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Fünf Minuten mit Sri Sri Ravi Shankar "Stress und mangelndes Selbstmanagement fressen Manager auf"

Der Meditationslehrer und Aktivist ist gefragter Ratgeber auf der ganzen Welt. Er berät Führungskräfte, Unternehmen - und auch Rebellengruppen.
Das Interview führte Helene Endres
aus Harvard Business manager 2/2016
Foto:

Antonio Lacerda / dpa / picture alliance

Harvard Business manager: Herr Shankar, letzten Sommer haben Sie drei Tage lang mit den Rebellen der Farc verhandelt und ein Friedensabkommen erreicht – nach Jahren des Kampfes in Kolumbien. Wie verhandelt man mit Rebellen?

Sri Sri Ravi Shankar: Nun, es war eine Herausforderung. Aber wenn man jemandem unvoreingenommen gegenübertritt und mit einem offenen Geist zuhört, dann spüren die Leute das. Ich habe das Gefühl, dass in vielen Verhandlungen gar nicht mehr gehört wird, was die andere Seite eigentlich will.

Sie haben doch bestimmt nicht nur zugehört, sondern auch gesprochen.

Ich habe den Rebellen gesagt, dass ich sie auch als Opfer sehe. Und denke, dass sie ja eigentlich für eine gute Sache kämpfen, denn sie wollen die Armen stärken. Aber ich verurteile ihre gewalttätigen Methoden! Also habe ich ihnen gesagt: Akzeptieren Sie den Ansatz von Gandhi, friedlich zu demonstrieren. Setzen Sie sich so für die Armen ein, und alle werden Ihnen zustimmen. Und damit habe ich sie an den Tisch gebracht.

Sie haben auch mit der Farc meditiert. Wie entspannt war das?

Super! Ich habe während der Verhandlungen mal gesagt: Kommt, machen wir eine Pause, wie wäre es mit einer kleinen Meditation? Sie haben mitgemacht, fast alle zum ersten Mal. Die Rebellenführer waren begeistert und wollen, dass jetzt alle ihre Kader diese Methoden lernen.

In der westlichen Welt ist Meditation kein zentrales Element im Geschäftsleben ...

... aber es wird immer wichtiger! Als ich am 21. Juni bei den Vereinten Nationen eine Session abgehalten habe, meinte Generalsekretär Ban Ki-moon anschließend, man sollte vor jeder Verhandlung meditieren.

Auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos haben Sie gesagt, die Menschen müssen sich von negativen Emotionen wie Ärger, Wut oder Gier befreien. Aber ist es nicht oft so, dass genau diese Gefühle viele Topmanager dahin gebracht haben, wo sie heute sind?

Ein bisschen davon ist okay. Aber wer seinen Ärger und seine Wut nicht kontrollieren kann, sondern vielmehr davon kontrolliert wird – der bekommt Probleme. Aggression wirkt nur für kurze Zeit und kostet viel Energie. Sie ist keine Dauerlösung, sondern einzusetzen wie ein Zahnstocher – einmal nutzen und dann entsorgen.

Selbstführung

Selbstmanagement ist mehr als Zeitmanagement. Wie schaffe ich es, meine Ideen durchzubringen? Warum sind Kontaktpflege und ein solides Netzwerk wichtig? Wie plane ich meine berufliche Laufbahn? Und wie können Manager ihre Aufmerksamkeit – und die des Unternehmens – zielgerichtet einsetzen?

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Sie haben vor gut zehn Jahren das World Forum for Ethics in Business gegründet. Warum geht ein Meditationslehrer und humanitärer Aktivist in die Wirtschaft?

Viele Menschen sind auf der Suche nach Sinn, auch in der Geschäftswelt. Dennoch gibt es heute viele Unternehmer, für die das Wichtigste ist, schnell Geld zu machen. Das ist nachvollziehbar. Aber wir wollen ihnen sagen: Schnelles Geld kann auch schnellen Absturz bedeuten. Wir wollen ihnen zeigen, dass man auch mit ethischen Unternehmen erfolgreich sein und wachsen kann. Das verstehen viele aber leider noch nicht.

Worin sehen Sie derzeit die größten Herausforderungen für Manager?

Das Selbstmanagement kommt zu kurz! Die meisten Geschäftsleute versuchen, alles um sich herum zu organisieren und zu optimieren, nur sich nicht. Doch wer sich und seine Emotionen nicht im Griff hat, schadet dem Team und sich selbst. Stress und mangelndes Selbstmanagement fressen die Manager von heute auf.

Im letzten Jahr haben Sie 40 Länder bereist, sind von einem Termin zum nächsten geeilt. Fühlen Sie sich nie gestresst?

Meine Techniken wirken, ich bin das beste Beispiel.

Sie gehen also immer gern zur Arbeit?

Was ich mache, ist keine Arbeit, sondern meine Mission. Und eine Mission macht immer Spaß!

Dieser Artikel erschien erstmals in der Februar-Ausgabe 2016 des Harvard Business managers.

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