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Arbeitsorganisation Erfolg im Homeoffice ist eine Sache des Typs

Führungskräfte müssen ihre Teams dabei unterstützen, im Homeoffice Grenzen zwischen Berufs- und Privatleben zu ziehen. Wie Sie sich selbst – und Ihren Mitarbeitern – helfen können, Zeit und Raum für produktives Arbeiten zu finden.

aus Harvard Business manager 9/2020
Foto: Thibaud Vaerman / Hans Lucas / imago images

Das Homeoffice war früher eine Option, allerdings nicht für jeden. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mussten ihre Vorgesetzten erst mühsam davon überzeugen, dass sie ihre Arbeit auch gut von zu Hause aus erledigen konnten. Das änderte sich mit der Verbreitung des Coronavirus. Für viele verlief der Übergang ins Homeoffice bemerkenswert reibungslos, unterstützt durch schnelles Internet, Smartphones und Video- sowie Audiokonferenzen.

Doch diese Technologien  haben auch die Grenzen zwischen Arbeits- und Familienrollen verschwimmen lassen. In vielen Fällen müssen Mitarbeiter E-Mails bearbeiten und Videokonferenzen abhalten, während neben ihnen Familienmitglieder sitzen, die ebenfalls zu Hause arbeiten oder lernen. Hinzu kommt, dass viele Menschen von einem Tag auf den anderen ins Homeoffice wechseln mussten. Es gab keinen durchdachten Plan, keine angemessene Vorbereitung und keine Wahlmöglichkeit. All dies hat es erschwert, sich mental von der Arbeit zu lösen und sich zu erholen. Mitarbeiter müssen sich deshalb intensiver damit beschäftigen, wo sie die Grenzen zwischen Arbeit und Familie ziehen.

In den vergangenen 20 Jahren habe ich mich in meiner Forschung vor allem damit befasst, wie wir unsere verschiedenen Lebensbereiche voneinander abgrenzen. Das ist derzeit wichtiger denn je. Führungskräften und ihren Teams stehen weltweit meist weitere Monate im Homeoffice bevor. Es ist entscheidend zu verstehen, wie Sie und Ihre Mitarbeiter in der traditionellen Büroumgebung die Grenzen zwischen Arbeit und Familie gestaltet haben – und wie Sie Ihr Vorgehen anpassen müssen. Sie müssen die Arbeit im Homeoffice so strukturieren, dass sie nicht nur produktiv ist, sondern auch langfristig die Grenzen aller respektiert.

Integrierer und Segmentierer

Als Sie noch im Büro arbeiteten: Kam da gelegentlich Ihre Familie vorbei, um Sie zu besuchen? Haben Sie regelmäßig Arbeit mit nach Hause genommen? Oder haben Sie Ihr Privatleben kategorisch von der Arbeit getrennt – berufliche Telefonate führten Sie im Büro, private Gespräche zu Hause? Diese Präferenzen – Integration und Segmentierung – zeigen, wo wir unsere Grenzen ziehen. Integrierer neigen dazu, die Grenzen zwischen Arbeit und Familie zu verwischen; Segmentierer wollen klare Grenzen beibehalten.

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Grundsätzlich gibt es zwei Dimensionen, in denen sich beide Typen bewegen müssen: Zeit und Raum. Wenn Sie diese Dimensionen verstehen, werden Sie eine Vorstellung davon bekommen, in welche Kategorie Sie fallen.

Zeit

Integrierer haben in der Regel kein Problem damit, Arbeitsaufgaben während der "Familienzeit" und Familienaufgaben während der "Arbeitszeit" zu erledigen. Sie arbeiten oft auch außerhalb der Bürozeiten, erledigen dafür aber während der Arbeitszeit auch persönliche Angelegenheiten – sie bezahlen private Rechnungen oder machen Arzttermine ab. Ein starker Integrierer nimmt berufliche Anrufe nach Feierabend entgegen, lässt es sich dafür aber nicht nehmen, bei einer Elternsprechstunde um 10 Uhr morgens zu erscheinen – also während seiner eigentlichen Arbeitszeit.

Im Gegensatz dazu konzentrieren sich Segmentierer während der Arbeitszeit auf die Arbeit und während der Familienzeit auf die Familie. Ein starker Segmentierer ist bestrebt, berufliche Telefonate auf der Arbeit zu führen, auch wenn dies bedeutet, etwas länger im Büro zu bleiben. An einer Elternsprechstunde würde er nur teilnehmen, wenn sie während der Mittagspause stattfände. Meine gemeinsam mit Tracy Dumas und der kürzlich verstorbenen Katherine Phillips durchgeführte Forschung zeigt, dass Segmentierer zufriedener und engagierter sind, wenn sie in Gleitzeit arbeiten. Dann können sie ihre Zeiten so planen, dass sie Beruf und Familie klar voneinander abgrenzen können.

Raum

Integrierer haben weniger Probleme damit, wenn die räumlichen Grenzen verschwimmen. Sie können besser von zu Hause aus arbeiten; im Büro wiederum stellen sie gern Bilder ihrer Familienmitglieder auf. In der Tat zeigt meine Forschung, dass Integrierer zufriedener sind und sich mehr für ihren Arbeitgeber einsetzen, wenn dieser ihnen hilft, die räumliche Trennung zu überbrücken, zum Beispiel mit einer Betriebskita.

Segmentierer halten diese Räume gern getrennt. Manchmal teilen sie Arbeit und Zuhause, indem sie sich für jeden Bereich unterschiedliche Kalender und sogar Schlüsselanhänger zulegen. Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich freiwillig ein Homeoffice einrichten. Wenn ihnen keine andere Wahl bleibt, benötigen sie wahrscheinlich eine physische Barriere zwischen Arbeit und Privatem, also ein eigenes Arbeitszimmer mit einer Tür, die sie schließen können.

Diese zeitlichen und räumlichen Unterschiede bedeuten auch: Integrierer lassen sich eher ablenken und unterbrechen, da sie dazu neigen, Arbeit und Familienaktivitäten zusammenfallen zu lassen. Segmentierer können sich oft besser auf eine wichtige Aufgabe konzentrieren, weil sie eine schärfere Grenze zwischen Arbeit und Zuhause ziehen. Dennoch haben es Integrierer leichter, zwischen verschiedenen Rollen zu wechseln – das galt schon vor der Corona-Krise.

Wie verändern sich also die Merkmale und Anforderungen beider Arbeitsstile, wenn Mitarbeiter ins Homeoffice wechseln müssen? Beide Gruppen haben ihre eigenen Herausforderungen zu bewältigen. Es gibt eine Reihe praktischer Ansätze, die ihnen dabei helfen können.

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