Zur Ausgabe
Artikel 22 / 43
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Michael Feldstein sollte nachChina gehen. Die Frage istnicht, ob er Beaumonts Jobstemmen kann, auch nicht, ob er ihnaufgrund seiner Qualifikationen bekommensollte. Er wird ihn nicht bekommen,das scheint ziemlich sicher.Und China ist für ihn eine fantastischeChance.

Der deutlichste Hinweis darauf, dassFeldstein Beaumonts Job nicht übernehmenwird, stammt vom Vorstandschefhöchstpersönlich. Pierre Hoffmanweiß sehr wahrscheinlich bereits,wen er auf den Posten setzen wird.Hätte er Feldstein dafür auserkoren,stünde China gar nicht zur Debatte.

Zudem gibt es mehrere Kandidaten,die infrage kommen, die alle erfolgreichsind und das Zeug für diese Aufgabehaben. Auf der Ebene, auf derFeldstein angekommen ist, bringt jederdas nötige Talent mit. Es setzensich diej enigen durch, die die Strippengeschickter ziehen, und auf diesemGebiet hat sich Feldstein ja nicht geradehervorgetan. Zudem stammeneinige seiner Konkurrenten aus demMutterkonzern, und häufig besetztder die Schlüsselpositionen. Um dieMitarbeiter des Unternehmens, dasübernommen wurde, nicht gleich zuverprellen, beginnt man damit zwaroft nicht direkt nach dem Deal. Dochwenn im Laufe der Zeit Jobs frei werden,kommen in der Regel die eigenenLeute zum Zug. Feldstein stammtnicht aus dem Mutterkonzern. Unabhängigvon seinen Kompetenzenist er daher im Nachteil. Dies giltumso mehr, als er sich kaum darumbemüht hat, Kontakte zu seinenneuen Kollegen zu knüpfen.

Dennoch hat er allen Grund, optimistischauf seine Zukunft im Konzernzu blicken. China ist für Lafleurein Markt von strategischer Bedeutung.Das Unternehmen hofft, sichdort eine wichtige neue Ertragsquellezu erschließen. Und Pierre Hoffmanhätte Feldstein diesen Posten wohlkaum angetragen, wenn er dessenFähigkeiten nicht schätzen würdeund ihn nicht unbedingt haltenwollte. Feldstein befindet sich also ineiner hervorragenden Verhandlungsposition.Ehe er den Job annimmt,sollte er sich mit dem CEO in Pariszusammensetzen und in bestimmtenPunkten eine schriftliche Übereinkunfterzielen.

Erstens sollte er ein zeitliches Limitsetzen; zwei Jahre sind in diesemFall eine gute Richtgröße. Vielleichtmöchte er den Vertrag später verlängern,doch zunächst sollte er sich dieMöglichkeit offen halten, China relativbald wieder verlassen zu könnenund so für einen Job in der Konzernzentraleim Gespräch zu bleiben.

Zweitens sollte er auf einen klarenErfolgsmaßstab für die Laufzeit seinesVertrags drängen. Das kann zumBeispiel ein bestimmtes Umsatzplus,ein definiertes Maß an Markenbekanntheitoder ein festgelegter Marktanteilsein. Er sollte nicht nur Hoffmanfragen, wie dieser den Erfolgmessen will, sondern auch eigeneRichtwerte vorschlagen.

Drittens sollte er einige Reisen proJahr aushandeln - und zwar sowohlnach New York als auch nach Paris.So bleibt er im Blickfeld, falls weitereFührungspositionen frei werden.

Viertens sollte die Firma für FeldsteinsFrau einen Job in einem multinationalenUnternehmen suchen. SeineKinder sind in einem Alter, in demsie sich noch relativ leicht auf eineneue Umgebung einstellen können.Für seine Frau gilt das nicht. Sie hatder Karriere ihres Mannes bereits vielesgeopfert, und er muss dafür sorgen,dass sich der Ortswechsel auchfür sie lohnt.

Schließlich könnte er fünftens verlangen,dass einige seiner bewährtestenMitarbeiter mit nach Chinagehen. Diese Möglichkeiten sollte erzumindest erwägen.

Hat er die Zusagen erst einmalschriftlich, muss er unbedingt seinVerhältnis zu Danielle Harcourt bereinigen.Sie hat ihm frühzeitig dieHand gereicht; diese Geste hat ernicht erwidert. Doch wenn er nachChina geht und sie keine Bedrohungmehr für ihn darstellt, sollten diebeiden Verbündete werden. Feldsteinbraucht einen Partner in New York,bei dem er regelmäßig andockenkann. Es scheint, als hätte HarcourtChancen, Beaumonts Job zu bekommen.In diesem Fall könnte sie vonFeldstein eine Menge über die Geschäftsfelderdes Campos-Zweigeslernen. Feldstein sollte nicht nachChina gehen, ehe er nicht Harcourtauf seiner Seite hat.

Ist er aber erst einmal dort, musser lernen, seine Leistungen besser zuverkaufen. Er kann dazu einen persönlichenBetreuer anheuern oder miteiner PR-Agentur zusammenarbeiten.In jedem Fall muss er die Leutein der Branche - nicht nur die Kollegenbei Lafleur - wissen lassen, werer ist und woran er arbeitet. SeinName muss regelmäßig in Handelszeitschriftenund in den Publikumsmedienauftauchen. So sehen diemaßgeblichen Leute in der Branche,dass er ein Pionier im China-Geschäftist. Headhunter werden auf ihn aufmerksam,dasselbe gilt für die Konkurrentenvon Lafleur. Ganz gleich,wie seine Karriere im Konzern sichentwickeln wird - sein Stern wirddank seiner China-Erfahrung in jedemFall viel heller strahlen.

nancy clifford widmann, amy dorn kopelan
Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 22 / 43
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.