren Dresscode für Beschäftigte in mobiler Arbeit entspannter zu gestalten.

Quelle: Erica R. Bailey et al.: "Enclothed Harmony or Enclothed Dissonance? The Effect of Attire on the Authenticity, Power, and Engagement of Remote Workers", Academy of Management Discoveries, im Druck

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Dieser Beitrag erschien erstmals in der Mai-Ausgabe 2022 des Harvard Business managers.

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