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Raue Sitten im Reich der Mitte

Ohne Vorbereitung geraten ausländische Manager in China leicht unter Produktpiraten oder scheitern an kulturellen Differenzen.
aus Harvard Business manager 1/2004

Für die Mitglieder des deutschen Transrapid-Konsortiums war der Abschluss der Bauarbeiten in Shanghai nicht nur Grund zur Freude. Denn noch vor dem deutschen Transrapid brauste bereits ein eigener Hochgeschwindigkeitszug der Chinesen übers Land. Konkurrenz für Deutschland.

Ein Beispiel von vielen aus Michael Nippas Sammelband "Markterfolg in China". Die Botschaft der Autoren: Geschäfte in China erfolgreich abzuschließen ist kein Zuckerschlecken. Das wird bereits in den ersten beiden Kapiteln deutlich. Dort analysieren Markus Taube, Professor für Ostasienwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, und Lutz Werner, der für die bilateralen Beziehungen zwischen China und Deutschland zuständige Regierungsdirektor im Wirtschaftsministerium, die ökonomischen Rahmenbedingungen im Reich der Mitte.

Die Zahlen ernüchtern mögliche China-Enthusiasten. Nur jeder fünfte Investor habe es bislang geschafft, seine Investition wieder zu erwirtschaften. Die Zukunftsaussichten seien vordergründig zwar ganz gut - nur beruhten die Schätzungen meist auf grob verfälschten Statistiken.

Die Botschaft: Es gibt viele Probleme, die dem Erfolg im Wege stehen - kulturelle Unterschiede, Produktpiraterie, politische und wirtschaftliche Hindernisse.

Über all diese Schwierigkeiten informieren die Autoren, vorwiegend Professoren und Manager, sachlich und präzise. Sie beziehen sich auf wissenschaftliche Untersuchungen und erklären Probleme wie kulturelle Differenzen oder Produktpiraterie ohne Umschweife. Der Leser erfährt so, dass auf dem chinesischen Markt von jedem Original zwei Imitate produziert werden. Nicht nur von einfachen Produkten wie Kleidung oder Software, von denen der deutsche Zoll im Jahr 2000 gefälschte Waren im Wert von 42 Millionen Euro beschlagnahmte. Imitate gibt es vielmehr in allen Produktbereichen: von der Fertigsuppe bis zum Motorroller.

Die Beschreibung der Probleme ist durchweg fundiert - leider erreichen die Lösungsvorschläge nicht dieses Niveau. Sie geraten eher kurz. Da versöhnt auch nicht der Hinweis, die Lösung bitte nur als Anregung zu verstehen. Abgerundet wird das Werk durch Erfahrungsberichte von Managern unterschiedlicher Unternehmen wie Sartorius, Lufthansa oder Schott Glas.

Das Buch ist eine lohnende Investition für nach Fernost strebende Manager. Es ist erfreulich nüchtern geschrieben - und der Leser kann sich auf diese Weise in kurzer Zeit sehr umfassend über China informieren.

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Nippa, Michael (Hrsg.)

Markterfolg in China

Physica-Verlag, Heidelberg 2003, 246 Seiten, 34,95 Euro

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