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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Stephanie Fortas sollte als Erstesden Henderson-Report nehmenund durch den nächsten Reißwolfjagen. Dieser Plan hätte dasInnovationsproblem von Innostatschon nicht gelöst, als Donally nocham Ruder war; und jetzt, da ein neuerCEO im Amt ist, würde er für nochmehr Chaos sorgen. Einige Teile desPlans mögen zwar sinnvoll sein, abereine der häufigsten Stolperfallen fürCEOs ist es zu glauben, allein organisatorischeVeränderungen könntenfundamentale Probleme in der Unternehmensführungund -kultur beseitigen.Die Kreativitätskrise des Unternehmenswird dieser Plan nicht behebenkönnen.

Es ist schwer, in Donallys Fußstapfenzu treten. Seine Leistungen alscharismatische, visionäre Führungsfigursind bemerkenswert. Dochschon drei Jahre vor seinem Abgangbegann Innostat seinen innovativenSchwung zu verlieren. Etwas war mitDonally geschehen. Hatte die Aussichtauf den Ruhestand seine Kreativitätgedämpft? War seine verringerteEffizienz ein unterschwelliges Anzeichender Krankheit, die ihn letztlichdas Leben kostete? Zweifellos kamenauch externe Kräfte - Herausforderungendurch Wettbewerber in Kernmärkten,schmalere Margen - mit insSpiel, doch Donallys Führungskrafthatte bereits angefangen zu bröckeln.

Donally wollte Frank Timoshotsky,seinen getreuen Produktionsleiter,als Nachfolger. Womöglich witterteder Aufsichtsrat Donallys Ambivalenz,wenn es darum ging loszulassen.Er erkannte hellsichtig, dass Timoshotskyzwar überaus wertvoll für dasUnternehmen war, aber wohl nicht inder Lage sein würde, die Entwicklungneuer Produkte anzustoßen. Dochvielleicht hat der Aufsichtsrat einenFehler gemacht, als er eine Außenstehendemit ausgeprägtem technischemHintergrund statt einer Personmit nachweislichen Führungsqualitätenwählte.

Fortas' Gemütsverfassung gibtebenfalls Anlass zur Sorge. Wird sie esauf ihrer Flucht vor einer schmerzhaftenScheidung überhaupt schaffen,sich voll und ganz der Lösung vonInnostats Leistungskrise zu widmen,oder ist sie emotional verletzlich undin Gefahr, sich übermäßig von anderenbeeinflussen zu lassen? Fortassteckt voller Selbstzweifel, und es istunklar, ob sich dahinter ein gesundesMaß an Demut oder nicht vielmehrjämmerliche Angst verbirgt. Ichstimme ihrem Coach zu, dass sie denUmstrukturierungsplan verwerfensollte. Etwas anderes ist es hingegen,wenn er sie vor Timoshotsky warntund sie dazu drängt, die Art vonFührungspersönlichkeit zu verkörpern,die sie womöglich niemals seinwird. Ich hoffe, Fortas kann einenSchritt zurück tun und die Möglichkeiterwägen, dass eine Umstrukturierungdes Unternehmens zu diesemZeitpunkt ein Irrweg wäre. Sie solltedie Meinung der Mitarbeiter einholen,dem Aufsichtsrat Gehör schenkenund mit ihren Kunden reden, um zuverstehen, warum Innostat aufgehörthat, neue Produkte zu entwickeln.

Es ist nicht zwangsläufig eine Katastrophe,wenn Fortas nicht die Gabenbesitzt, das zu leisten, was Donallyleistete, solange sie ehrlich zu sichselbst und dem Aufsichtsrat ist. Siekönnte immer noch jemanden ins Unternehmenholen, der in der Lage ist,die Kreativität neu zu entfachen. DieGefahr könnte darin liegen, dass sievielleicht ihre eigenen Grenzen nichtkennt oder das Problem nicht wirklichbegreift und an dem Versuchscheitert, es zu beheben.

Das passierte in einem Start-up, dasich vor etwa zwei Jahren beraten habe.Es machte 250 Millionen Dollar Umsatzjährlich und war stark technikorientiert.Ein neuer CEO mit großerVerkaufserfahrung wurde geholt.Doch er war so darauf fixiert, neueProdukte zu verkaufen, dass er dieLeute in den Labors behandelte wieKünstler, die nach einem starrenZeitplan Meisterwerke malen sollten.Wenn es nur so einfach wäre! In dieserSituation empfahl ich der Beteiligungsfirmaschließlich, einen neuenCEO zu suchen, und half ihr bei derAuswahl eines Kandidaten, dessenPersönlichkeit besser zu der Kulturdes Unternehmens passte.

Wenn Fortas die schlafenden Kreativkräftevon Innostat wecken will,muss sie einen Ausgleich herstellen:zwischen der Notwendigkeit, neueProdukte zu lancieren - schließlichmuss das Unternehmen Gewinne erwirtschaften-, und der Notwendigkeit,für einen geschützten Raum inden Forschungslabors zu sorgen, indem Leute ihre Kreativität frei auslebenkönnen.

kerry sulkovicz
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