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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2007

Kulturelle Unterschiede könnendiese Fusion in der Tat gefährden.Ein Beleg dafür ist dergescheiterte Deal zwischen Volvo undRenault im Jahr 1993. Einer derGründe waren die Zweifel, ob Franzosenund Schweden miteinander zurechtkommenwürden. Die Übernahmevon Columbia Pictures durchSony im Jahr 1989 führte 1994 zu einerAbschreibung von 3,2 Milliarden US-Dollar.Den Japanern gelang es nicht,sich auf die kulturellen GegebenheitenHollywoods einzustellen und mitdiesen umzugehen. 1998 versetztenDaimler und Chrysler sich gegenseitigeinen Kulturschock, der teilweisenoch anhält.

Der ehemalige US-Präsident ThomasJefferson sagte einmal, der Geistdes Handels kenne keine Grenzen.Dennoch sind Manager von ihren kulturellenWurzeln geprägt. Es ist schonfür zwei Unternehmen aus einer Nationschwierig genug, unterschiedlicheKulturen zusammenzuführen.

Bei grenzüberschreitenden Aktivitätensteigt die Wahrscheinlichkeit,dass es selbst unter gleichberechtigtenFirmen zu Missverständnissen undUnstimmigkeiten kommt. VerschiedeneSprachen, unterschiedliche Sitten,Werte und Ausbildungen schreien geradezudanach, dass es sich bei denim Text beschriebenen Firmen nichtum sogenannte Gleiche handelt. EineRealität, die sich in der Dominanz vonRoyal Biscuit im Management und imAufsichtsrat widerspiegelt.

Darüber hinaus sind die meistenFusionen unter Gleichen ganz und garnicht gleichberechtigt. Meistens stelltder Käufer die Übernahme als ZusammenschlussGleichberechtigter dar,um schmerzvolle organisatorische undwirtschaftliche Realitäten vor Mitarbeiternund Aktionären der gekauftenFirma zu verschleiern. LetztenEndes verschlimmert eine so genannteFusion unter Gleichen die internenMachtkämpfe noch, weil die Entscheidung,wer das Sagen hat, nur verschobenwird.

Trotz der Probleme, die grenzübergreifendeFusionen mit sich bringen,gibt es für Royal Edeling noch einenHoffnungsschimmer: John Callaghanmuss eine für beide Parteien akzeptableVision für das neue Unternehmenklar definieren und seinen Managernausreichend Kompetenzen einräumen,sie umzusetzen. ErfolgreicheFusionen zeichnen sich durch die Entwicklungvon Geschäftspraktiken aus,die keines der Unternehmen alleinhätte umsetzen können. Callaghansollte den Fokus der Führungsteamsund der Vorstände beider Häuser aufdas Entwickeln einer neuen Visionmit klaren Erwartungen, eines solidenArbeitsstils und einer gemeinsamenKultur richten. Diese sollte sich aufdie angelsächsischen und deutschenTraditionen stützen, sie respektierenund dennoch über nationale Eigenheitenhinausgehen.

Callaghan benötigt die Hilfe derPersonalleiter Michael Brighton undDieter Wallach, aber er kann sie durchseine Autorität nicht zwingen mitzumachen.Wutanfälle, Einschüchterungund Drohungen dienen nicht dazu,eine gemeinsame Unternehmenskulturzu entwickeln. CallaghansZorn vergrößert nur die Kluft zwischenden beiden Managern undführt dazu, dass ihre Zurückhaltungwächst. Brighton und Wallach sindverständlicherweise verunsichert undhaben nicht den Eindruck, über ausreichendeKompetenzen zu verfügen,um eigenständig zu agieren. Callaghankönnte sie besser unterstützen, wenner zeigen würde, dass er ihre Ängsteversteht, und sie ermutigte, sich derHerausforderung zu stellen. Er sollteden Spieß umdrehen und ihnen sagen,dass er möchte, dass sie aktiv denneuen Weg beschreiten. Er muss dieIdee hinter Royal Edeling überzeugenddarstellen und jeden Einzelnendafür gewinnen.

Brighton und Wallach sollten realisieren,dass sie den Weg des geringstenWiderstands eingeschlagen haben. Siehaben nur gute Ideen zusammengetragen,ohne sich zu fragen, wie eingroßes Ganzes aus den Einzelteilenentsteht. Sie müssen mit einem kreativenPlan neu anfangen, der Callaghanüberrascht und erfreut. Das wirdFührung von der mittleren Ebene auserfordern. Obwohl sie vielleicht keinenRückhalt bei ihren Vorgesetzen,Kollegen oder Mitarbeitern haben,müssen sie über die unmittelbare Aufgabehinausdenken, um ihr Umfeld zukoordinieren, zu inspirieren und eineRichtung vorzugeben.

Der erste Schritt hin zu dieser Führungist ein gutes persönliches Verhältnis.Brighton sollte dem Rat undBeispiel seines Freundes AnthonyMiles folgen. Er sollte Wallach zu einemGlas Bier einladen und versuchen,eine persönliche Beziehung aufzubauen.Ein Abend, an dem nichtüber die Firma geredet wird und der esBrighton ermöglicht, den MenschenWallach besser kennenzulernen, istein großer Schritt in Richtung derÜberwindung von Stereotypen.

robert f. bruner
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