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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 1/2007

Ich kann mich gut in John DooleysSituation hineinversetzen, denn esgibt viele Parallelen zwischen seinerKarriere und meiner. Meine Frauund ich arbeiten in der Forschung undzogen im Jahr 1988 nach San Diego,um dort nach der Promotion weiterwissenschaftlich zu arbeiten. Damalskam es für uns nicht in Frage, in Irlandzu bleiben - denn dort hättenwir nicht solche bahnbrechendenForschungsarbeiten durchführenkönnen. In Kalifornien hatten wir dieChance, Seite an Seite mit den Pionierender Biotech-Industrie zu arbeiten.Vier Jahre später zogen wir nachBoston, wo ich für eine SchweizerFirma arbeitete. Auch in der Schweizhaben wir zwei Jahre verbracht.

Das waren alles sehr positive Erfahrungen.Aber es ist einfacher, in seinerHeimat zu leben. Dort hat man Angehörigeund andere Menschen, dieeinen unterstützen, und man kenntsich aus. Gegen Ende der 90er Jahrewurde uns klar, dass sich auch in Irlandberufliche Möglichkeiten für unsauftun würden. Also kehrten wir wiederzurück und entdeckten zu Hauseeine ganz neue, optimistische Aufbruchstimmung,die dort zehn Jahrezuvor noch nicht geherrscht hatte.

Inzwischen weiß jeder, welche Faktorenzum Wirtschaftsboom in Irlandbeitragen: der niedrige Körperschaftsteuersatz,ein gutes Ausbildungssystem,qualifizierte englischsprachigeArbeitskräfte und eine hohe Investitionsbereitschaft.So wurde im Jahr2000 die Science Foundation Ireland(SFI) ins Leben gerufen. Sie kümmertsich darum, dass das Land langfristigkonkurrenzfähig bleibt. Die SFI hatinzwischen 640 Millionen Euro anöffentlichen Mitteln erhalten undarbeitet mit anderen Behörden wieEnterprise Ireland und IDA Irelandzusammen, um die Kooperation zwischenUniversitäten und Wirtschaftzu fördern und die wissensbasierteÖkonomie zu stärken, die das GesichtIrlands heute prägt.

Nach meiner Heimkehr gründeteich HiberGen, die erste irische Firma,die Medikamente auf der Basis desmenschlichen Genoms entwickelte.Sieben Jahre später trat ich in die SFIein, um die akademische Forschungin unserem Land noch stärker prägenund einen direkteren Beitrag zumAufschwung der Biotechnologieindustriein Irland leisten zu können.Im Juni 2005 hatte die Biotech-Abteilungder SFI bereits 170 MillionenEuro in 84 der bedeutendsten Wissenschaftlerteamsinvestiert. Diese Expertenspielen in der Forschung einewichtige Rolle und sind ein großerAnreiz für Firmen aller Größenordnungen,in Irland zu forschen.

John Dooley braucht sich um dieökonomische Stabilität seiner Heimatkeine Gedanken zu machen. Die irischeWirtschaft floriert. 25 Prozentaller Investitionen aus dem europäischenAusland fließen nach Irland; unddas Pro-Kopf-Bruttoinlandsproduktist höher als in Deutschland, Frankreichoder Großbritannien. Irland hatsich zur Umsetzung der Agenda vonLissabon verpflichtet. Sie legt fest,dass bis zum Jahr 2010 drei Prozentdes Bruttoinlandsprodukts für Forschungund Entwicklung ausgegebenwerden müssen. Dadurch werden weitereWachstumschancen entstehen.

Natürlich gibt es Dinge, die manverbessern könnte. Heutzutage ist esnicht mehr so preiswert wie früher, einUnternehmen zu gründen, weil dieArbeitskräfte nicht mehr billig sind.Um konkurrenzfähig zu bleiben,brauchen wir andere Anreize als qualifizierteArbeitskräfte und eine guteInfrastruktur. Umsätze aus geistigemEigentum, das in Irland generiertwurde, sind steuerfrei; diese Tatsachemüssten wir noch viel stärker publikmachen, denn das ist ein großer Anreiz,um hier zu forschen.

Die Regierung sollte Wissenschaftlern,die aus dem Ausland nach Irlandzurückkehren, zusätzliche Steuervergünstigungengewähren. Außerdemsollte sie permanent in die Verbesserungder Infrastruktur investieren.Und schließlich wäre es klug, wenngroße multinationale Unternehmenihre Aktivitäten von der Produktionauf die Bereiche Forschung und wissensbasierteArbeit ausdehnten.

John Dooley sollte in Irland bleiben.Hier sind seine Wurzeln, und hierscheint er im Grunde seines Herzensauch leben zu wollen. Wahrscheinlichwird er im Auftrag seiner neuen Firmaviel ins Ausland reisen müssen, ummit Experten zu kooperieren, und dadurchwird er stets über den neuestenForschungsstand im Biotechnologiesektorauf dem Laufenden sein. Risikenlassen sich nie völlig ausschalten.Aber Irland hat sich langfristig dafürengagiert, diesen Sektor auszubauen.Deshalb kann Dooley hier genausoerfolgreich sein wie in den USA.

maurice treacy
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