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Vor der Entstaatlichung notleidender öffentlicher Unternehmen sind die betriebswirtschaftlichen Konsequenzen zu prüfen Privatisierung - ein Allheilmittel?

Veba, Viag, Volkswagen - der Rückzug des Staates aus der Wirtschaft hat heute Konjunktur. Doch Privatisierung ist kein Allheilmittel für öffentliche Unternehmen, die in Schwierigkeiten geraten sind. Denn mit dem bloßen Verkauf von Anteilen aus Staatsbesitz wird weder ein neues, schlagkräftiges Managementgeschaffen, noch die Überlebensfähigkeit eines Unternehmens gesichert. Die Privatisierungsdiskussion muß daher um betriebswirtschaftliche Aspekte erweitert werden: - In vielen Fällen wird Privatisierung oder Teilprivatisierung die Komplexität der Unternehmensführung und damit die Anforderungen an das Management erhöhen. - Privatisierung setzt eine grundsätzlich neue unternehmerische Vision und eine Neuformulierung der Strategien der Geschäftseinheiten voraus. - Auf der Grundlage der Analyse und in Abstimmung mit den Werthaltungen der beteiligten Gruppen sind Unternehmenspolitik, Strategien und Reorganisation des Unternehmens festzulegen sowie die obersten Führungskräfte auszuwählen. - Eine aus betriebswirtschaftlichen Überlegungen erfolgte Privatisierung erscheint bei politischen Einflußveränderungen langfristig eher resistent gegenüber Renationalisierungsbestrebungen als eine vorwiegend politisch-volkswirtschaftlich motivierte Entstaatlichung. - Die Erfüllung der gemeinwirtschaftlichen Ziele des staatlichen Unternehmens und die Abdeckung der entsprechenden Kosten sind Fragen, die nicht in den Zuständigkeitsbereich der Manager fallen und von politischen Entscheidungsträgern beantwortet werden müssen.
Von Hans H. Hinterhuber
aus Harvard Business manager 3/1988
Richard M. Hammer, Justus Lorentz
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