Zur Ausgabe
Artikel 10 / 12
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 4/2008

In meiner Karriere als Unternehmerinund Unternehmensberaterinstand ich bereits vor einemsolchen Dilemma, und mein Rat anPetrolink ist: Nehmt das Geld vonBRX - aber nur die erste Tranche.

Robert Jameson hat zwar recht - esist sehr riskant, Geld von möglicherweisenicht vertrauenswürdigen Investorenanzunehmen.

Doch die Geschäftsführung vonPetrolink kann dieses Risiko entschärfen,indem sie die Planziele einhält,rasch einen starken zweitenInvestor ins Boot holt sowie dieKontrollmehrheit an ihrer Firma inder Hand behält. Dazu sollte sie ihrUnternehmen in einem Land mit einemfunktionierenden Rechtswesenansiedeln und die Geschäfte vor Ortkontrollieren.

Gleichzeitig muss das Team unbedingterneut bei LDP vorstellig werdenund ausloten, zu welchen Konditionendie Gesellschaft bereit wäre, alsInvestor für die zweite Stufe einzusteigen,und welche Strukturen für sieinakzeptabel wären.

Viele der Kontrollmaßnahmen, aufdenen LDP offenbar bestand, könntenirrelevant werden, wenn einezweite Finanzierungsrunde notwendigwird. Etwa sobald das Team seinenPlan erfüllt hat oder wenn das Geschäftabseits der gewohnten Bahnenneu überdacht werden muss - die entscheidendeStärke von LDP

Wenn das Team wirklich der Ansichtist, BRX nicht vertrauen oderkontrollieren zu können, würde ichzu LDP zurückkehren, die Gesellschaftbitten, die Finanzierung in derersten Runde zu übernehmen, undBRX dann als Teil eines Konsortiumseinbinden. Falls sich LDP an weiterenFinanzierungsrunden nicht beteiligenwill, kann das Team auch verlangen,bestimmte Klauseln aus den Vertragsbedingungenzu streichen, die fürandere Investoren inakzeptabel seinkönnten.

Petrolink sollte seinen Finanzberaterbeauftragen, Informationen überFinanzbedingungen für eine zweiteRunde einzuholen. Wenn LDP eine soerfahrene Finanzierungsgesellschaftist, wie der Fall es suggeriert, wird siedieses Argument begrüßen.

Die Schuld für diese Situation habendie Mitglieder des Teams allein beisich selbst zu suchen. Sie haben beiBeckman gekündigt, ohne zuvor dieMittel für ihren eigenen Unterhaltnach dem Ausstieg sicherzustellen.Jetzt ist ihre Idee auf dem Markt,und ein Team mit vergleichbarenKenntnissen und finanziellen Mittelnkönnte ihnen sehr leicht die Gelegenheitwegschnappen.

Sie hätten die Verhandlungen mitLDP parallel zu denen mit BRX weiterführensollen - offenbar hat keinerder beiden Kapitalgeber von Petrolinkexklusive Vertragsverhandlungenverlangt.

Hätte das Team LDP bis zu demPunkt gebracht, an dem sowohl LDPals auch BRX einen Scheck auf denTisch gelegt hätten, so hätte sichPetrolink eine viel stärkere Verhandlungspositiongeschaffen. Wenn dasTeam jetzt wiederkommt, wird LDPvermuten, mit Petrolinks neuem Geldgebersei etwas schiefgegangen, undseine Konditionen womöglich nochverschärfen.

Bevor die drei Partner irgendeineEntscheidung treffen, sollten sie abererst einmal mit sich selbst hart insGericht gehen. Sind sie bereit, die Angebotevon BRX wie auch von LDPauszuschlagen und auf dem Risikokapitalmarktnach einem neuen Investorzu suchen? Wie lange sind siegewillt, die Suche nach Kapitalgebernfortzusetzen?

Außerdem müssen sie die Wettbewerbssituationbesser in den Blick bekommen.Bei einer so großen Chancefür eine Infrastrukturinvestition magman kaum glauben, dass das Teamnicht darüber Bescheid weiß, ob nichtbereits sonst jemand den Bau einerPipeline plant. Was erwarten sie vonihrem Investitionspartner-Branchenerfahrung(BRX) oder analytischeExpertise (LDP)?

Die meisten Risikokapitalgeber gehörenentweder zum einen oder zumanderen Lager, und viele Unternehmerakzeptieren keine Finanzierungmit ihrer Ansicht nach "dummen"Geldern. Doch wo sitzt das "dummeGeld" in diesem Fall?

Schließlich sollten die Gründer vonPetrolink ihre Finanzierungsstrukturnochmals überdenken und prüfen, obsie nicht mehr Spielraum einplanenkönnen.

Stehen sie die Finanzierungsrundenüberhaupt durch?

Können sie sich bei der Suche nachGeldgebern wie auch bei der Entwicklungdes Geschäfts noch etwaszeit lassen?

Es gilt abzuwägen: zwischen demKomfort, den ein Investor für zweiStufen bietet, und dem Nachteil derKontrolle, die dieser offenbar anstrebt.

Hierüber sollten die Gründer nocheinmal nachdenken.

sonia lo
Zur Ausgabe
Artikel 10 / 12
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.