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Nachhaltigkeit Tempolimit für den Dienstwagen

Jeder fünfte in Deutschland zugelassene Wagen ist ein Dienstwagen und trägt somit zu den CO₂-Emissionen im Straßenverkehr bei. Allerdings haben Unternehmen bisher keine eigenen Umwelt-Richtlinien für ihre Flotte vorzuweisen. Ein paar Ideen für eine nachhaltige Car Policy.
aus Harvard Business manager 10/2022
Foto: IMAGO / IAMGO

Geschätzt ist jeder fünfte neu zugelassene Pkw in Deutschland ein Dienstwagen. Nach kurzer Haltedauer kommen diese Fahrzeuge auf den Gebrauchtwagenmarkt und damit meist in private Hände. Entsprechend großen Einfluss haben Dienstwagen auf die CO₂-Emissionen im Straßenverkehr – und ihre Reduktion. Bisher haben jedoch nur wenige Unternehmen eine Dienstwagenrichtlinie – auch Car Policy genannt – verabschiedet, die klare Ziele für Umwelt- und Klimaschutz setzt.

Wie eine solche Richtlinie aussehen könnte, haben das Öko-Institut und der Thinktank Agora Verkehrswende in einem Thesenpapier  erarbeitet, das auch Formulierungshilfen enthält. Es setzt bereits bei der Beschaffung an: Unternehmen sollten sich ambitionierte CO₂-Grenzwerte für ihren Fuhrpark oder für Neuwagen setzen, empfehlen die Autoren. Zudem sollten sie zulässige Fahrzeug- und Antriebstypen festlegen, idealerweise mit einem hohen Anteil batterieelektrischer Autos. Sie können Mitarbeitende über ein Bonus-Malus-System für die Wahl emissionsarmer Dienstwagen belohnen. Dabei reichen die Ideen von einer besseren Pkw-Ausstattung über Zuschüsse für die Altersvorsorge bis hin zur Auszahlung eingesparter Leasingraten.

Um CO₂ einzusparen braucht eine Car Policy klare Richtlinien für die energieeffiziente Fahrzeugnutzung. Unternehmen sollten Anreize für sparsames Fahren setzen wie ein freiwilliges betriebsinternes Tempolimit (zum Beispiel 130 Kilometer pro Stunde), Wettbewerbe für die kraftstoffsparendsten Fahrerinnen und Fahrer oder ein eingeschränktes Kraftstoffbudget.

Da Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor zunehmend zum Auslaufmodell werden, sollten Unternehmen schon jetzt die Elektrifizierung ihres Fuhrparks in Angriff nehmen und ihre Beschäftigten dabei einbeziehen. So könnten sie ihnen anbieten, die Alltagstauglichkeit von E-Autos für einige Wochen mit Poolfahrzeugen zu testen. Natürlich gehört dazu auch, die unternehmenseigene Ladeinfrastruktur auszubauen, Mitarbeitenden eine Wallbox am Wohnort zu finanzieren oder ihnen per Ladekarte oder App Zugang zu öffentlichen Schnellladesäulen zu ermöglichen.

Der Effekt einer nachhaltigen Car Policy gehe wegen der Auswirkungen auf den Gebrauchtwagenmarkt über die Emissionen der Unternehmen hinaus, heißt es in der Studie. Diese sollten sich "ihrer Lenkungswirkung bewusst sein, um den Hochlauf der Elektromobilität insgesamt zu beschleunigen."

Quelle: Luis Karcher et al.: "Car Policy für eine klimafreundliche Dienstwagenflotte", Agora Verkehrswende und Öko-Institut, August 2022

Ausgabe Oktober 2022

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