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FALLSTUDIE Meinung

aus Harvard Business manager Edition 5/2008

Stephanie Fortas sollte zuallererstihren Coach feuern. Er stellt sievor falsche Alternativen und fälltohne jegliche Grundlage Urteile überdie Mitarbeiter und die Unternehmenspolitikvon Innostat. Wenn diessein typischer Arbeitsstil ist, wirdTeddy Adler eines Tages noch spektakulärfalsche Ratschläge geben.

Fortas muss mit der Vergangenheitbrechen und Innostat neuen Schwungverleihen. Damit will ich nicht sagen,dass sie den Empfehlungen des Henderson-Reportsfolgen sollte. Im Gegenteil- eine große Restrukturierungwürde zu sehr ablenken und zu vieleFallstricke bereithalten. Daher wärees das Letzte, wozu ich ihr ratenwürde.

Nach meiner eigenen Erfahrungwerden tief greifende Umstrukturierungenin Unternehmen überbewertet.Wenn eine Firma unter schwerenorganisatorischen Defiziten leidet,bleibt einem manchmal keine andereWahl. Doch Reorganisationen verleitendie Leute dazu, sich auf Unternehmensinternaund Posten zu konzentrieren,statt nach außen auf die Herausforderungenzu blicken, die derWettbewerb und die Kunden stellen.

Doch von der Richtung her stimmtder Henderson-Report. Fortas mussin der Ära nach Donally dafür sorgen,dass ihre Mitarbeiter neue Aufgabenübernehmen. Sie könnte das ziemlichleicht schaffen, indem sie einigezielgerichtete, bereichsübergreifendeTeams auf Produktivitätsverbesserungenund das Ausloten von Chancenfür Neuprodukte ansetzt. Im Momentist sie noch nicht in einer guten Ausgangsposition,um größere Veränderungendurchzuführen, da sie wederihre Mitarbeiter noch die Organisationallzu gut kennt. BereichsübergreifendeTeams würden ihr dieMöglichkeit geben, ihre Fähigkeitenzu nutzen, Glaubwürdigkeit aufzubauen,Erfahrungen zu sammeln undzu verstehen, wie das Unternehmenfunktioniert.

Das ist ein völlig anderes Führungsmodellals das von Jack Donally, derder Ansicht war, nur er könnte entscheiden,welche Projekte gefördertwerden sollten. Fortas sollte sehr genaudarauf achten, in den bereichsübergreifendenTeams nicht zur dominantenKraft zu werden. Als Erstessollte sie andere Leute (und zwarnicht unbedingt Marketingexperten)zu Teamleitern ernennen.

Adler empfiehlt ihr einige Veränderungenam Führungsteam. Davonwürde ich abraten, sofern nicht offensichtlichist, dass einer oder mehrereder Manager des Führungsteams entschlossensind, Probleme zu machen,oder ihrem Job nicht gewachsen sind doch im Moment scheint beides nichtder Fall zu sein.

Allerdings muss Fortas unbedingtsicherstellen, dass die Führungskräftesich erstens über die Herausforderungim Klaren sind und zweitens anden Bemühungen zur Leistungsverbesserungumfassend beteiligt sind.Sie sollte dafür sorgen, dass die neuenInnovationsteams dem Führungsteamberichten, damit alle den Fortschrittdes Unternehmens mitverfolgen undein kollektives Verständnis der Problemedes Unternehmens entwickelnkönnen. So bekämen die Mitgliederdes Führungsteams ein Gefühl dafür,wie effizient sie sind und wie sich ihrFührungsstil auf die Mitarbeiter desUnternehmens auswirkt.

Timoshotsky und andere scheinenzu glauben, einige der Probleme vonInnostat ließen sich durch neue Anreizelösen. Anreize sind zwar wichtig,aber meiner Meinung nach solltensie den Veränderungen eher folgen,statt sie einzuleiten. Natürlich - wennein Vergütungssystem die falschenVerhaltensweisen fördert oder effizienteZusammenarbeit verhindert,sind sofortige Änderungen geboten.Doch wenn es keine offensichtlichenProbleme verursacht, würde ich ersteinmal die Finger davon lassen. MeinZiel als Firmenchef wäre es, die Leutedazu zu bringen, sich auf die Bewältigungder Herausforderungen zukonzentrieren, statt viel Zeit undMühe auf eine Neugestaltung des Anreizsystemszu verwenden.

Fortas sollte das kommende Jahr alsÜbergangszeit betrachten. Korrekturenan der Organisationsstrukturund dem Vergütungssystem sindZukunftsaufgaben. Oberste Prioritätsollte haben, die Mitarbeiter dafür zumobilisieren, das Unternehmen wiederauf Kurs zu bringen.

Es ist überraschend, wie schnellrelativ geringfügige Veränderungendie Unternehmenskultur beeinflussenkönnen, selbst in einem Unternehmenvon der Größe Innostats - vorausgesetzt,das Führungsteam tritt geschlossenund entschlossen auf. ErsteErgebnisse könnten sich schon binneneines Jahres einstellen.

steven f. dichter
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