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Rätselhafte Chinesen

Ein aus China stammender US-Professor gibt Managern eine intime Einführung in die Geschäftspraktiken und die Kultur seines Geburtslandes.
aus Harvard Business manager 1/2005

Das "Handelsblatt" warnte neulich vor einer übertriebenen China-Euphorie und mahnte, auch auf andere aufstrebende asiatische Länder wie etwa Thailand zu setzen. So oder so: Für Geschäftsleute, die in China oder mit chinesischen Geschäftspartnern erfolgreich sein wollen, dürfte sich die Investition in ein wirklich gutes China-Buch auch auf lange Sicht lohnen. Im Übrigen auch deshalb, weil die Chinesen zunehmend in europäischen Märkten tätig werden.

Der Autor, Ming-Jer Chen, ist gebürtiger Chinese und lebt seit 20 Jahren in den USA. Er ist Professor an der Universität von Virginia, lehrt an der Universität Hongkong und ist Gründungsdirektor der "Global Chinese Business Initiative" der Wharton School. Es geht ihm um wesentlich mehr, als dem Leser ein paar Verhaltenseigenheiten oder Tischsitten zu erklären (womit so genannte interkulturelle Ratgeber Manager oftmals eher verunsichern, als sie sinnvoll auf ihren Einsatz vorzubereiten).

Ming-Jer Chen möchte vielmehr aus einer Einbahnstraße eine Zweibahnstraße machen. Er will Managern nicht nur helfen, Chinas Kultur zu verstehen, damit diese sich durchsetzen können, sondern ihnen zeigen, wie sie vom chinesischen Denken auch im westlichen Geschäftsalltag profitieren können. Man muss hier freilich bedenken, dass es eine chinesische Perspektive ist, die im Westen möglicherweise nicht jeder teilen wird.

Ein Freund habe ihm vorgeschlagen, seinem Buch einen zugkräftigeren Titel zu geben: "The Baffling Chinese" (Die rätselhaften Chinesen). Für viele im Westen Lebende ist die chinesische Geschäftsmentalität ohne Zweifel ein Buch mit sieben Siegeln. Er entschied sich aber doch gegen diesen Titel, weil er ihm ein wenig überzogen und allzu kontrovers erschien.

Rätselhaft ist freilich immer, was man nicht versteht. Aber Rätselhaftigkeit zu attestieren ist letztlich auch ein Kompliment. Der Schlüssel ist also zunächst einmal Wissen, und zwar eben kein Scheinwissen, wie es Benimmdetails vorgaukeln, sondern ein Blick für das große Ganze. Den vermittelt Ming-Jer Chen mit seinem intimen, kompakten Überblick über Geschichte, Wirtschaft und Kultur, mit praktischen Tipps und Beispielen. Wichtige Themen sind etwa die Familientradition, Wettbewerbs- und Verhandlungsregeln und was Chinas Wandel für die Welt bedeutet.

Da schon viel über China geschrieben wurde, dürfte manches bekannt sein (wie etwa die Wichtigkeit von Netzwerken, "Guanxi"). Aber gerade wegen der umfassenden Darstellung wird man mit diesem Buch nicht schlecht gerüstet sein für das Abenteuer China.

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