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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 1/2007

Die Firma BioSol verliert womöglicheinen wertvollen Mitarbeiter.Obwohl das Unternehmenauf einem Hightech-Sektortätig ist, managt es den Auslandseinsatzseiner Mitarbeiter auf veraltete,patriarchalische Weise. BioSolmüsste seine Hinterstübchentaktikaufgeben, sich um eine offene Kommunikationmit wichtigen Mitarbeiternbemühen und begreifen, dass eineFirma ihre Arbeitskräfte bei so einereinschneidenden Veränderung unterstützenund auch deren Familie miteinbeziehenmuss.

Niall Doyle und die kalifornischenManager beschließen, John Dooleysei der richtige Mann für den Posten,bevor sie sich einen Überblick überseine persönliche Situation verschaffthaben. Sie gehen davon aus, dass Dooleysich eine solche Chance nicht entgehenlassen wird; aber sie haben nichtgeprüft, ob er seine Heimat Irlandverlassen will. Dieser Fehler mag einGenerationsproblem sein, doch klugeFührungskräfte hätten diesen Unterschiedberücksichtigt.

Außerdem ist den Mitarbeitern inder Zentrale offenbar nicht klar, wieschwer es ist, sich in eine neue Kultureinzufügen. Vielleicht gehen sie stillschweigenddavon aus, dass es nichtso schwierig sei, sich in Kalifornieneinzugewöhnen - schließlich sind siedort zu Hause. Sie müssen sich aberklarmachen, dass ein längerer Auslandsaufenthaltdas Leben eines Mitarbeitersgravierend verändert, unddementsprechend handeln.

Dabei gäbe es eine ganz einfacheMöglichkeit, Probleme von vornhereinzu umgehen: Sie könnten etwaeiner Gruppe von vielversprechendenKandidaten mitteilen, dass Schlüsselpositionenim Ausland zu vergebensind, und ihnen anbieten, sich darumzu bewerben. So könnte die FirmaMitarbeiter rekrutieren, die wirklichim Ausland arbeiten wollen, statt jemandemeinen Posten aufzuzwingen,den er vielleicht gar nicht möchte.

Oberflächlich betrachtet, scheintBioSol ein typisches Problem beimManagement von Auslandsaufenthaltenumgangen zu haben: dieSchwierigkeit, sich einer neuen Kulturanzupassen. Die Manager der Firmawissen, dass John Dooley einige Jahrezuvor schon einmal in den USA gelebtund sich dort gut eingefügt hat - zumindestin Boston, wo es eine großeirische Gemeinde gibt und irischeTraditionen hochgehalten werden.Also wird er in Kalifornien wohl auchkeine Probleme haben, nicht wahr?

Falsch. Weiß die Firma denn überhaupt,ob John Dooley genügend Erfahrungbesitzt, um das globale Strategieteamin Kalifornien zu leiten?Hat er alle Informationen, die erbraucht, um eine wohlüberlegte Entscheidungzu treffen?

Niall Doyle hat seinem Mitarbeiterzwar Bedenkzeit eingeräumt; dochviel dringender bräuchte Dooley Detailsüber seine künftige Aufgabe undauch über seine Zukunftsperspektiven.Wird er in ein paar Jahren dieMöglichkeit bekommen, nach Irlandzurückzukehren und dann einehöhere Position in der Firma zu bekleiden?Was ist, wenn er die Beförderungablehnt? Wird BioSol ihm andereattraktive Chancen anbieten?

Wer keine wertvollen Talente verlierenmöchte, sollte sich mit wichtigenMitarbeitern regelmäßig über derenAufgaben, Karriere und Perspektivenunterhalten. Wenn Doyle das im Fallvon John Dooley getan hätte, wäreihm schon vor längerer zeit klar geworden,dass eine Headhunterin versucht,seinen Kandidaten für eine andereFirma abzuwerben.

Bei einer so grundlegenden Entscheidungist die Familie des Mitarbeitersunbedingt miteinzubeziehen.Denn für den Erfolg der Auslandstätigkeitist es ganz entscheidend, dassauch die Ehepartnerin sich in derneuen Umgebung gut einlebt. Heutzutageopfern nur noch wenigeFrauen ihre berufliche Laufbahn demEhrgeiz ihres Mannes. Deshalb sollteBioSol auch die Tatsache berücksichtigen,dass Fiona Dooley eine eigeneKarriere verfolgt. Man muss den beidenein attraktives Paket anbieten.

Wahrscheinlich hat sich das Topmanagementdes Unternehmens bereitsseit längerer zeit den Kopf darüberzerbrochen, wer als Leiter der Abteilungfür strategische Forschung in Kalifornieninfrage kommt, und erwartetdaher, dass Dooley seinen neuen Postenschon sehr bald antreten wird.

Bei beruflichen Auslandsaufenthaltenbleibt oft zu wenig Vorlaufzeit,um einen für beide Seiten reibungslosenÜbergang zu gewährleisten. Dasbedeutet eine zusätzliche Belastungfür den Mitarbeiter. Er kann in seinerneuen Position nicht so schnell zuHöchstform auflaufen.

BioSol sollte ein Coaching fürwechselwillige Mitarbeiter anbieten.Dooleys Freunde können ihm zwarRatschläge geben; doch diese sind vonihren eigenen Vorstellungen gefärbt.Dooley wird sich richtig entscheiden,wenn er sich mit einem objektivenBerater aus seiner Firma unterhält.

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