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Nachhaltigkeit Die Natur zieht im Board of Directors ein

Als erstes Unternehmen weltweit gibt ein schottischer Kosmetikhersteller der Natur eine Stimme - ganz physisch mit einem Sitz im Board of Directors. Deren gesetzliche Vertreterin plant sogar Boardsitzungen im Wald.
aus Harvard Business manager 12/2022
Stimmberechtigt: Die Natur bekommt beim Naturkosmetikhersteller Faith in Nature eine hohe Stellung.

Stimmberechtigt: Die Natur bekommt beim Naturkosmetikhersteller Faith in Nature eine hohe Stellung.

Foto: die-Agency / iStockphoto / Getty Images

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Ein schottisches Unternehmen hat mit einem ungewöhnlichen Schritt seinen Leitsatz "Nature is the boss" Realität werden lassen. Der 1974 gegründete Kosmetikhersteller Faith In Nature  mit Sitz in Edinburgh hat 2022 die Natur als stimmberechtigtes Mitglied in seinen Board of Directors aufgenommen.

Als deren rechtliche Vertreterin agiert zunächst die Klimarechtsexpertin Brontie Ansell, Mitgründerin und Leiterin der NGO Lawyers for Nature. Sie wird bezahlt wie alle nicht exekutiven Boardmitglieder und hat das gleiche Stimmrecht wie die anderen zehn Directors. Ein Vetorecht steht ihr jedoch nicht zu. Später soll die Position rotieren und auch von anderen übernommen werden können; das Unternehmen ist offen für Bewerbungen.

"Wir sind das erste Unternehmen, das die Natur in den Board holt. Aber wir wollen nicht das einzige bleiben."

Simeon Rose, Creative Director bei Faith In Nature

Ansell kann sich von einem vom Unternehmen finanzierten Komitee beraten lassen, in dem Experten für Biodiversität, Umweltverschmutzung, Kunststoffe, Energie oder Wasserwirtschaft sitzen. Sie überlege sogar, sagte sie der britischen Zeitung "The Guardian" , einige Boardmeetings in der Natur abzuhalten, zum Beispiel in einem Waldgebiet. So wolle sie das Gremium bei Entscheidungen, die die Natur beeinträchtigen könnten, auch physisch in diese hineinversetzen. Für die Zukunft hat das Unternehmen, das bislang recyceltes Plastik für seine Seifen- und Shampooflaschen verwendet, einen kompletten Ausstieg aus der Kunststoffnutzung angekündigt.

"Faith In Nature ist das erste Unternehmen weltweit, das die Natur in seinen Board of Directors holt", erklärt Creative Director Simeon Rose in einem Video  auf der Unternehmenswebsite, "aber wir wollen nicht das einzige bleiben." Dieser Schritt ergebe erst dann Sinn, wenn auch andere ihn gingen. Daher macht Faith In Nature seine Vorgehensweise und den rechtlichen Prozess für die Öffentlichkeit zugänglich. "Es wäre fantastisch, wenn es in jedem Vorstand jedes Unternehmens auf der Welt eine Stimme für die Natur gäbe", hofft Rose. Denn in Zukunft würden vor allem jene Unternehmen erfolgreich sein, so heißt es in einem Frage-und-Antwort-Dokument  des Unternehmens, die die Natur in ihre Entscheidungen einbeziehen.

Ausgabe Dezember 2022

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