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Update Plattform für Managementideen

In unserer April-Ausgabe 2009 forderte Strategieprofessor Gary Hamel eine Revolution im Management und formulierte 25 Thesen zur Unternehmensführung der Zukunft. Nun ruft Hamel zur Arbeit: Jeder Manager weltweit soll auf seiner neuen Online-Plattform mit kreativen Konzepten helfen, die 25 Thesen umzusetzen.
aus Harvard Business manager 8/2010

Moonshots nennt Gary Hamel seine 25 Forderungen zur Erneuerung des Managements. Der Strategieprofessor der London Business School orientiert sich mit dem Begriff an dem in den 60er Jahren sehr ehrgeizigen Ziel der Mondlandung. Um seiner Ansicht Ausdruck und Dringlichkeit zu verleihen, veröffentlichte er diese Moonshots gemeinsam mit 34 anderen Managementexperten aus Wissenschaft und Wirtschaft (unter ihnen sind innovative Denker wie Chris Argyris, Peter Senge und Henry Mintzberg) und nannte die Gruppe "die Managementrebellen". Weil Management, wie es heute üblich sei, vor über 100 Jahren erfunden wurde, sei es an der Zeit, für die Selbstverantwortung der Mitarbeiter, die Kontrolle Gleichgestellter untereinander, die Reduktion von Angst und die Beseitigung lähmender Hierarchien, den demokratischen Umgang mit Informationen und vieles mehr zu kämpfen.

So weit ist es das übliche Vorgehen aller Managementdenker weltweit. Griffige Thesen erzeugen Aufmerksamkeit - und mit etwas Glück finden sie ihren Weg ins Unternehmen. Der Strategieprofessor und seine Mitstreiter gehen nun einen Schritt weiter. Im März 2010 startete unter der Federführung von Hamel die Online-Plattform Management Innovation Exchange (MIX). Hamel ruft in einem Video all jene Führungskräfte auf, sich zu beteiligen, die in ihrem Unternehmen das Gefühl haben, es müsse sich etwas ändern. MIX, so Hamel, sei die Plattform dafür. Denn eine Revolution des Managements finde nicht zwischen Buchdeckeln statt - aber vielleicht komme sie aus der Gruppe der Unzufriedenen, der "Renegades" im Management.

Hamel etabliert mit MIX eine Open-Innovation-Plattform für Managementideen. Um die bisher nur theoretisch formulierten Moonshots mit praktischen Vorschlägen zu füllen, sollen sich weltweit Führungskräfte beteiligen und ihre Ideen beisteuern. Dazu bietet die Plattform den Managern drei Möglichkeiten: Sie beschreiben echte Fallbeispiele oder bereits umgesetzte Konzepte aus ihrem Managementalltag ("Stories"), schlagen innovative Ideen für besseres Management vor ("Hacks") oder formulieren typische Hindernisse auf dem Weg in eine bessere Managementzukunft ("Barriers"). Jeder Beitrag soll sich auf einen oder mehrere der Moonshots beziehen. So entsteht mit der Zeit eine Sammlung innovativer Konzepte, Best-Practice-Beispiele und Warnungen vor Umsetzungshürden. Alle Einträge dürfen von jedermann ergänzt und kommentiert werden.

Als zusätzlichen Ansporn stiften die Organisatoren den M-Prize. Wer das innovativste Konzept vorstellt, darf als Redner auf dem New Yorker World Innovation Forum im Juni 2011 auftreten - gemeinsam mit Managementgrößen wie Clayton Christensen, Roger Martin und Daniel Pink. Der Annahmeschluss für den Wettbewerb endet am 15. Oktober. Bis dahin kann jeder eine Fallstudie oder eine neue Managementidee beisteuern.

Begleitet wird die Diskussion von Beiträgen innovativer Manager wie Terri Kelly, CEO von W. L. Gore, und Vineet Nayar, CEO von HCL Technologies (siehe Beitrag Seite 50), Beratern wie der New Yorker McKinseyDirektorin Joanna Barsh und Wissenschaftlern wie Tom Malone von der MIT Sloan School of Management. Gary Hamel selbst bietet exklusiv für die Mitglieder Videokonferenzen an, in denen er schildert, wie sie im eigenen Unternehmen die Lust auf Managementinnovationen anfachen können.

Das noch junge Projekt enthält zurzeit zwar noch wenig Beiträge - doch die Qualitätskontrolle der Leser funktioniert. Die bisher am höchsten bewerteten Einträge zeichnen sich dadurch aus, dass sie sehr ausführlich Problem und Lösung schildern - und so eine wertvolle Anregung für die Praxis liefern. Was von den Lesern als praxisrelevant bewertet wird, erscheint prominent auf der Homepage.

So wie das Beispiel von Pfizer-Manager Jordan Cohen. Er erkannte, dass Führungskräfte zwischen 20 und 40 Prozent ihrer Arbeitszeit nutzen, um Routinejobs zu erledigen, etwa das Erarbeiten von Präsentationen für Board-Meetings. Zeit, die sie besser für ihre Kernaufgaben verwenden sollten.

Cohen wandte das Prinzip des Outsourcings auf die persönlichen Routinejobs von Managern an und gründete den Servicebereich Pfizer Works. Eine Armada vorwiegend von Experten aus dem Unternehmen steht nun bereit, um Fakten und Daten innerhalb von 24 Stunden zusammenzutragen, Berichte zu erstellen und Präsentationen zu erarbeiten. Laut Cohens Eintrag "Getting Rid of the Busy Work so You Can Get to Work" war diese Innovation ein voller Erfolg. Im ersten Jahr erledigte Pfizer Works 66 000 Stunden Arbeit für das Management.

MICHAEL LEITL

ist Redakteur des Harvard Business Managers.

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