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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Wenn eine sterbende Mutterzu ihrem Sohn sagt: "Dubist mein Geschenk an dieWelt", werden diese Worte immer inihm nachhallen. Alan Wilson wird niein der Lage sein, die Stimme seinerMutter gänzlich aus seiner Erinnerungzu löschen, und sie wird zwangsläufigsein künftiges Verhalten beeinflussen.

Allerdings hat Wilsons Cousinerecht: Wenn er macht, was er wirklichgern tut, wird sich die Wirkung seinesHandelns schon von allein einstellen.Ich würde ihm raten, keine Angst davorzu haben, dass ihm irgendeineEntscheidung, die er jetzt trifft, künftigeChancen verbaut. In diesem frühenStadium seiner beruflichen Karrierewird das wahrscheinlich nichtder Fall sein.

Stattdessen sollte Wilson seine Gedankenordnen, indem er sie niederschreibt.Vor allem sollte er zwei Listenanfertigen. Auf einer steht all das,was er wirklich gern tut: Was begeistertihn? Welche Arbeitssituationenund welche persönlichen Aktivitätenmachen ihm Spaß? Die zweite Listeenthält die Dinge, die ihm überhauptnicht gefallen. Danach sollte er dieVor- und Nachteile jedes beruflichenAngebots notieren und diese mit seinenVorlieben und Abneigungen vergleichen,um herauszufinden, welchesAngebot am besten zu dem passt, waser gern tut.

Würde Alan Wilson mich um Ratfragen, würde ich ihn davor warnen,zu dem Hedgefonds zu gehen odernoch lange bei Grepter zu bleiben.Geld scheint für ihn keine hinreichendstarke Motivation zu sein, um sichKarls Team bei dem Hedgefondsanzuschließen. Der Stressfaktor indiesem Geschäft ist hoch; und selbstunter der Annahme, dass sich derFonds gut entwickelt und Wilson eineMenge Geld verdient, könnte er unzufriedensein. Zudem wäre er mehrereJahre lang nicht in der Lage, diesoziale Wirkung zu entfalten, die ersich wünscht.

Obwohl das PharmaunternehmenGrepter ein guter Arbeitgeber zu seinscheint und Wilson bisher beruflichzufrieden war, könnte der mühsameWeg durch eine große Unternehmensbürokratienicht das Beste für ihn sein,wie sein alter Freund argumentierte.Und auch in diesem Fall wäre Wilsonfür einen recht langen Zeitraum nichtimstande, etwas zu bewirken, vor allem,wenn er als leitender Managersehr hart arbeitet.

Es gibt dagegen mehrere Gründe,warum Wilson ernsthaft überlegensollte, zu Shiori Masakis Unternehmenzu gehen.

Erstens ist das unternehmerischeAbenteuer, eine Organisation aufzubauen,trotz des möglichen Risikosinspirierend und es macht Spaß,wobei Wilson das Risiko vermutlichakzeptieren könnte. Masaki hat bereitsbewiesen, dass sie weiß, wie manGeld verdient. Die Erfolgsaussichtenihres Unternehmens könnten alsoüberdurchschnittlich hoch sein. Undwenn Wilson eine Kapitalbeteiligungam Unternehmen erhält und die Firmaan die Börse geht oder verkauftwird, könnte er auch so relativ vielGeld verdienen. Die Zusammenarbeitmit Shiori Masaki könnte sich langfristigallerdings als Falle erweisen,wenn sich Wilson nicht über seine Gefühlefür seine Freundin klar wird.

Zweitens würde die Befriedigung,die er aus der Arbeit in einem wichtigensozialen Unternehmen zieht,wie Balsam für den Schmerz sein,seine geliebte und bewunderte Mutterverloren zu haben.

Drittens würde er in der SozialpolitikErfahrungen sammeln. Wenner dies mit den erstklassigen Kontaktenverbindet, die Masaki ihm in Aussichtstellt, wäre er später möglicherweisein einer Position mit größeremEinfluss. Beispielsweise könnte er imöffentlichen Sektor Fuß fassen. Sowohlin den Vereinigten Staaten alsauch weltweit gibt es viele staatlichePositionen, in denen er sehr positiv fürdie Gesellschaft tätig werden könnte entweder als Angestellter oder alsgewählter Vertreter.

Nicht viele Betriebswirte wählenden Weg in den öffentlichen Dienst:Er ist oftmals anstrengend, und manverdient nicht besonders viel Geld.Aber es ist eine große Genugtuung,auf diese Weise einen Beitrag fürdie Gesellschaft zu leisten. Wenn Wilsonwirklich etwas Großartiges bewirkenwill, ist dies eine Überlegungwert.

barbara h. franklin
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