Antonia Götsch

Lead Forward Wie braten Sie Ihren Prozess?

Wussten Sie, dass 65 Prozent aller Projekte scheitern? Das liegt an unrealistischer Zeitplanung, unklaren Zuständigkeiten, mangelnder Koordination. Von Spitzenköchen können wir lernen, rückwärts zu planen.

"Man plant sein Leben ja immer rückwärts. Und überlegt, wann muss ich aufstehen, um alles zu schaffen”, sagte mir neulich Spitzenköchin Julia Komp. Die 33-Jährige war gerade bei uns im Podcast zu Gast.

Ich habe über ihre Worte nachgedacht und muss sagen: Die wenigsten Menschen, die ich treffe, planen Projekte und Prozesse konsequent von hinten. Für Julia Komp ist das Alltag. Sie weiß, wenn um 18 Uhr nicht der Fisch geschuppt und alle Soßen gekocht sind, kommt sie in Teufels Küche. Wenn ein Gang abgerufen wird, denkt sie schon an den kommenden.

Wussten Sie, dass 65 Prozent aller Projekte scheitern? Das liegt an unrealistischer Zeitplanung, unklaren Zuständigkeiten, mangelnder Koordination. Wie oft habe ich selbst erlebt, dass Projekte zwar geplant, aber mit völlig unrealistischen Erwartungen versehen werden, was die Dauer einzelner Arbeitsschritte angeht. Oder keine langfristigen Ziele festgelegt und im gesamten Team kommuniziert sind.

Erfinden Sie Prozesse immer wieder neu?

Vorausdenken und planen – auch für den Notfall (ein Gast verträgt Tomaten nicht) – all das bekommen Köchinnen und Köche offenbar schon in der Ausbildung mit. Wahrscheinlich weil man ein zu lang gebratenes Stück Fleisch einfach nicht mehr retten kann – eine Präsentation hingegen schon. Eine Köchin und ihr Team haben meist genau eine Chance, mit ihrem Menü zu überzeugen. Und sie nutzen diese.

Ich habe eine Metapher mitgenommen, die mich beim nächsten Projekt an kluge Planung erinnern soll: Wie würde ich den Prozess planen, wenn er ein Steak wäre, das medium-rare serviert werden soll?

Den ganzen Podcast mit weiteren spannenden Einblicken aus einer Spitzenküche und Tipps für Ihr Projektmanagement hören Sie hier (oder hier bei Spotify ).

PS: Ich danke Ihnen ganz herzlich für die vielen freundlichen E-Mails und Bewerbungen als Gastautorin oder Gastautor. Ich habe Dutzende Vorschläge erhalten – und werde die Aktion bestimmt wiederholen. In der nächsten Woche lesen Sie hier dann von Felix Kretz, er leitet die Kommunikation des Leibniz-Instituts für Finanzmarktforschung in Frankfurt am Main.