Die Kunst des Denkens

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Nr. 3 / 23.06.1987 Alle Ausgaben
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EDITORIAL

Strategie/Planung

Wie die Friedrichsfeld GmbH den Weg aus einer existenzgefährdenden Krise fand Ein Traditionsunternehmen wird saniert

Die Friedrichsfeld GmbH, ein Mannheimer Unternehmen mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte, fertigte lange Zeit nur Steinzeugprodukte für die Bau- und Chemie-Industrie. Verwöhnt von der Monopolstellung auf den Absatzmärkten, entstand eine Verteil- und Beamtenmentalität - die introvertierte Geschäftsleitung erkannte nicht rechzeitig das Aufkommen neuer Werkstoffe, die die herkömmliche Produktpalette abzulösen begannen. Ende der 70er Jahre war die Krise da: Die Substitutionstendenzen, hohe Kosten und Verluste und eine gefährliche Finanzstruktur stellten das Überleben des Traditionsbetriebes in Frage. Der Verfasser, Geschäftsführer der Friedrichsfeld GmbH, schildert, wie mit einer völlig neuen Strategie und dem Bruch mit der alten Unternehmenskultur innerhalb von fünf bis sechs Jahren die Gesundung gelang. Die trotz ihres recht bescheidenen Geschäftsvolumens (Umsatz 1986: 152 Millionen Mark, 850 Mitarbeiter) sehr komplexe Firma bekam ein gänzlich neues Leistungsprogramm verschrieben: Von 1980 bis 1986 wurden circa 50 Prozent des Umsatzes mit homogenen Massengütern gestrichen und weitgehend durch "intelligente", erklärungsbedürftige und ertragsstärkere Produkte ersetzt - etwa keramische Laboreinrichtungen für die Chemie, technische Kunststoffe für die Betonindustrie und Implantate aus keramischen Werkstoffen für die Medizintechnik. So konnte das Betriebsergebnis der Jahre 1985 und 1986 im Vergleich zu 1979 und 1980 um 15 Prozent vom Umsatz erhöht werden. Die vergangenen beiden Jahre brachten die höchsten Gewinne der Unternehmensgeschichte. Ferner stieg der Eigenkapitalanteil von neun auf rund 25 Prozent. Und schließlich wurde die gefährliche Überschuldung abgebaut: Das Unternehmen trug 49 Millionen Mark Fremdverbindlichkeiten ab und legte ein Guthaben von zehn Millionen Mark an.

Ergebnisse einer empirischen Analyse Was taugen Länderrisikokonzepte?

Angesichts der nach wie vor ungelösten Schuldenkrise in der Dritten Welt ist es für international tätige Unternehmen zunehmend unerläßlich, die Gefahren eines Auslandsengagements kontinuierlich und frühzeitig zu bewerten. Können die Risikobeurteilungen, die regelmäßig von kommerziellen und öffentlichen Institutionen sowie von Fachzeitschriften veröffentlicht werden, den Betrieben dabei helfen? Eine empirische Untersuchung dieser Beurteilungssysteme zeigt: Aggregierte Globalindikatoren sind in der Regel wenig aussagefähig. Internationale Unternehmen sollten daher die Einzelkriterien der Teilkonzepte heranziehen. Mit qualitativen Indikatoren (aufgrund von Expertenbefragungen) läßt sich im übrigen genauso gut oder schlecht wie mit statistischen Daten die Zahlungsfähigkeit eines Landes beurteilen. Allerdings haben Experten den Vorteil, daß sie aktuellere Informationen heranziehen können. Obschon die verwendeten Daten als recht zu verlässig gelten dürfen, erlauben die untersuchten Risikokonzepte nur wenig differenzierte Beurteilungen. Sie können zwar helfen, die strategische Richtung auf Auslandsmärkten zu bestimmen. Doch konkrete risikopolitische Maßnahmen lassen sich daraus nicht ableiten. Obendrein wird aus empirischen Tests deutlich, daß die Beurteilung von Länderrisiken auf möglichst aktuellen Ist-Analysen beruhen sollte und nicht auf langfristigen Prognosen. Die weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen - Ölpreis, Dollarkurs, Zinsniveau - verändern sich auf kaum vorhersehbare Weise. Jährlich abgegebene Prognosen sind daher schon nach wenigen Wochen oder Monaten überholt.

Marketing/Distribution

Logistik/Materialwirtschaft

Neue Bücher

EDV/Bürokommunikation

Werbung/Public Relations

Politik/Gesellschaft

Offensiver betrieblicher Umweltschutz

Trotz zahlloser Umweltskandale in jüngster Zeit, haben viele Unternehmen offensichtlich noch immer nicht recht begriffen, wohin die Reise geht: Seit Anfang des Jahres wird in Bonn über drastisch erhöhte Umweltschutzanforderungen an die Wirtschaft nachgedacht, so etwa ein verschärftes Verursacherprinzip, eine obligatorische Umwelthaftpflichtversicherung und einen Umwelt- TÜV für die Chemie nach dem Muster der automatisierten Kontrollen bei Atomkraftwerken. Im ersten Teil seines Beitrags trägt der Autor acht Thesen zu einer marktwirtschaftlich orientierten Umweltpolitik vor, deren Prinzip lautet: So wie in der Nachkriegszeit das Eigeninteresse aller für den Wiederaufbau des zerstörten Landes aktiviert wurde, müssen wir heute das wohlverstandene Gewinnziel der Unternehmen zur Erhaltung und Rettung der natürlichen Ressourcen einspannen. Die Wirtschaft, insbesondere die Chemie, hat nur einen Weg, den steigenden ökologischen Anforderungen zu begegnen: offensives Umweltschutzmanagement. Im zweiten Teil stellt der Verfasser die drei Kernbausteine dieses Konzepts vor: das gesamte Unternehmen davon überzeugen, daß es notwendig und vorteilhaft ist, Umweltauflagen rascher und besser zu erfüllen, als der Gesetzgeber verlangt; ökologisch verträgliche Produkte und Produktionsverfahren mit betriebswirtschaftlichen Zielen integrieren; ein offensives Ökomarketing betreiben. Um die Glaubwürdigkeit dieser Strategie zu unterstreichen, müssen die Betriebe bei Unglücks- und Störfällen die Öffentlichkeit rechtzeitig und rückhaltlos informieren und gegeben falls freiwillig Entschädigungs- und Kompensationszahlungen leisten.

Fortbildung/Personalentwicklung

Investition/Finanzierung

Die Zeitbombe im amerikanischen Finanzsystem

Droht das Finanzsystem der Vereinigten Staaten zusammenzubrechen? Zahllose unterkapitalisierte Geldinstitute haben sich mit großzügigen Darlehen an Kunden schlechter Bonität übernommen. Nur Buchhaltungstricks, die die wahre Ertrags- und Kapitallage verschleiern, haben bislang verhindert, daß Hunderte von Sparkassen und Regionalbanken die Zahlungsunfähigkeit erklären mußten. Gleichzeitig werden risikoarme Kredite - das profitable Geschäft - zunehmend von einer neuen Finanzierungstechnik abgelöst, die den traditionellen Geldverleihern aus rechtlichen Gründen kaum offensteht: Immer mehr Betriebe beschaffen sich ihr Geld mit Securitization, der Umwandlung klassischer Bankdarlehen in handelbare Wertpapiere. Der Vorteil: Diese sogenannten verbrieften Kredite sind liquide und haben einen funktionierenden Sekundärmarkt, herkömmliche Kredite nicht. Bislang wird allerdings das gesamte Geschäft von einigen wenigen Investmentbanken abgewickelt, die jede nur denkbare Form von Finanzierungsinstrumenten mit Wertpapieren unterlegen - Hypotheken, Privatdarlehen, Kreditkarten, Leasingverträge. Sollen auch Geschäftsbanken an der Securitization teilnehmen, dann muß das Bankenrecht von Grund auf geändert werden. Bisher haben Politiker und Behörden vor diesem Problem jedoch die Augen geschlossen. Doch die Securitization enthält gewaltigen Sprengstoff: Bereits Mitte der 90er Jahre könnten 80 Prozent der Neu verschuldung der US- Wirtschaft in verbrieften Krediten bestehen. Geschäftsbanken und Sparkassen wären dann nahezu zur Bedeutungslosigkeit verurteilt; Tausende weiterer Geldinstitute müßten Konkurs anmelden; und die Emissionshäuser bekämen eine beispiellose wirtschaftliche Macht.

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