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Sheryl Sandberg und Adam Grant über Resilienz "Akzeptieren Sie den Schmerz"

Können Menschen durch Trauer stärker werden? Facebook-COO Sheryl Sandberg hat den Tod ihres Mannes in einem Buch mit dem Managementprofessor Adam Grant verarbeitet. Ein Gespräch über private Krisen und Resilienz.
Das Interview führte Adi Ignatius
aus Harvard Business manager 6/2017

Das Leben von Sheryl Sandberg schien perfekt. Sie hatte einen tollen Job, ein wichtiges Buch geschrieben und eine liebevolle Familie. Doch im Frühjahr 2015 starb ihr Mann Dave Goldberg während ihres Urlaubs in Mexiko an Herzversagen. Plötzlich hatte Sheryl Sandberg eine neue, ungewollte Rolle: die der trauernden Witwe.

Nachdem sie zu Hause und bei der Arbeit wieder Fuß gefasst hatte, fing sie an, über ihren Schmerz zu schreiben. Sie verfasste einen langen Essay über ihre Trauer und das Gefühl der Isolation und postete ihn auf Facebook, wo sie als Chief Operating Officer arbeitet und fast zwei Millionen Follower hat. Das Stück löste eine weltweite Diskussion darüber aus, wie Menschen mit Schicksalsschlägen umgehen.

Während Sandberg daran arbeitete, wieder in die Spur zu kommen, nahm sie Kontakt zu ihrem Freund Adam Grant auf, einem Autor und Professor an der Wharton Business School, um zu erfahren, was die Forschung zum Thema Resilienz herausgefunden hat. Daraus entstand ihr gemeinsames Buch "Option B. Facing Adversity, Building Resilience, and Finding Joy".

Das Interview erschien erstmals in der Juni-Ausgabe 2017 des Harvard Business managers.

Frau Sandberg, warum haben Sie sich entschieden, über den schmerzlichen Verlust Ihres Mannes zu schreiben?

Sheryl Sandberg: Der Verlust von Dave ist das Schlimmste, was ich jemals erlebt habe. Anfangs dachte ich, ich könnte die Minuten, Tage, Wochen, Monate nicht überleben. Mir schien es, als schauten die Menschen mich an wie ein Gespenst und fürchteten sich, mit mir zu sprechen. Als aus den Tagen Wochen wurden, fühlte ich mich zunehmend isoliert. Also begann ich gegen Ende der Sheloshim (im Judentum die 30-tägige Zeit der Trauer um den Ehepartner – Anm. d. Red.) einen Facebook -Post über die ganzen Ereignisse zu schreiben. Ich war mir nicht sicher, ob ich ihn wirklich teilen wollte, aber ich dachte, viel schlimmer könne es ohnehin nicht mehr werden und möglicherweise würde sich dadurch etwas verbessern. Also klickte ich auf "post".

Waren Sie mit der Resonanz zufrieden?

Sandberg: Es war sehr hilfreich. Meine Freunde und Kollegen hatten nun das Gefühl, dass sie wieder mit mir über das Tabuthema sprechen konnten. Eine Kollegin erzählte mir, sie sei fast jeden Tag an meinem Haus vorbeigefahren, habe sich aber nicht getraut, hereinzukommen. Nach meinem Post kam sie dann doch. Andere sagten, dass sie sich nicht getraut hätten, zu fragen, was ich durchmache. Jetzt trauten sie sich. Ganz abgesehen von den Reaktionen meiner Freunde war ich überwältigt von denen vieler anderer Menschen. Ein Mann, der seine Frau kurz vor dem dritten Hochzeitstag verloren hatte, erzählte mir, er wolle ihr Leben in Ehren halten, indem er Frauen in seiner männerdominierten Branche unterstützt. Freunde und Fremde posteten Unterstützung füreinander. Ich denke, dass diese Reaktionen für mich letztlich den Ausschlag gaben, dieses Buch zu schreiben.

Woher kommt der Titel, "Option B"?

Sandberg: Er entstand, als ich jemandem suchte für eine Aktivität mit unserem Sohn, für die sonst Dave zuständig gewesen wäre. Mein Freund Phil machte einen Vorschlag, und ich entgegnete: "Ich will aber Dave." Phil sagte: "Option A steht nicht zur Verfügung. Machen wir das Beste aus Option B."

Wie haben Sie Adam Grant ins Boot geholt?

Sandberg: Adam ist ein Freund von mir, ein großartiger Psychologe und Wissenschaftler. Ich habe ihn schon früh gefragt, wie ich meinen Kindern helfen könnte, mit der Situation fertigzuwerden. Meine größte Angst war, dass sie nie wieder glücklich würden. Während wir zusammenarbeiteten, wurde uns klar, dass das Ausmaß unserer Widerstandskraft nicht festgelegt ist und dass wir sie verbessern können – bei uns selbst, bei unseren Kindern, in unseren Unternehmen und Communitys. Mit "Option B" versuchen wir das, was wir herausgefunden haben, mit anderen zu teilen.

Sie haben Ihre Gefühle und Ihre Verletzlichkeit offengelegt. Hat sich Ihr Führungsstil dadurch verändert?

Sandberg: Als ich zur Arbeit zurückkehrte, war ich noch so überwältigt von meiner Trauer, dass ich kaum einen Tag oder auch nur ein Meeting durchstehen konnte. Als die Leute mir dann auch noch sagten: "Natürlich kannst du dich nicht so einbringen nach alldem, was du durchgemacht hast", schwand mein Selbstvertrauen noch mehr. Deshalb half es mir, wenn mir jemand – und das galt insbesondere für Mark Zuckerberg – nach einem Meeting sagte, dass ich mich überhaupt nicht blamiert oder sogar einen guten Beitrag geleistet hätte.

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