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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Obwohl Wilson Single ist, bestehtkein Zweifel, dass ihmFamilie sehr wichtig ist. Er istein treuer Sohn und Cousin, liebt Kinderund denkt über die Gründungeiner eigenen Familie nach. Der besteWeg, den Wünschen seiner Mutter gerechtzu werden, bestünde darin, seinekünftigen Kinder - ihre Enkel - miteinem guten Wertesystem aufwachsenzu lassen.

Darum sollte er sich vor allem folgendeFragen stellen: Wo sehe ichmich in zehn Jahren, wenn ich selbsteine Familie habe? Wie werde ichmeinen Kindern den Zusammenhangzwischen Werten und Arbeit vermitteln?Aus dieser Perspektive betrachtet,scheint jede seiner Karrieremöglichkeitensehr gut geeignet zu sein solange er seine Werte in seine Arbeiteinfließen lässt.

Wilson sollte auch jede seiner beruflichenOptionen anhand von fünfDimensionen beurteilen - Geld,Ruhm, Macht, persönliche Werte undLebensqualität.

Die soziale Organisation von ShioriMasaki könnte hohe Bewertungen inden Bereichen persönliche Werte undLebensqualität erzielen. Die Arbeitals leitender Manager bei Grepterwürde eine sehr hohe Bewertung imBereich Macht bekommen und Wilsonzweifellos ein schönes Gehalt,Bonuszahlungen und Aktien bescheren.Und wenn er sein Unternehmenüberreden könnte, den Armen kostenlosMedikamente zur Verfügungzu stellen, könnte er auch seine persönlichenWerte sehr gut umsetzen.Sofern er an seine künftige Familieund Lebensqualität denkt, mag ihnzudem die Chance verlocken, seineKinder in Zürich aufzuziehen - einersicheren, sauberen, kosmopolitischenStadt, in der sie mehrere Sprachenlernen könnten.

Jemand, der großen Wert darauflegt, Gutes zu tun, könnte annehmen,dass Karls Angebot, bei LSMInvestments zu arbeiten, die denkbarschlechteste Wahl wäre, weil hierGeldverdienen der einzige wahreAntrieb zu sein scheint. Wäre Wilsonein Hedgefondsmanager, der mit einemPrivatjet in der Welt herumfliegtund seine Kinder nur zwei Wochen imJahr sieht, könnte das zu einem negativenUrteil führen. Aber Wilsonkönnte auch beschließen, seine Positionbei LSM zur Förderung seinerpersönlichen Werte und seiner Lebensqualitätzu nutzen. Wenn er bescheidenlebte und versuchen würde,die erforderlichen Mittel zu bekommen,um in gesellschaftlich wertvolleProjekte zu investieren, ein Beispielfür philanthropisches Engagementabgeben und dafür sorgen würde, dasser viel Zeit mit seinen Kindern verbringt,käme man jedoch zu einemanderen Urteil.

Nachdem er sich seine Zukunft ausgemaltund die verschiedenen Positionenentsprechend den fünf Dimensionenüberdacht hat, kann Wilsondamit beginnen, die Vorteile gegen diemöglichen persönlichen und beruflichenRisiken abzuwägen. So könnteer beispielsweise unter der Entfernungzu seiner geliebten Cousineleiden, wenn er in Kalifornien oderZürich wohnt: ein Negativpunkt fürdie Lebensqualität.

Wilson sollte sich bei seinen Überlegungennicht auf Gerede und Ahnungen,sondern vielmehr auf eine kühle,objektive Untersuchung der Faktenstützen. Gibt es beispielsweise konkreteAnhaltspunkte für die Annahme,dass der CEO von Greptersein Versprechen tatsächlich hält?Oder wäre Wilson bei einer Arbeit inZürich zu weit vom Unternehmenszentrumentfernt, sodass man ihn beider Vergabe einer besseren Positionübergehen würde? Um das herauszufinden,sollte er sich die Karrierewegeanderer Manager bei Grepter anschauen.Und hat das Unternehmenbislang irgendein Interesse gezeigt,sein soziales Engagement zu fördernoder auszuweiten?

Was den Hedgefonds betrifft, sosollte Wilson sich die Zusammensetzungder Geschäftsleitung genauansehen. Teilt er die Visionen ihrerMitglieder? Wie sieht der langfristigePlan für das Unternehmen aus? DasGleiche gilt für Shiori Masakis Unternehmen.

Sobald Wilson seine Möglichkeitenerst einmal auf diese Weise bewertethat, kann er eine klarere Wahl treffen.Aber unabhängig davon, wie er sichentscheidet, sollte er daran denken,dass viele Wege nach Rom führen. DieUmsetzung von Werten ist wirklicheine Einstellungsfrage.

laura scher
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