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Innovationen Reinfall? Glücksfall!

Nicht selten kommt das Neue über Umwege in die Welt. Manchmal entsteht es sogar unverhofft. Die Geschichte der Forschung ist voll von Zufällen und Fehlern, ohne die unsere Welt heute weniger bunt, gesund und annehmlich wäre.
aus Harvard Business manager 6/2011

Foto: ILLUSTRATION: MONE BEECK / FOTO: ARNT HAUG F‹R HARVARD BUSINESS MANAGER

Dem schwäbischen Chemiker Christian Friedrich Schönbein muss gehörig der Schreck in die Glieder gefahren sein: Beim abendlichen Experimentieren in der heimischen Küche hatte er Schwefel- und Salpetersäure verschüttet. Eilig benutzte er eine Schürze seiner Frau zum Aufwischen. Kaum hatte er den Baumwollstoff zum Trocknen über dem Ofen aufgehängt, ging dieser in Flammen auf und verpuffte. Was Schönbein da per Zufall entdeckt hatte, war Zellulosenitrat, ein Stoff, der bei der Umsetzung von Zellulose mit Nitriersäure entsteht und wegen seiner explosiven Eigenschaften später auch als Komponente für Raketentreibstoff genutzt wurde.

Die Welt der Forschung ist voll von Errungenschaften, die zunächst beinahe auf dem Müll gelandet wären - wenn es nicht findige Köpfe gegeben hätte, die ahnten, dass man nicht immer bekommt, was man will, aber häufig das, was man braucht. Eine kleine Auswahl:

Malimo, das ostdeutsche Frottee, soll das Ergebnis einer fehlerhaft programmierten Strickmaschine gewesen sein. Teflon wurde entdeckt, als ein Chemiker auf der Suche nach einem Kältemittel für Kühlschränke mit dem Gas Tetrafluorethylen experimentierte und eines Morgens nur noch weiße Krümel in der Flasche vorfand: ein Polymer, das heute als Teflon bezeichnet wird. Der Wirkstoff des Haarwuchsmittels Propecia wurde in der Tumortherapie eingesetzt - dort wurde man auf das be-sonders dichte Haar der Probanden auf- merksam. Der erste Käse entstand aus vergorener Milch. Das europäische Por- zellan wurde von einem Alchemisten entdeckt, der tönte, Gold herstellen zu können. Die Membran Gore-Tex wurde als Isoliermaterial für elektrische Ge-räte verwendet - bis ihre Dehnbarkeit auffiel. Mauvein, den ersten künstlich hergestellten Farbstoff, fand ein Forscher, als dieser sich mit einem vermeintlichen Malariamedikament das Hemd ruiniert haben soll. Die keimtötende Wirkung von Penicillin fiel nur auf, weil eine Bakterienkultur mit einem Schimmelpilz verunreinigt war. Die SMS war ursprünglich nur für die Meldung von Netzstörungen gedacht. Tesafilm war als Pflaster entwickelt worden, reizte jedoch die Haut. Post-its entstanden aus einem Abfallprodukt der Klebstoffindustrie, die mit der Haftwirkung einer Entwicklung unzufrieden war. Und Viagra sollte eigentlich Herzkranken helfen - erzeugte bei diesen jedoch Herzklopfen ganz anderer Art.

Nachdruck

Nummer 201106008, siehe Seite 104 oder www.harvardbusinessmanager.de © 2011 Harvard Business Manager

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