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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Wahrscheinlich wird JohnClough das Angebot annehmen.Er ist jung genug, umden Verlockungen einer Aufsichtsratsmitgliedschafteinschließlich desdamit verbundenen Nebenverdiensteszu erliegen. Doch es wird nichtleicht für ihn werden. Die meistenseiner Ratgeber scheinen nicht zu wissen,dass die Mitgliedschaft in einemAufsichtsrat heute nicht mehr nurAnnehmlichkeiten mit sich bringt,sondern auch Risiken bergen kann.

In der heutigen Geschäftswelt sindIhr Ruf und Ihre Aussichten nur sogut wie die Leistung des letzten Aufsichtsrats,dem Sie angehört haben.Anders ausgedrückt: Aufsichtsratsmitgliederwerden häufig für ihrekollektive Arbeit gelyncht, selbstwenn sie als Einzelne auf die richtigenEntscheidungen gedrängt haben.Clough machte den Vorschlag, Aktienbezugsrechteauszugeben, bevordies üblich wurde. Deshalb wäre ermeiner Meinung nach nicht zu ängstlich,eine Umstrukturierung der Unternehmensführungzu leiten. SchafftClough es aber nicht, eine Mehrheitfür die richtigen Schritte zu bekommen- was in Anbetracht der schwachenFührungskultur bei Benchmarkwahrscheinlich ist -, wird sich späterniemand daran erinnern, dass er eswar, der die Gefahr erkannte und dieanderen inständig bat, mutige Maßnahmenzu ergreifen. Als Aufsichtsratbei Benchmark riskiert er seinen gutenRuf und setzt sich hohen Haftungsrisikenaus - und das alles im Grundenur für Peanuts.

Benchmarks Aufsichtsrat weist dreischwerwiegende Mängel auf. Erstensscheinen die Mitglieder ihre oberstePflicht nicht zu verstehen: den Anteilseignernzu dienen und sie zuschützen. Vor allem benehmen sie sichnicht wie Eigentümer. Die Entlassungenin der Führungsriege sind größtenteilswohl nur erfolgt, weil demDruck von außen nicht mehr standgehaltenwerden konnte. Und trotzdemgibt es immer noch keinen Plan desAufsichtsrats, um herauszufinden,wie derartige Fehler bei der Bilanzierunggemacht werden konnten. Solchfragwürdige Praktiken tauchen nichteinfach aus heiterem Himmel auf.

Zweitens verschleiert das obersteManagement Probleme und weichtvernünftigen, direkten Fragen vonUntergebenen aus. Es sieht eine derartigeBefragung als Einmischung. Sowerden aus kleinen Fehlern Skandale.Als ich einmal in einem Unternehmeneinige bohrende Fragen stellte, wardas Einzige, was ich zur Antwort bekam:"Das ist für unsere Firma etwaszu viel Suche nach dem Schuldigen."Somit nahm das Unheil seinen Lauf.Ein Manager, der sich vor der Wahrheitfürchtet oder seine direktenUntergebenen den Befragungen desAufsichtsrats entzieht, ist immer einZeichen für Probleme innerhalb einesUnternehmens.

Drittens machen einige der Aufsichtsratsmitgliederkeinen sehr kompetentenEindruck. Dabei bekleidensie eine Schlüsselposition. Das Kontrollgremiumhat beispielsweise keineVorstellung davon, worum es im Kernbeim Problem mit den Umsatzbuchungengeht. Es suchte wedereigenständig nach Antworten nochbeauftragte das Gremium einen unabhängigenBerater, um die Werbestrategieund die Diskontierungspraktikenzu untersuchen und einen genauerenBlick auf die wichtigsten Kundenbeziehungenzu werfen. Aufsichtsrätesollten beurteilen können, wie Erträgegrundsätzlich verbucht werden. Ansonstensind sie nichts anderes alsFrühstücksdirektoren. Als einzigeskompetentes Mitglied des Aufsichtsratswürde Clough mit seinen Kollegeneine Schlacht austragen müssen, dieer nur sehr schwer gewinnen könnte.

Wenn Clough in Erwägung zieht,Benchmark zuzusagen, wäre es klugvon ihm, seine Entscheidung von einerexternen Buchprüfung abhängig zumachen. Außerdem sollte er auf eineEinschätzung der laufenden Geschäftsrisikendrängen, die er gemeinsammit den übrigen Aufsichtsrätendurchführt. Er sollte auch häufigereund ausgedehntere Treffen mit derFührungsriege fordern und mit demfrüheren Wirtschaftsprüfer und demfrüheren Vorstandschef zu einem Meinungsaustauschzusammenkommen.Clough muss der Motor für Veränderungensein, bevor er Mitglied desRates wird. Sitzt er erst einmal darin,wird er wahrscheinlich einen Großteilan Einflussmöglichkeiten verlierenund eine Stimme unter vielen sein.

Clough weiß nicht, wie rar Kandidatengesät sind, die den Posten einesDirectors annehmen - insbesonderediejenigen mit Finanzwissen. Er mussnur unauffällig seine Verfügbarkeitpublik machen, dann werden auch dieAufsichtsräte auf ihn zukommen, fürdie er gern tätig wäre.

Einen Aufenthalt im SkigebietAspen kann er sich auch so leisten.

peter goodson
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