Feedback im Team Richtig loben - und gelobt werden

Die wenigsten Führungskräfte können gute und wertschätzende Komplimente verteilen. Forschungen zeigen: Wir müssen erst lernen, Komplimente anzunehmen, bevor wir besser darin werden können, selbst welche zu verteilen. Eine Checkliste.
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Egal, ob Sie Führungskraft oder Mitarbeiter sind - loben und gelobt werden spielt eine entscheidende Rolle beim Aufbau und der Pflege von beruflichen Beziehungen. Sofern geschickt platziert, ist ein Kompliment eine der wirkungsvollsten Möglichkeiten, jemandem Ihre Wertschätzung auszudrücken. Doch diese kleinen Gesten können es in sich haben.

Eine meiner ersten Untersuchungen  ergab, dass fast 70 Prozent der Menschen nicht gerne Komplimente erhalten oder vergeben, sie fühlen sich unwohl oder sogar peinlich berührt. Gleichzeitig sagten aber 88 Prozent, dass die Wertschätzung Anderer die wichtigste Quelle für Anerkennung ist. Komplimente sollten eine positive Erfahrung sein, und meistens sind sie das auch, aber ich fand heraus, dass loben und gelobt werden bei vielen Menschen Ängste auslösen. Wer Komplimente macht, fürchtet als Schleimer abgestempelt zu werden, vom Gegenüber falsch verstanden zu werden oder Eifersucht auszulösen.

Auf der Empfängerseite wiederum entsteht oftmals das Gefühl, das Kompliment nicht verdient zu haben oder ihm zukünftig nicht mehr gerecht werden zu können, oder es werden die Absichten des Senders infrage gestellt.

Mit den folgenden Methoden lassen sich diese Barrieren überwinden, der Prozess wird für beide Seiten angenehmer und baut Vertrauen auf. Und auch wenn vielleicht unlogisch klingen mag: Wir müssen erst lernen, Komplimente anzunehmen, bevor wir besser darin werden können, selbst welche zu verteilen.

Wie man ein Kompliment annimmt

Ihre Chefin oder Ihr Kollege überrascht Sie mit einem Kompliment, und während sie eigentlich stolz sein sollten, wissen Sie nicht, wie Sie darauf reagieren sollen. Doch so vielschichtig unsere Wahrnehmung eines Kompliments auch sein kann, unsere Reaktion ist es meist nicht. Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass es bei Komplimenten oft mehr um den Sender als um den Empfänger geht. Wenn Sie jemand lobt, möchte er oder sie eigentlich mitteilen, wie Ihr Handeln auf ihn gewirkt hat. Es spielt keine Rolle, ob Sie mit dem Gesagten einverstanden sind oder nicht, betrachten Sie es einfach als Geschenk und nehmen Sie es an.

Die beste Art, auf die freundlichen Worte eines Chefs oder Kollegen zu reagieren, ist, einfach "Danke" zu sagen, und wenn das Kompliment Sie berührt hat, lassen Sie es die Person wissen. Wenn Sie sich hingegen dabei ertappen, dass Sie das Kompliment abweisen - etwa, indem Sie die Anerkennung weitergeben, einen Witz machen oder unbeholfen erklären, warum Sie es nicht verdient haben - rücken Sie die Situation wieder gerade, indem Sie sagen: "Ich arbeite daran, Komplimente besser anzunehmen. Vielen Dank."

Hier sind ein paar Möglichkeiten, auf ein Kompliment zu reagieren:

  • "Danke, es versüßt mir den Tag, das zu hören."

  • "Ich habe mir wirklich viele Gedanken gemacht, danke, dass Sie das bemerkt haben."

  • "Danke, ich weiß es sehr zu schätzen, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir das zu sagen."

  • "Danke, es freut mich zu hören, dass Sie das so empfinden!"

Wenn Ihnen jemand ein Kompliment für die Arbeit einer anderen Person macht, leiten Sie es an die richtige Person weiter:

  • "Es ist schön zu hören, dass Sie so empfinden! Eigentlich ist Amanda diejenige, die hinter diesem Projekt steckt. Wenn Sie eine Minute Zeit haben, würde es ihr bestimmt den Tag versüßen, zu hören, wie Sie darüber denken."

  • "Ich würde gerne die Lorbeeren dafür einheimsen, aber John ist derjenige, der für dieses Projekt verantwortlich ist. Ich werde Ihr Feedback weitergeben, wenn ich ihn heute sehe."

Wenn Ihnen jemand ein Kompliment für etwas macht, das eine Teamleistung war, teilen Sie die Wertschätzung:

Wenn Sie der Teamleiter sind, beachten Sie, dass der Absender Sie möglicherweise für Ihre Führungsqualitäten loben möchte, also nehmen Sie zuerst das Kompliment an und würdigen Sie dann die Bemühungen Ihres Teams.

  • "Danke, dass Sie das bemerkt haben, es ist wirklich toll, das zu hören. Jeder in unserem Team hat in den letzten Wochen sehr hart gearbeitet. Ich werde Ihr Feedback in unserer nächsten Besprechung weitergeben."

Es ist wichtig, sich vor Augen zu halten, dass sich unsere gewohnheitsmäßigen Reaktionen auf Komplimente im Laufe unseres Lebens entwickelt haben und dass es, wie bei jeder Gewohnheit, Mühe und Übung braucht, diese zu ändern. Achten Sie in nächster Zeit darauf, wie Sie und andere auf Lob reagieren, und versuchen Sie, einige der oben genannten Ratschläge anzuwenden. Nach ein paar Wochen werden Sie vielleicht feststellen, dass es gar nicht so schwer ist, einfach "Danke" zu sagen!

Wie man ein wirkungsvolles Kompliment macht

Anderen wirkungsvolle Komplimente zu machen und die eigene Wertschätzung auszudrücken, ist eine wichtige Führungsfähigkeit. Tatsächlich wissen jedoch nur die wenigsten von uns wissen, wie das funktioniert.

In den vergangenen zehn Jahren habe ich Tausende von Menschen interviewt und befragt, um zu verstehen, was ein starkes Kompliment ausmacht. Ich fand heraus, dass die einprägsamsten und wirkungsvollsten Botschaften authentisch und spezifisch sind und sich auf den Prozess und nicht bloß auf das Ergebnis konzentrieren. Hier sind ein paar Tipps, wie Sie ein wirkungsvolles Kompliment machen können:

Seien Sie authentisch. Der wichtigste Aspekt eines Kompliments ist seine Authentizität. Machen Sie jemandem kein Kompliment, bloß um ihr oder ihm vor einer Bitte Honig ums Maul zu schmieren, ein anschließendes negatives Feedback verträglicher zu machen oder zu versuchen, die Person nach einem Rückschlag aufzumuntern. Wenn Ihre Absichten nicht echt sind, ist es Ihr Lob auch nicht. Und wenn Ihre Wertschätzung für andere unauthentisch wirkt, könnten diese denken, dass Sie auch in anderen Bereichen unauthentisch sind. Eine praktische Faustregel hierfür wäre: Machen Sie jemandem kein Kompliment, weil Sie sich verpflichtet fühlen, sondern nur, weil Sie jemanden wissen lassen möchten, wie er auf Sie oder andere wirkt.

Seien Sie spezifisch. Wenn Sie jemanden loben, sollten Sie es so formulieren, dass die Person keine Rückfragen hat, genau wie bei Feedback oder Arbeitsaufträgen. Zum Beispiel:

  • "Das war großartig!" (Was genau?)

  • "Ich bin stolz auf dich." (Weswegen?)

  • "Danke, dass Sie im Meeting das Protokoll übernommen haben." (Das ist mein Job, warum bekomme ich hierfür Anerkennung?).

Wenn wir ein Kompliment machen, ist es wichtig, Details und Beispiele zu nennen, damit die Person den Kontext unserer Äußerungen versteht. Denn nur dann versteht unser Gegenüber, was wir sagen wollen.

  • Vages Kompliment: "Danke, dass du das Protokoll geführt hast, du bist toll!"

  • Konkretes Kompliment: "John, ich weiß, dass es Ihr Job ist, das Protokoll zu führen, aber weil Sie das so gut machen, kann ich mich entspannen und auf meine Arbeit konzentrieren. Danke Ihnen."

Konzentrieren Sie sich auf den Prozess, nicht nur auf das Ergebnis. In meiner Forschung fand ich heraus, dass Menschen weniger für ein gutes Ergebnis wertgeschätzt werden wollen, sondern vielmehr für den Weg dorthin. Komplimente, die sich nur auf das Ergebnis konzentrieren, lösen beim Empfänger oft die Sorge aus, dass er das gleiche Resultat in Zukunft nicht mehr erzielen kann. Wenn Sie jemanden auch für den Prozess loben, zeigen Sie ihm oder ihr, dass Sie auch die Zeit, die Aufopferung, die Kreativität oder die Sorgfalt, die in die Arbeit geflossen ist, zu schätzen wissen.

  • "Phil, ich bin überwältigt von der Veranstaltung, die du für den Kunden organisiert hast. Ich kann mir kaum vorstellen, wie viel Zeit, Arbeit und Kreativität in diese Veranstaltung geflossen sein müssen. Vielen Dank für alles, was du hinter den Kulissen für dieses Projekt getan hast."

Kommunizieren Sie die Wirkung. Denken Sie daran, dass ein Kompliment oft mehr über den Sender als über den Empfänger aussagt. Wenn wir jemanden loben, teilen wir eigentlich mit, wie sich das, was die Person getan hat, auf uns ausgewirkt hat. Wenn Sie ein starkes Kompliment machen wollen, vermitteln Sie der Person, wie Sie ihr Handeln empfunden haben und inwiefern es für Sie oder andere einen Unterschied gemacht hat. Handelt es sich um eine Führungskraft, verdeutlichen sie ihr, wie sich ihre Leistung auf die Teamleistung auswirkt, welchen Einfluss ihre Arbeit auf den Unternehmenserfolg hat oder wie ihr Führungsstil die Teamdynamik beeinflusst.

  • "Jane, ich wollte Ihnen sagen, dass ich es sehr schätze, wie du unser Team führst. In meinem letzten Team wollte ich nie Ideen einbringen, weil ich Angst hatte, dass mein Chef sie abblockt. Vom ersten Tag an habe ich beobachtet, wie du uns alle ermutigt hast, unsere Ideen zu äußern, und ich fühlte mich wohl dabei, Risiken einzugehen. Es macht mir wirklich Spaß, für dich zu arbeiten, und ich habe das Gefühl, dass ich jeden Tag wachse. Dafür danke ich dir."

Die Checkliste für Komplimente

Wenn Sie sich das nächste Mal ermutigt fühlen, ein Kompliment zu machen, halten Sie einen Moment inne und beantworten Sie die folgenden Fragen, bevor Sie es aussprechen.

  • Authentisch: Warum lobe ich diese Person?

  • Spezifisch: Was habe ich erlebt oder beobachtet?

  • Prozess: Wie ist sie oder er zu dem Ergebnis gekommen?

  • Wirkung: Wie hat sich das Handeln auf mich oder das Team ausgewirkt?

Mit der Zeit wird die Beantwortung dieser Fragen für Sie zur Gewohnheit und Sie werden beginnen, die Kunst von überzeugenden Komplimenten zu meistern. Sie können sofort anfangen, zu üben. Wenn wollten sie schon längst einmal loben?