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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Eine starke Frau hat einmal zumir gesagt, dass eine kluge, ehrgeizigeFrau im gebärfähigenAlter grundsätzlich drei Alternativenhabe.

Erstens könnte sie auf die Mutterschaftverzichten, ihrem Traum folgenund eine hohe Position erreichen.Wenn sie das macht, wird sie sichimmer fragen, wie ihr Leben mitKindern verlaufen wäre. Die zweiteAlternative besteht darin, die beruflicheKarriere aufzugeben und Mutterzu werden. Dann wird allerdingsdauernd die Frage im Raum stehen,was sie hätte erreichen können.Drittens kann sie beides halbherzigverfolgen.

Ich glaube allerdings, dass es einevierte Möglichkeit gibt, die CherylJamis bisher nur flüchtig erwogen hat.Wenn Copro ihr nicht geben kann,was sie will, kannsieeineeigeneFirmaauf die Beine stellen.

Als ich 1982 mein Unternehmengründete, war ich mit meinem erstenKind schwanger. Und ich ging auchschwanger mit der Idee, ein erfolgreichesUmstandsmodegeschäft aufzubauen.

Natürlich hatte ich entmutigendeStatistiken über die Fehlschläge vonStart-ups gehört, aber ich wussteauch, dass mich meine Arbeit nurdann völlig befriedigen und ich dieersehnte Flexibilität erreichen würde,wenn ich etwas Eigenes machte.

Jamis hat widersprüchliche Wünsche.Sie möchte Topmanagerin sein,aber noch mehr möchte sie Zeit mitihrer Tochter verbringen. Die Lösungheißt Selbstständigkeit. Da sie zielorientiertund diszipliniert ist, erfülltsie zwei der wichtigsten Kriterien fürden unternehmerischen Erfolg. Wennsie und ihr Mann gewillt sind, Einkommenseinbußenzu akzeptieren,kann sie ihre Selbstdisziplin einsetzen,um ein eigenes Unternehmen zugründen.

Sie könnte ihren Übergang in dieSelbstständigkeit dosiert verfolgen,indem sie, solange Emma klein ist,immer nur für jeweils ein Projektarbeitet, möglicherweise für Copro.

Das Unternehmen wird zweifellosfroh sein, sie als freie Mitarbeiterinzu behalten. Später, wenn Emma studiert,kann sie ihren Einsatz erhöhen,ihren Klienten mehr Zeit und Energiewidmen und ihre Firma wirklich voranbringen.

Jamis muss auch erkennen, dass eineflexible Arbeitszeit nicht zwangsläufigweniger Arbeitsstunden bedeutet.Wenn sie erfolgreich sein will, solltesie bereit sein, bis spät in die Nachthinein zu arbeiten - und das möglicherweisehärter als je zuvor.

Ein neues Unternehmen aufzubauenkostet sehr viel Zeit, und jegrößer es wird, desto mehr Anforderungenstellt es an den Gründer. Jamiswird weiterhin Schulaufführungenverpassen und noch weniger Zeit fürsich selbst haben.

Unabhängig davon, ob sie sich dafürentscheidet, etwas Eigenes aufzubauen,würde ich Jamis raten, dafürzu sorgen, dass sie in ihrem Lebenmehr Unterstützung erhält.

Sie sollte sicherstellen, dass zusätzlichzu dem Au-pair-Mädchen irgendjemand(sei es nun jemand aus derVerwandtschaft oder ein weiterer Babysitter,der auf Abruf bereitsteht)umgehend einspringen kann, wenn esnötig ist.

Wenn Jamis die Selbstständigkeitwählt, ist es besonders wichtig, dasssie von ihrem Ehemann nach Kräftenunterstützt wird.

Es klingt so, als ob er bisher dieganze Hausarbeit seiner Frau überlassenhat, während er seine eigeneKarriere verfolgt. Er wird bereit seinmüssen, häufiger Fertigmahlzeiten zuakzeptieren. Er wird Verständnis zeigenmüssen, wenn Jamis einige ihrerNächte und Wochenenden ihrer Arbeitstatt ihm widmet.

Aber am wichtigsten ist, dass er siestets ermutigt, wenn sie mit ihrem UnternehmenHöhen und Tiefen erlebt.Falls er gewillt ist, diese Dinge zu tun,wäre das eine gute Voraussetzung.

Wenn nicht, sollte Jamis den Gedankenfallen lassen, eine eigene Firma zugründen.

Sie sollte sich schließlich auch darüberim Klaren sein, dass es keinZurück gibt, wenn sie Copro wegeneines eigenen Unternehmens verlässt.

Es ist sehr unwahrscheinlich, dasssie danach erneut in der Lage seinwird, in einem Unternehmen Fuß zufassen. Und sobald sie ihr Geld, ihreEnergie und ihren Stolz investiert hat,um ihre eigene Firma aufzubauen underfolgreich zu führen, muss sie allesauf eine Karte setzen.

Sie wird allein die Verantwortungfür ihre Gewinne und Verluste tragen,und ihr Leben wird der Fahrt in einerAchterbahn gleichen. Aber wenn ihrUnternehmen erfolgreich ist, wird siesich stolzer und zufriedener fühlen,als sie es sich innerhalb der Mauernvon Copro je hätte vorstellen können.

rebecca matthias
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