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Extremkletterer "Huberbuam" über Zusammenarbeit "Gemeinsam sind wir stärker"

Die Huberbuam aus Bayern sind Extremkletterer. Sie gehen regelmäßig ans Limit. Obwohl sie weltberühmt sind, sind sie bodenständig geblieben.
Das Interview führte Christina Kestel
aus Harvard Business manager Spezial 1/2021
Thomas (L.) und Alexander Huber ("HUBERBUAM") im ChoktoiBasislager auf 4200 Meter Höhe im Karakorum im Norden Pakistans

Thomas (L.) und Alexander Huber ("HUBERBUAM") im ChoktoiBasislager auf 4200 Meter Höhe im Karakorum im Norden Pakistans

Foto:

Seppi Dabringer / Huberbuam / Timeline Production

Harvard Business manager: Sie beherrschen beide alle Spielarten des Kletterns und suchen seit 35 Jahren die großen Herausforderungen. Sie haben viele 7000er bestiegen und auch ohne Seil extreme Bergwände gemeistert. Was treibt Sie an?

Thomas Huber: Auf dem Gipfel darf man ins persönliche Paradies schauen; so lautet meine Definition von Freiheit. Der Berg ist sinnbildlich die Herausforderung: Man muss mutig sein, man muss sich bewähren, man braucht unglaubliches Vertrauen zu seinem Partner, mit dem man nur durch das Seil verbunden ist.

Was ist wichtig in Teams, in denen es ums Überleben geht?

Thomas Huber: Man muss wissen, was der andere gerade tut. Daneben habe ich eine große Verantwortung gegenüber meinem Partner – nur über diese Verantwortung kann sich auch Vertrauen aufbauen. Dann schafft man etwas ganz Unglaubliches, man kommt oben an. Man kann Künstler sein, Manager einer großen Firma oder auch nur Teil des Ganzen – das Gefühl, gemeinsam etwas ganz Großes geschafft zu haben und am Gipfel angekommen zu sein, ist überwältigend.

Von was für einer Art Vertrauen sprechen wir?

Alexander Huber: Es gibt ein Urvertrauen durch den Umstand, dass wir Brüder sind. Wenn allerdings dieses Vertrauen aufgrund eines Vorfalls nicht mehr vorhanden ist, sind die Abgründe umso tiefer. Gott sei Dank mussten wir das nicht erleben. Am Berg ist blindes Vertrauen immer der schlechteste Ratgeber. Es ist wichtig, ein Grundvertrauen zu haben, aber man sollte immer ein Auge auf den anderen richten, um ihn bei einem Fehler sofort darauf aufmerksam zu machen. Vertrauen baut sich auch erst auf, wenn ich weiß, dass die Kompetenz des anderen gut ist, er trainiert ist, seine Aufgaben erledigt hat und Verantwortung übernehmen kann. Dann kann ich sagen, mit dir kann ich die ganz großen Berge meistern.

Ist es ein Unterschied, ob man gemeinsam mit anderen geht oder sich allein zum Gipfel aufmacht?

Thomas Huber: Auf dem Weg dorthin ist man immer eine Gemeinschaft. Obwohl ich als Individuum unterwegs bin und alles für mich geben muss, bilde ich, sobald ich mit einem Partner unterwegs bin, eine Einheit. Und die bin ich am liebsten mit meinem Bruder. Und wenn ich mal allein gehe, bilde ich diese Gemeinschaft mit mir selbst. Du selbst musst mit dir eine Einheit bilden!

Und was bedeutet Ihnen Ihr Bruder, Alexander?

Alexander Huber: Er ist einer der wichtigsten Menschen in meinem Leben. Er ist nicht nur seit vielen Jahren mein Seilpartner, sondern vor allem mein Bruder. Das ist ein wichtiger Unterschied im Vergleich zu anderen Seilpartnern. Er ist der Mensch, dem ich nicht aus dem Weg gehen kann. Selbst wenn es Konflikte gibt, muss ich diese Herausforderung annehmen, um sie zu überwinden. Bei Konflikten mit anderen Partnern kann man immer noch sagen, dass man sich aus dem Weg geht oder sogar aus den Augen verliert. Das geht mit dem eigenen Bruder nicht.

Thomas Huber: Wir haben gemeinsam Großes erreichen dürfen. Aber wir haben es auch nur so weit gebracht, weil wir uns die individuelle Freiheit geben, dass sich jeder selbst verwirklichen kann. Auf dem Weg dorthin hat es des Öfteren auch Konflikte gegeben – sei es die Routenwahl oder eine unterschiedliche Einschätzung der Gefahren. Aber die braucht es, um in dieser extremen Welt zu überleben. Ich bin überzeugt, das diejenigen Seilschaften am stärksten sind, die Konflikte zulassen, sie ausleben, um irgendwann auf den Gipfel der Partnerschaft zu kommen. Den haben Alexander und ich erreicht.

Zusammenarbeit

Die Mehrheit aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer weltweit erledigt den größten Teil ihrer Tätigkeit in Teams. Dabei kann Großes entstehen oder es scheitert an den kleinsten Dingen. Gutes Teamwork ist kein Selbstzweck, sondern ein fragiles Konstrukt, um das man sich kümmern muss.

Wir haben alles Wichtige für Sie zu diesem Thema zusammengestellt.

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Sie sind immer voller Pläne, erwägen die nächsten Projekte – ob zusammen oder solo. Wie ergeht es Ihnen in dieser Zeit mit Corona, wo so vieles nicht möglich ist?

Thomas Huber: Wir haben viel näher zusammengefunden. Wir klettern auf unserem Hausberg, ich schreibe ein Buch, wir planen neue, coole Projekte. Sie sind nur etwas anders geartet, bis uns irgendwann die Welt wieder offensteht. Auf unseren Expeditionen haben wir gelernt, mit wenig gut zurechtzukommen und uns auf das Wichtigste zurückzubesinnen. Da kommt der Spruch wieder zutage: "Blut ist dicker als Wasser." Wir beide wissen ganz genau, was wir voneinander haben. Und dass wir gemeinsam noch viel stärker sein können. Das haben wir wieder entdeckt und zelebrieren es auch.

Spezial 2021

Die Kraft des Wir

Zusammenarbeit: Wie Teams gemeinsam Großes schaffen

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Dieser Artikel erschien im Spezial 2021 des Harvard Business manager.

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