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Manager unter Beschuss

Lobbygruppen treiben Unternehmen in die Enge. Eine Anleitung zum Umgang mit streitbaren und mächtigen Aktivisten.
aus Harvard Business manager 12/2004

Monsanto verlor den Krieg gegen die bestens organisierten Genfood-Gegner, der Fruchtkonzern Chiquita musste nach einem Jahre währenden Kampf gegen die EU im so genannten Bananenstreit ein Konkursverfahren eröffnen, der Ölkonzern Shell zog beim Versuch, die ausgediente Ölplattform "Brent Spar" zu versenken, gegen Greenpeace den Kürzeren: Interessengruppen jedweder Couleur sind heutzutage mächtig genug, ein Unternehmen in seine Schranken zu weisen.

Im selben Maße, wie große Firmen im Zuge der Globalisierung immer mächtiger wurden, wuchs auch der Einfluss so genannter Nichtregierungs-Organisationen (NGO). Viele der 29 000 bei den Vereinten Nationen registrierten Lobbygruppierungen definieren sich als "Wachhunde, stets auf dem Posten, wenn irgendwo rücksichtslos Macht ausgeübt wird", wie es der ehemalige Greenpeace-Chef Thilo Bode ausdrückte.

Manager haben keine andere Wahl, als gesellschaftliche Interessen anzuerkennen und bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen. Ulrich Steger, Direktor des Corporate Sustainability Forums an der Managementhochschule IMD in Lausanne, beschreibt in seinem Buch "Corporate Diplomacy", wie Manager mit Hilfe einer, so Steger, "gesellschaftsbewussten Unternehmensführung" die Symptome herannahender Krisen rechtzeitig erkennen können.

So verfolgen Shell-Mitarbeiter zeitgleich etwa 120 krisenträchtige Themen, die jederzeit zu einer NGO-Kampagne führen können. Die potenziellen Probleme reichen vom Klimawandel über den Trend zu erneuerbaren Energien bis zur Ölförderpraxis in Nigeria. Aber auch religiöse Gruppen könnten das Shell-Geschäft in den USA empfindlich stören: Wenn sie gegen den Verkauf von Pin-up-Magazinen an Tankstellen protestieren und zum Boykott aufrufen würden.

Das Buch beleuchtet die gesellschaftliche Entwicklung, welche die Entstehung einer wehrhaften Zivilgesellschaft erst möglich machte. Es enthält aber auch eine Fülle von Fakten, Belegen und konkreten Vorschlägen, wie die Corporate Diplomacy Teil der Unternehmensstrategie wird - und wann ein Konzern es sich erlauben kann, eine Kampagne zu ignorieren.

Wer mit dem Argument der Profitorientierung jede gesellschaftliche Verantwortung vom Tisch fegen will, lernt schnell: Ohne stetes Beobachten und Analysieren der Wirkung des eigenen Handelns auf Staat und Bürger verkehrt sich Gewinn unversehens in Verlust. Der Ölkonzern Shell hätte das "Brent Spar"-Desaster aus Stegers Sicht verhindern können. Und sich damit einen immensen Vertrauensverlust erspart.

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