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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 4/2008

Dieses Projekt ist viel riskanter,als die Petrolink-Gründer offenbarahnen. In Osteuropa istdie Gaspipeline-Industrie eine politischsensible Angelegenheit. Gazprom, derbeherrschende Player, ist reich undverfügt über extrem gute Verbindungen.Auch wenn Polen im Wandelbegriffen ist, hat sich dort bis heuteviel von der Mentalität und den Methodenaus 50 Jahren sowjetischerHerrschaft erhalten; ich würde michnicht auf die polnischen Behördenoder Gerichte verlassen, um mich vorGazprom zu schützen.

Genau aus diesem Grund hat meineFirma Investitionen in Rohstoffgeschäftestets gemieden. Eine Erdgaspipelinezieht viel mehr Aufmerksamkeitvon Regierungen auf sich als eineSchokoladenfabrik. Last but not leasthaben die Petrolink-Partner noch niezuvor als Geschäftsführung eines Unternehmenszusammengearbeitet.

Bei einer Neugründung in Osteuropagibt es viele Unwägbarkeiten. Institutionensind immer noch nicht gefestigt,Geschäftsumfelder instabil undGerichte unerfahren im Umgang mitkomplexen Handelsverträgen. Dasmacht Vertrauen zu einem entscheidendenFaktor. Weil jede Seite eingewisses Maß an Kontrolle besitzt,stehen Risikokapitalgeber und Unternehmerzwangsläufig in einem wechselseitigenAbhängigkeitsverhältnis.Die Risikokapitalgeber mögen dieHoheit über die Geldtöpfe haben,doch sie brauchen Unternehmer, umdie Firma zu führen, ihr Wissen undihre lokalen Beziehungen.

Wenn beide Seiten einander nicht vertrauen,dass sie ihre jeweilige Machtnicht missbrauchen, wird die Geschäftsbeziehungfür keine Seite Nutzenbringen.

BRX hat seine Vertrauensunwürdigkeitbewiesen. Lech Wojtaliks undWalter Cronbachs unverfrorener Versuch,Fenstermann und Jamesondurch Änderungen an der Verwässerungsschutzklauselzu täuschen, isttypisch für die Apparatschiks, derenalte Seilschaften in der osteuropäischenRohstoffindustrie noch immerwirken. Es lässt zudem darauf schließen,dass BRX die Kontrolle überPetrolink anstrebt. Jameson ist zuRecht in Sorge, was BRX wohl vorhat.Mit dem bereits vereinbarten Anteilvon 45 Prozent fehlt der Gesellschaftnicht mehr viel.

LDP gäbe einen viel besseren Partnerab. Das Unternehmen ist groß undetabliert und kann auf viele erfolgreicheGründungen zurückblicken.Fenstermann und Jameson waren beidesehr beeindruckt von der Wirtschaftlichkeitsprüfungdurch LDP; die Fragentrafen also offenbar den Punkt.

LDPs fehlende Erfahrung im Ölund Gassektor ist in Wahrheit ein Vorteil,denn LDP wäre stärker auf dieExpertise der Geschäftsführung angewiesenals BRX. LDP hat auch eineviel vernünftigere Einstellung zumThema Kontrolle. Die Gesellschaftmöchte lediglich die hohen Risikendieser Investition abfedern.

Das Dilemma für die Petrolink-Gründerliegt nicht so sehr darin, obsie das Geld von BRX annehmen sollenoder nicht - ganz gewiss sollten siedas nicht! Sie müssen sich vielmehrentscheiden, ob sie zu LDP zurückkehrenoder gleich ganz aus dem Geschäftaussteigen. Wenn sie zu LDPzurückkehren, sollten sie versuchen,die Logik hinter dem von LDP vorgeschlagenenHandel zu verstehen.

Vielleicht steht hinter den straffenKonditionen von LDP viel Erfahrungmit Investitionen in weniger kapitalintensiveVorhaben - oder das Gefühl,nicht genug über die Gasindustriezu wissen. Falls dem so ist, könntenFenstermann und Jameson LDP möglicherweiseüberzeugen, mehr Geld inden Topf zu legen. Doch dazu müssensie intensiver um das Vertrauen vonLDP werben. Größeres Vertrauen wirdauch dazu führen, dass LDP die Frageder Kontrolle, die dem Petrolink-Teamoffenbar Sorgen bereitet, gelassenerangeht und dem Team womöglichmehr Spielraum gewährt.

Kommen die Mitglieder des Teamsaber mit LDP zu keinem Kompromiss,sollten sie an ihre alten Arbeitsplätzezurückkehren. Keiner von ihnenhätte mit dem Geschäft mehr alssechs Monate Zeit verloren. Für Fenstermannund Ritson dürfte eine Rückkehrzu Beckman nicht so schwierigwerden, wie sie glauben. Beckmanwar gewillt, sie bei ihrem Vorhaben zuunterstützen - also schätzt das Unternehmensie zweifellos. Die aus denInvestorenverhandlungen gewonneneErfahrung wird jedem von ihnen beizukünftigen Projekten nützen.

Jameson sollte sich ferner fragen,ob er mit Fenstermann und Ritsonwirklich ein gutes Managementteambildet. Seine Reaktion auf das Verhaltenvon BRX ist durchaus angemessen;die anderen wirken dagegenein wenig hysterisch und lassen einendeutlichen Mangel an Geschäftsinstinkterkennen.

charalambos vlachoutsicos
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