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Unternehmenskultur bei SoulCycle Schwitzen für die Seele

Bei der amerikanischen Fitnesskette SoulCycle geht es nur auf den ersten Blick ums Radeln. Das Unternehmen setzt auf Freundschaft und Gruppenerlebnisse – und hebt sich so von der Konkurrenz ab.
aus Harvard Business manager 9/2017
Melanie Whelan

Melanie Whelan

Foto: Carmen Chan

Wenn mir drei Leute unabhängig voneinander begeistert von etwas erzählen, probiere ich es selbst aus. So war es auch 2008: Freunde machten mich auf das Training bei SoulCycle aufmerksam. Damals gab es seit zwei Jahren ein erstes SoulCycle-Studio auf der Upper West Side von Manhattan. Ich war sofort neugierig: Ich trainierte gern in der Gruppe, und ich ging regelmäßig joggen, aber Spinning gehörte nicht zu meinem Programm. Ich hatte Indoor-Cycling ausprobiert, aber es hatte mich nicht begeistert. Meine Freunde versprachen mir, dieses Studio sei anders.

Es war tatsächlich anders. Es fing schon damit an, dass das Studio versteckt am Ende eines langen Flures lag. Aus dem Eingangsbereich kam mir ein dezenter Grapefruitduft entgegen. Der Kurs war voll besetzt. Ich hatte das Gefühl, ganz für mich zu sein, und gleichzeitig fühlte ich mich mit den anderen Radlern verbunden. Jeder Song auf der Playlist gehörte zu meinen Lieblingssongs. Die Trainerin war charismatisch und gleichzeitig authentisch. Ihre Energie und die Leidenschaft, die den Raum erfüllte, waren ansteckend. Der Kurs hatte wirklich Spaß gemacht. Anschließend trafen sich die Radler mit geröteten Gesichtern in der Lobby – ich hätte nicht erwartet, dass sich irgendjemand freiwillig so lange in diesem kleinen Raum aufhält. Das hier war eindeutig mehr als nur ein Fitnessstudio – SoulCycle war ein Erlebnis für alle Sinne, mit einer Community begeisterter Superfans. Eine Probestunde reichte aus, um mir klarzumachen, weshalb dieses kleine Uptown-Unternehmen so angesagt war. 2012 stieg ich Vollzeit bei SoulCycle ein: Ich kümmerte mich um die Geschäfte und die Unternehmensentwicklung. 2015 wurde ich dann CEO. In beiden Funktionen ging es mir darum, das Wachstumspotenzial der Branche und dieser Marke auszuloten.

Als ich neu ins Team kam, glaubten wir, dass SoulCycle noch 20 oder 25 Standorte in den Küstenstädten der USA würde eröffnen können. Heute haben wir 74 Studios, und jährlich kommen an die 15 Standorte im Landesinneren hinzu, etwa in Chicago, Dallas, Austin und Houston. Gerade haben wir in Toronto unser erstes Studio außerhalb der USA eröffnet. Inzwischen ist uns klar, dass enormes Potenzial in uns steckt.

Auch wenn wir wachsen, wir versuchen, nicht in irgendwelche Fallen zu tappen: Die Fitness- und Wellnesswirtschaft hat ihre Hochs und Tiefs. Das ist bei Work-outs nicht anders als bei Diäten. Ein ständiges Kommen und Gehen ist hier an der Tagesordnung, Trends können jederzeit wieder in der Versenkung verschwinden. Beispiele dafür gibt es genug: Jazzercise und Tae Bo und immer neue, kurzlebige Fitnessprodukte für zu Hause – meist über Homeshoppingkanäle vertrieben. Manche Work-outs wiederholen immer wieder die gleichen Dinge – dann machen sich Ermüdung und Langeweile breit; die Aufmerksamkeit der Leute erlahmt, und sie wollen etwas Neues ausprobieren. Wir müssen dafür sorgen, dass es bei SoulCycle niemals so weit kommt.

Ich habe festgestellt, dass wir uns am erfolgreichsten weiterentwickeln, wenn wir auf unsere Kunden eingehen und mit ihnen in Kontakt bleiben. Die beste Teststrecke für mögliches Wachstum liegt zwischen den verspiegelten Wänden unseres Studios.

Wir investieren wesentlich mehr Zeit und Geld als andere Unternehmen der Branche, um unsere Trainer zu finden und auszubilden. Der Grund ist simpel: Sie sind es, die unseren Radlern dieses einzigartige SoulCycle-Erlebnis vermitteln. Unsere Trainer inspirieren, sie sorgen dafür, dass unsere Kunden auf ihrem Rad und in ihrem Leben stärker werden. Wir setzen darauf, dass die Trainer jede Stunde einzigartig machen und zu Menschen ganz unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Bevölkerungsgruppen eine Verbindung aufbauen. Sie müssen es schaffen, jeden Monat Hunderte und Aberhunderte von Radlern mit genau dem Enthusiasmus zu erfüllen, der mich vor beinahe zehn Jahren bei meiner ersten Trainingsstunde mitgerissen hat.

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