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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Ich kann mich gut in die Situationvon Alan Wilson hineinversetzen.Nachdem ich im Jahr 2004 meinenMBA an der Harvard BusinessSchool gemacht hatte, schienen meineMöglichkeiten unbegrenzt zu sein.Ich wollte wie Wilson etwas wirklichWichtiges tun, wusste allerdingsnicht, was.

Ich hatte eine erfolgreiche Karrierein der Softwarebranche hinter mir undzwei Unternehmen gegründet, vondenen ich eines an die Börse gebrachthatte, bevor ich zur Harvard BusinessSchool ging. Aber ich wollte meinenHorizont erweitern, und nun standenmir viele andere Wege offen.

Sollte ich mich für den Venture-Capitaloder Private-Equity-Bereichentscheiden, wo ich den Aufbau vonUnternehmen aus anderer Warte kennenlernenwürde? Sollte ich zu einem"Fortune"-100-Unternehmen für einerstklassiges Managementtraining gehen?Oder sollte ich den Businessplannutzen, den ich während meinerAusbildung geschrieben hatte? (LetztenEndes entschied ich mich für denBusinessplan.)

Um eine Entscheidung treffen zukönnen, musste ich meine eigene Persönlichkeiterkunden. Mir wurde klar,dass ich gern Risiken eingehe undselbst den Kurs bestimme.

Wilson ist konservativer und gehtanalytisch vor. Es gefällt ihm, Dingeauf hohem Niveau zu bewerten undStrategien zu entwickeln. Obwohl erüber eine hohe soziale Kompetenzverfügt, ist unklar, ob er gern als Anführeragiert, der hinausgeht und dieVerantwortung übernimmt.

Man betrachte nur seine bisherigenKarriereentscheidungen. Seine Mutterwar ein großes Vorbild, aber Wilsonist nicht unbedingt aus demselbenHolz geschnitzt. (Sonst hätte er vermutlichbeschlossen, gemeinnützigtätig zu werden, statt in die Wirtschaftzu gehen.) Sie war eine erfolgreicheUnternehmerin, aber Wilson scheintauch diesen Weg nicht einschlagen zuwollen. Nach der Business School indie Beratung zu gehen war eine sichereSache für ihn. Er brauchte nichtszu leiten oder gar ein Karriererisikoeinzugehen. Als er zu dem PharmaunternehmenGrepter wechselte, entschieder sich für eine Funktion in derFirmenleitung und nicht für eine imVertrieb oder im Marketing.

In Anbetracht seiner angeborenenVorsicht und seines Wunsches, etwaszu bewegen, wäre der Hedgefondskeine kluge Wahl. Obwohl er dortseine analytischen Fähigkeiten guteinsetzen könnte, scheint der einzigewirkliche Anreiz das Geld zu sein.Wenn der Fonds scheitert, könnte erjedoch am Ende sowohl ohne Reichtumals auch ohne einen überzeugendenKarriereverlauf dastehen.

Auch eine Zusammenarbeit mitShiori Masaki hat keinen Sinn. AlanWilson könnte tatsächlich langfristigetwas bewirken, aber das sozialeUnternehmen ist bereits ihr Traumund ihre Vision. Wie könnte Wilsonseine Fähigkeiten dort eigenständigentwickeln und beweisen? Außerdemist es nie sinnvoll, sein Privat- undsein Berufsleben zu vermengen. WennWilsons Gefühle für Shiori Masakitatsächlich wiedererwachen und sichdie Dinge nicht wie gewünschtentwickeln, könnte das verheerendeFolgen haben.

Wenn Wilson wirklich etwas vondauerhafter Wirkung aufbauen will,kann er seine Karriere nicht längerabstrakt analysieren. Er muss seineoperativen Fähigkeiten und seine Managementqualitätenfördern. Falls erbei Grepter bleibt und die Herausforderungannimmt, die Züricher Firmain den Konzern zu integrieren, gibtihm das die perfekte Gelegenheit,Dinge anzupacken und operative Erfahrungunter den Fittichen des CEOszu machen.

Sollte Wilson schließlich ein gemeinnützigesUnternehmen oder einekleinere Firma leiten wollen, ist es ambesten für ihn, zunächst seine Fähigkeitenzu entwickeln und in einemführenden Unternehmen Netzwerkeaufzubauen, bevor er den Sprungwagt. Das wird ihn beruflich eherweiterbringen als die Seitenwege undihm Fähigkeiten vermitteln, die seinenWert erhöhen.

Während dieser Zeit kann er herausfinden,was ihm wirklich etwasbedeutet, und sich weitaus klarer darüberwerden, was er sein und was ertun will. Dies wird ihn in die Lageversetzen, seine nächste beruflicheEntscheidung aus eigener Kraft zutreffen, statt verlockenden Versuchungenzu erliegen.

christina jones
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