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manager magazin trendletter

manager magazin trendletter ist ein wöchentlich erscheinender Informationsdienst, der das Wichtigste aus über 100 Wirtschaftszeitschriften und Fachpublikationen des Auslands zusammenfaßt. Die nachfolgenden Auszüge konzentrieren sich auf die Bereiche Managemententwicklung, Forschungsergebnisse und Zukunftstendenzen.manager magazin trendletter wird herausgegeben von der manager magazin Verlagsgesellschaft mbH, Marketingabteilung, Brandstwiete 19, 2000 Hamburg 11, Telephon (040)3007-624. Jahresabonnement: DM 200,- (zuzüglich Porto), für HARVARDmanager- Abonnenten: DM 130,- (zuzüglich Porto).
aus Harvard Business manager 3/1983

Biotechnologie: Die Forschung wandert
zunehmend in die Labors von Großfirmen

In einem Rückblick auf das Jahr 1982 und einem Ausblick schildert der Informationsbrief "Genetic Technology News" (Technical Insights Inc., P.O. Box 1304, Fort Lee, NJ 07024, USA) die Schwierigkeiten der kleineren Innovationsfirmen, Finanzierungsmittel zu bekommen. Die Gründerwelle ist abgeflaut, da neue grundsätzliche Aufgabengebiete seltener gefunden werden, auf den bekannten jedoch zeitlicher Vorsprung vorhanden ist. Die Forschungsfirmen der ersten Welle können aber immer noch gut Beteiligungen verkaufen. Im Markt sind besonders Nahrungsmittel-, Drogeriewaren- und Chemiefirmen. Die Tendenz in den Großfirmen des Pharma- und Chemiebereiches geht dahin, die eigenen Labors auszubauen. Das Jahr 1982 brachte erste gentechnologisch gewonnene Produkte auf den Markt, so einen Tierimpfstoff der Firma AKZO (Arnheim, Holland). In England und den USA erhielt ein Humanmedikament der Firma Eli Lilly, Insulin, die Zulassung. Ein menschliches Wachstumshormon steht in den USA kurz vor der Einführung. Eine Welle von verschiedenen Interferontypen ist von mehreren Firmen absehbar. "Cloning", die nichtgeschlechtliche Vermehrung durch das Übertragen von ganzen Zellen von Pflanzen beziehungsweise Lebewesen auf andere, ist ein breites Arbeitsfeld geworden. Ein Schwerpunkt - weil schneller marktfähige Resultate zu erreichen sind - ist die Tierpharmazeutik. Erfolge gab es unter anderem bei Rinderinterferon und Wachstumshormonen. Generell wird "Cloning" sehr breit bei der Herstellung vieler Eiweißstoffe eingesetzt, um später zum Beispiel Rennin auf diesem Wege zu gewinnen. Bei den zahlreichen Experimenten auf dem Pflanzensektor geht es darum, Pflanzen unempfindlicher gegen Schädlinge, Schädlingsbekämpfungsmittel und Klimaeinwirkungen zu machen und die Produktqualität zu erhöhen. Hier sind bald Ergebnisse zu erwarten. (In der Bundesrepublik arbeitet unter anderem das Max-Planck-Institut in Köln auf diesem Gebiet.) Etwas länger wird es noch dauern, die Photosynthese der Pflanzen zu verbessern und ihre Fähigkeit, selbst Stickstoff zu Eigendüngung zu bilden. Schneller als gedacht kommen die Erfolge im Bereich der Wachstumshormone für Tiere. Ein von Monsanto entwickeltes Verfahren wurde von der Cornell University mit Erfolg an Milchkühen getestet, das heißt, die Milchproduktion konnte gesteigert werden. Die in der Presse breit berichtete Übertragung der Wachstumshormone von Ratten auf Mäuse, die dann doppelt so groß wurden, wird in der Zeitschrift "Nature" vom 16. 12. 1982 (Macmillan Journals Ltd., 4 Little Essex Street, London, WC2R 3LF, UK) detailliert beschrieben. Die Fortschritte bei der auf Gentechnologie basierenden Erzeugung billiger, industriell nutzbarer Biochemikalien haben augenblicklich einen wesentlich Engpaß: Obwohl Fortschritte in der Entwicklung besser geeigneter Mikroorganismen gemacht werden, ist die Verfahrenstechnologie noch immer der Gärungsprozeß, selbst wenn er von der Bottichin die Fließfermentation übergegangen ist. Hier werden Ergebnisse aus der Verwendung von stark wäßrigen Lösungen und schnellerem Herausfiltern erwartet, also aus reinen Verfahrensfortschritten. Die Regierungen aller Industrieländer fördern die biotechnologische Forschung, denn es geht schlichtweg darum, daß volkswirtschaftlich bedeutende Branchen grundsätzlich verändert werden. Die Japaner machen es wieder am effektivsten: Sie fördern - mit der lenkenden Hand des Ministeriums für internationalen Handel und Industrie (MITI) - eine industrielle Forschungsvereinigung, der rund 100 Firmen angehören werden. Hauptziele: Verhinderung der Überschneidung von Forschungsvorhaben, Vermeidung der Doppellizenznahme für ausländische Verfahren, Austausch von Forschungsergebnissen und Ausbildung von Biotechnologen. Eine relativ kompakte, zukunftsorientierte Darstellung des Stands der Biotechnologie ist kürzlich von der OECD veröffentlicht worden: "Biotechnology, International Trends and Perspectives". In der Bundesrepublik erhältlich vom OECD-Publications and Information Centre, Simrockstr. 4, 53 Bonn. Preis: 27 DM. (GENETIC TECHNOLOGY NEWS, Januar 1983; THE JAPAN ECONOMIC JOURNAL, 25.1.83) trendletter 7/83

Paradoxien bei den Managementfaustregeln
in den 80er Jahren

Die Differenziertheit der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen ist es, die gegensätzlichen Aussagen ihre Berechtigung gibt. Die Professoren Robert F. Fulmer und Stephan G. Franklin haben solche vermeintlichen Gegensätze zusammengestellt: Traditionelle Leistungsanreizsysteme verlieren an Wirkung - finanzielle Motivation steigt in der Bedeutung.Gemeint ist, daß es Gruppen gibt, für die sich in ihren Ansprüchen an das Unternehmen nichts geändert hat, andere erwarten mehr. Zur traditionellen Gruppe gehören ältere Mitarbeiter, die zu einer bestimmten Arbeitsmoral erzogen wurden und davon überzeugt sind, sowie diejenigen, denen es um Arbeitsplatzsicherung geht, und die jungen Ehrgeizigen, die schnell Geld verdienen und aufsteigen möchten. Sie sind meist im Außendienst zu finden. Die zweite Gruppe besteht einmal aus jungen, gut ausgebildeten Stabskräften und Managern der mittleren Ebene, denen es auf eine interessante Aufgabe mit Verantwortung ankommt (die aber die Firma trotzdem wechseln, wenn die Bezahlung nicht stimmt). Der größere Teil der nicht mehr durch traditionelle Anreizsysteme Erreichbaren besteht aber aus denjenigen, die aufgrund von Erziehung und Umgebung vom Unternehmen nicht mehr durch Aufgaben angesprochen werden können, sondern die anderswo Ablenkungen suchen. Ihre Zahl steigt. Der innerbetriebliche Konkurrenzkampf um Aufstiegsmöglichkeiten verstärkt sich - am wichtigsten ist Flexibilität in der Arbeitsgestaltung. Auch hier sind wieder zwei Gruppen gemeint. Ende dieses Jahrzehnts wird etwa die Hälfte aller Beschäftigten in der Altersgruppe der 25- bis 44jährigen sein. Das bedeutet, daß zum Beispiel gegenüber den 60er Jahren doppelt so viele Bewerber für eine mittlere Managementposition vorhanden sind. Andererseits wird die Zahl der neu in den Beruf Eintretenden ab Mitte der 80er Jahre deutlich sinken; sie werden ihren Arbeitsplatz wählen können, so daß bei Jüngeren sehr viel Flexibilität in der Arbeitszeit und Abwechslung am Arbeitsplatz geboten werden müssen. Superlebensstandard - zunehmender finanzieller Druck auf das Familienbudget. In den USA ist der durchschnittliche Reallohn bereits gesunken. Der Einverdienerhaushalt kann mit der Inflation nicht Schritt halten. Der Lebensstandard steigt jedoch durch Arbeitsaufnahme der Frau und weniger Kinder wieder an. Das erhöht die finanzielle Bedeutung der Familie. Für die Personalpolitik heißt das stärkere Individualisierung der Maßnahmen, aber auch, daß Kinderkrippen selbstverständlich sind und dem Ehepartner eines Neueintretenden bei Ortswechsel bei der Stellensuche geholfen wird. Dezentralisierung - Effektivität der Zentralisierung der Managemententscheidungen. Bessere Planungssysteme, weltweite Kommunikation, Fernsehkonferenzen und Computerdatenbanken einerseits machen zentrale Entscheidungen dort sinnvoll, wo Übersicht notwendig ist. Andererseits ist es eine unleugbare gesellschaftliche Entwicklung, daß immer mehr Menschen an Entscheidungen beteiligt sein wollen. Interessante Arbeitsplätze - keine Freude an der Arbeit. Auch wenn Wirtschaftswachstum und neue Technologien mehr interessante Arbeitsplätze schaffen, werden bis zu 80 Prozent der Menschen - so eine Untersuchung - Arbeiten verrichten, die unter ihren Fähigkeiten liegen, entweder weil sie generell überausgebildet sind oder nur der Bezahlung wegen jobben. Gleichberechtigung der Frau im Arbeitsleben - schlechte Bezahlung und männliche Vorurteile. Die Frauen werden stetig Fortschritte machen, in früher den Männern vorbehaltene Stellungen eindringen, die sie auf ihre Weise ausfüllen. Im Durchschnitt wird sich in diesem Jahrzehnt noch nichts daran ändern, daß sie dort weniger verdienen, oft mehr leisten und mit Vorurteilen leben müssen. Verwissenschaftlichung des Managens - Fortschritte der Mitbestimmung. In den USA heißt mitbestimmen: Beteiligung an der Entscheidungsfindung vor Ort, etwa im Sinne der "Quality Circle", und Humanisierung der Arbeitswelt. Gleichzeitig wird aber die Bedeutung der wissenschaftlichen und vor allem der computerisierten Methoden zur Steigerung von Produktivität und Wirtschaftlichkeit die freie Managemententscheidung immer mehr einengen. (MANAGERIAL PLANNING, November/Dezember 1982) trendletter 8/83

Die hauptsächlichen Fehler
bei der Gestaltung von Industriekatalogen

Die Firma Markin Communications (Palo Alto, Kalifornien) hatte 1000 Ingenieure, Mitarbeiter von Entwicklungsabteilungen und technische Einkäufer angeschrieben, um mit Fragebogen herauszufinden, was ihnen an Katalogen gefällt und was nicht. Der Rücklauf betrug erstaunlicherweise mehr als 50 Prozent, ein deutlicher Hinweis auf die Wichtigkeit des Problems. Hier die Ergebnisse: * Wenn diese Zielgruppe Kataloge und Prospektmaterial auf Neuheiten hin durchsieht, wird sie am ehesten durch eine gute Abbildung des Gesamtprodukts zum näheren Anschauen veranlaßt. Erwünscht sind dann weitere Detailaufnahmen und möglichst auch Abbildungen des Produkts in seinen Gebrauchsphasen. * Ist ein Katalog zu umständlich in der Nutzung, so wenden sich fast 20 Prozent einem anderen Hersteller zu. Aber 75 Prozent versuchen, bei dem Lieferanten direkt eine Auskunft zu bekommen. Das scheint jedoch dort oft nicht erwünscht. * Am meisten werden schlechte Indexsysteme als Quelle der Unzufriedenheit mit Lieferantenkatalogen genannt. Bemängelt wird auch unlogischer Inhaltsaufbau. Schnelles Finden ist für den Benutzer wichtig. Markin Communications empfiehlt, einen Katalog nach verschiedenen Gesichtspunkten zu indexieren, zum Beispiel nach Produktnamen und nach Bestellnummern, eventuell sogar nach Produktabbildungen. * Die Logik der Bestellnummern ist wichtiger, als viele Lieferanten glauben. Nummern aus verschiedenen Einführungsperioden neuer Computersysteme oder Organisationsphasen im Unternehmen sind für die Zielgruppe eine Zumutung. Genauso möchte man schon beim Öffnen des Kataloges wissen, wo der Artikel ungefähr steht. * Verständlich und gut zu behalten sind am ehesten Produktnamen. Wenn schon Nummern, dann sind solche am einfachsten zu merken, die mit einer wesentlichen Produkteigenschaft verbunden sind, zum Beispiel Durchmesser und so weiter. * Ärgerlich ist für viele Benutzer, daß die Firmen so sparsam im Zuteilen von Katalogen sind. Bei den Befragten entfiel im Durchschnitt einer auf sechs Benutzer. Wenn kein Katalog mehr vorhanden ist, hat der nächste Lieferant seine große Chance. * Ärgerlich - aber nicht Lieferantenschuld - ist auch, daß oft von Benutzern Seiten herausgerissen und Nachträge selten eingefügt werden. Markin Communications schlägt vor, die Vertreter - als Kontaktmittel vor Ort - öfters Kataloge mitbringen zu lassen, bei denen die Nachträge eingeordnet sind. (MARKETING NEWS, 4.2.83) trendletter 9/83

3M auf der Suche nach Rezepten
für strategische Disziplin

Die 3M machte 1982 weltweit rund 6,5 Milliarden Dollar Umsatz und blieb damit in der Größenordnung des Jahrs 1981. Der Gewinn lag - das sind noch Schätzungen - etwas unter dem Vorjahr, aber daran war der starke Dollar mit schuld, der die Gewinne der Auslandsaktivitäten optisch verminderte. Der letzte deutliche Gewinnanstieg liegt jedoch schon einige Jahre (1979) zurück. Die wirtschaftliche Situation spielt dabei eine gewisse Rolle, mehr aber noch eine Strukturveränderung, die das Wachstum in andere Bereiche - wie Dienstleistungen und High Technology - verschiebt, in denen man wenig Erfahrung hat. Das ist jedoch nur ein Problem dieser unvergleichlich erfolgreichen innovativen Firma, die 3M unbestritten ist. Ein zweites Problem: 48 000 verschiedene Produkte, 150 Geschäftsbereiche und 39 Divisions. Erfolg und Innovationskraft des Unternehmens basierten bisher auf einer bei dieser Größe beispiellosen dezentralisierten Produktentwicklung, die es fast jedem Mitarbeiter mit einer Idee ermöglichte, sein Produkt im Markt auszuprobieren. Dahinter standen Leitsätze wie "Vorhandene Stärken nutzen und kombinieren" und "25 Prozent des Umsatzes durch Produkte erzielen, die es vor fünf Jahren noch nicht gab". Das war - und ist - eine erfolgreiche Rezeptur für Märkte, in denen unverbundene Einzelprodukte eine Bedeutung haben. Dort, wo es auf Systeme ankommt, die über die relativ kleinen, überschaubaren Geschäftsbereiche hinausgehen und Divisionsgrenzen überspringen müssen, reicht das nicht. Ein Börsenanalytiker hat errechnet, daß die 3M 85 Technologien gut beherrscht, daß aber die 86. die entscheidende ist: die Fähigkeit, sie miteinander und nicht nebeneinander zum Einsatz zu bringen. Eine Hauptaufgabe wird es deshalb sein, nicht Einzelprodukte zu entwickeln, sondern Technologien und deren Kombinationssynergie, aus denen dann Produkte entstehen. Die Bemühungen der 3M in den USA, mehr zentralisierte strategische Disziplin zu erreichen, drücken sich nach außen vor allem in zwei Maßnahmen aus. Die Einordnung der 39 Divisions im Jahre 1981 in vier strategische Geschäftssektoren: Gesundheitswesen, Elektronik und Kommunikation, Druckbedarf, Industrie- und Konsumgüter. Vor einem Jahr erhielt der Leiter der "Planning Services und Market Development", Michael Tita, die offizielle Aufgabe, die 3M aus stagnierenden und reifen Bereichen in wachsende - wie Elektronik und Kommunikation - zu dirigieren. Als größtes Problem dabei erachtet er, den auf Dezentralisierung und Freiräumen basierenden unternehmerischen Geist aufrechtzuerhalten und trotzdem zentral strategisch zu planen. Ein Mittel dazu ist das "Collection-and- Managemenf-System. Es handelt sich hierbei um ein zentrales Komitee, in das die Ideen aus den Divisions einfließen und das sie dann bewertet. Grundlage ist ein Portfoliosystem, das vor allem auf die Zukunftsbedeutung der Produkte abgestellt ist. Im Bereich der Divisions wurde begonnen, eine Planung mit einem Zeithorizont von fünf Jahren aufzustellen, die vor allem die wesentlichen Erfolgsfaktoren (Key Success Factors) einer Division herausstellt und ihre Entwicklung prognostiziert. Darauf basieren dann Programme und Marketingstrategien. Im Vertriebsbereich hatte 3M in den USA schon vor zwei Jahren den Versuch gestartet, die irritierende Tatsache etwas zu mildern, daß bei den Firmen verschiedene 3M-Repräsentanten Verkaufsbesuche abstatten - und von den meisten anderen 3M-Produkten oder ihrem eventuellen Bedarf beim Kunden nichts wissen. Unter dem Schlagwort "Cooperation for Growth" wurden die Vertreter animiert, einer Zentralstelle telephonisch beobachtete Verkaufschancen für andere Divisions mitzuteilen. Vor allem aber wurden alle 3M-Produkte unabhängig von der innerbetrieblichen Organisation in zehn Marketingbereiche eingeordnet, so zum Beispiel Gesundheitswesen, Transportmittelproduktion und -instandhaltung, Elektronik- und Elektrohersteller und so weiter. Für diese Bereiche schuf man spezielle Verkaufsunterlagen, über die auch der nicht zuständige Außendienstmitarbeiter in etwa Bescheid wissen muß. In Teilbereichen wird das Problem auch dadurch gelöst, daß der Vertrieb dem Fachhandel überlassen wird. Das trifft zum Beispiel auf das Kleinterminal "Whisper Writer" zu, das über Telephon Computer anwählen kann. (INDUSTRIAL MARKETING, Februar 1982) trendletter 10/83

Schwerpunkte
naturwissenschaftlicher Grundlagenforschung

Das amerikanische Committee on Science, Engineering and Public Policy (National Academy of Science, 2101 Constitution Avenue, NW, Washington, DC 20418) hatte vom Office of Science and Technology Policy des Weißen Hauses den Auftrag erhalten, in Zusammenarbeit mit anderen Instituten naturwissenschaftliche Forschungsgebiete zu benennen, deren Förderung von nationalem Interesse ist. Es entstanden sieben kurzgefaßte Berichte, die von einer amerikanischen Adresse aus kostenlos angefordert werden können. Der Informationsdienst "Inside R&D" nennt einige der Empfehlungen: * Erforschung der Genstrukturen von Pflanzen, speziell die Übertragung von Genen einer Pflanze auf eine andere. * Entwicklung eines Hochleistungsteleskops, um andere Galaxien besser zu beobachten. * Empirische Untersuchungen über das Entstehen des Sauren Regens. * Prognosemethoden gesundheitlicher Auswirkungen von Kombinationen unterschiedlicher Chemikalien. * Grundlagenforschung auf den Materialsektoren, die für die High-Technology-Gebiete wichtig sind. * Finanzielle Unterstützung für junge Mathematiker. * Grundlagenforschung in Struktur und Funktion des menschlichen Gehirns. (INSIDE R&D, 23.2.83) trendletter 11/83

Japaner sehen
spektakuläre Technologiedurchbrüche

Die japanische Science and Technology Agency hat 2000 Experten aus Ministerien, Unternehmen und Universitäten zu 800 Themen auf 13 Fachgebieten mit der Delphimethode befragt, was sich an wesentlichen Fortschritten in den nächsten 30 Jahren absehen läßt. "The Japan Economic Journal" brachte Auszüge und eine Übersicht. Bis 1990:* Fabrikationsmäßige gentechnologische Herstellung von Pharmazeutika. * Hochleistungssolarbatterien mit amorphen Solarzellenmaterialien. Bis 1995:* Superschnelle Computer einer neuen Generation (1993). * Intelligente Roboter (1993). * Digitale Telekommunikationsnetzwerke als öffentliches Dienstleistungsangebot (1994). * Wirkungsvolle Lager- und Vernichtungstechnologie für radioaktive Abfälle. * Schienenfahrzeuge mit über 500 km/h Geschwindigkeit. * Dreidimensionale Halbleiterelemente. * Multiple Empfängnis bei Kühen. Bis 2000:* Laboranlagen im Weltraum (1996). * Meeresbergbau für Manganknollen in der Tiefseee (1997). * Zellvereinigungstechnologien zur Züchtung neuer Arten von Pflanzen (1998). * Medikamentöse Kontrolle von Krebswucherungen (1999). * Permanente, bemannte Raumstationen (1999) Bis 2005:* Medikamentöse Heilung von Arterienverkalkungen (2001). * Erkenntnis der Krebsentstehung und Krebsverhütung (2001). * Agrar- und Forsttechnologien zur Verhütung von Wüstenausdehnung (2002). * Rückführung von Krebserkrankungen (2004). * Nuklearstahlwerke Bis 2010:* Vierwöchige Frühwarnung bei Erdbeben (2006). * Steuerung des menschlichen Alterungsprozesses (2007). * Solarenergiegeneratoren auf Satelliten (2008). * Vollkommene Ausheilung der Folgen von Gehirnschlag (2010). * Kernfusionsenergiegewinnung (2010) Im Jahr 1976 war eine gleiche Befragung durchgeführt worden. Die Jahreszahlen für die einzelnen erfragten Technologiedurchbrüche beziehungsweis- realisierungen wurden jetzt im Schnitt vier Jahre später angesetzt. (THE JAPAN ECONOMIC JOURNAL, 15.2.83) trendletter 12/83

Zukünftige "Supertrends"
im Bereich Werbung und Marketing

Steve Rappaport ist Leiter der Arbeitsgruppe "Marketing Horizons" der US-Werbeagentur BBDO (383Madison Ave, New York, N.Y. 10017), die neben Marktanalysen und Verbraucherverhaltensbeobachtung auch Zukunftsforschung betreibt. Der Ausgangspunkt seiner Arbeit in diesem Bereich sind drei Annahmen: 1. Marketing und Werbung sind vom gesellschaftlichen Wandel betroffen. 2. Komplexe Wirkkräfte sorgen für eine dauernde Dynamik. 3. Der Erfolg von Marketing und Werbung beruht darauf, Veränderungen der Schlüsselwirkkräfte, die für Unternehmen relevante Probleme betreffen, vorherzusehen und in der Strategie zu berücksichtigen. Mr. Rappaport und sein Team haben eine Untersuchung des gesellschaftlichen Wandels durchgeführt und sehen fünf zukünftige "Supertrends": * Wir sind in einem Wandlungsprozeß von einer Gesellschaft, die um die industrielle Produktion herum organisiert war, in eine, die durch Information bestimmt ist. * Die Amerikaner, aber auch andere Industrienationen, leben in einer Gesellschaft der mittleren Lebensjahre und gehen dem Altern in Würde entgegen. * Die Bevölkerung wird sich in zwei Hauptgruppen untergliedern: diejenigen, die sich ihre Wünsche leisten können, und diejenigen, die es nicht schaffen. Das ist weniger eine Angelegenheit der Höhe des Einkommens, sondern der effektiven Nutzung durch Informationen. Das Verhältnis wird 1990 bei einem Viertel hoch informierter Verbraucher zu drei Vierteln traditionell informierter liegen. * Der Erfolg des einzelnen Verbrauchers und der Unternehmen hängt von der Qualität der zugänglichen, leicht interpretierbaren Informationen und ihrer Nutzung ab. Die Märkte werden dezentraler, komplexer und bilden sich ohne Zwang. Konkreter Ausdruck dieses Trends sind die technischen Möglichkeiten des Einkaufens, die neuen Medien und die computerunterstützte Marktsegmentierung. (MARKETING & MEDIA DECISIONS, Februar 1983) trendletter 12/83

Roboter: Verstärkte staatliche
Entwicklungsförderung in den USA und Japan

In den USA und Japan sind Forschungs- und Entwicklungsprogramme angelaufen, die Hersteller des jeweiligen Lands in die Lage versetzen sollen, die Technologieführerschaft bei der nächsten Generation der "intelligenten", mit Echtzeitsicht, höchster Genauigkeit arbeitenden und computerisierten Roboter zu übernehmen. Aus amerikanischer Sicht ist man sich des heutigen Technologievorsprungs in der Zukunft nicht mehr so sicher und fürchtet die Erfahrungsvorteile der Japaner in der Anwendungstechnik. Aus japanischer Sicht wird der heutige hohe japanische Anteil am internationalen Robotermarkt durch das Eintreten amerikanischer Großfirmen - IBM, General Electric, Westinghouse-Unimation und Bendix - in diesen Markt gefährdet. Mit ihnen wird die große Überlegenheit der Amerikaner auf dem Softwaresektor zum Tragen kommen. Trotz des hohen Grads internationaler Lizenzverknüpfungen: Die staatliche Forschungsförderung ist national und die Gemeinschaftsforschung der Firma wird zunehmend nationaler. Einzelmeldungen mit Indikatorcharakter: * Im Januar begann in Washington eine Serie von Konferenzen auf hoher Regierungsebene, an der jeweils die Ministerien des Handels, der Verteidigung und des Äußeren sowie die Kartellbehörde und die Industrievertreter einer "High-Technology"-Branche teilnehmen. Die Roboterzukunft war das erste Thema. Dem Gespräch lag unter anderem ein Bericht des stellvertretenden Handelsministers Lionel Olmer an Präsident Reagan mit der Empfehlung zugrunde, der amerikanischen Roboterindustrie Schutz und Förderung zu geben. Das offizielle Ergebnis des Gesprächs war jedoch nicht, eine neue Institution der Industrie für Gemeinschaftsforschung zu gründen. Vielmehr scheint man hier den Weg zu gehen, bestehende Einrichtungen zu nutzen und höher zu dotieren. So hat zum Beispiel die amerikanische Luftwaffe auf dieser Konferenz angeboten, die staatliche Forschungs- und Entwicklungshilfe im Roboterbereich bei ihr zu konzentrieren. Sie wäre in der Lage, den Bedarf auch der Industrie zu befriedigen. * Die US-Luftwaffe hat kürzlich einem Konsortium unter Führung der Honeywell Inc. einen Entwicklungsauftrag in Höhe von 3,35 Millionen Dollar für Echtzeitsensoren und -kontrollen erteilt. Die Roboterforschung der Air Force ist im Materials Laboratory an der Wright Patterson Air Force Base konzentriert. Diese Materialforschungsanstalt hat heute ihren Schwerpunkt bei Produktionsverfahren für kleine Losgrößen, das bedeutet unter anderem schnelle Umstellzeiten. Eingeschaltet sind auch SRI (für Anwendungsforschung) und die Stanford University (unter anderem für die Nutzung sogenannter künstlicher Intelligenz beim Einsatz von Robotern). Die praktischen Entwicklungsarbeiten zur entsprechenden Roboterproduktion liegen bei der Firma Unimation. Der Koordinator ist Mr. Steve Scarborough von der Firma Honeywell (Honeywell Plaza, Minneapolis, MN 55408). * Die beiden akademischen Institute, die sich in den USA vor allem mit fortgeschrittener Robotertechnologie beschäftigen, sind das neugeschaffene Materials Handling Research Center am Georgia Institute of Technology in Atlanta (Leitung: Professor John A. White) und das Robotic Research Center der University of Rhode Island. Das Materials Handling Research Center hat kürzlich einen Forschungsauftrag von der National Science Foundation erhalten. Schwerpunkt ist der Einsatz von Robotern im innerbetrieblichen Materialfluß. Hintergrund ist die Erkenntnis, daß überlegene japanische Wirtschaftlichkeit in der industriellen Fertigung wesentlich vom beschleunigten Materialfluß mitbestimmt wird. * In diesem Jahr läuft ein Entwicklungsprojekt des japanischen Ministeriums für internationalen Handel und Industrie (MITI) an, das mit 170 Millionen DM dotiert ist und eine Laufzeit von sieben Jahren hat. Das Ziel sind "lernfähige" Roboter, die für Tiefsee- und Raumfahrteinsatz und für Wartungsarbeiten in Kernkraftwerken geeignet sind, aber auch Alten und Behinderten helfen sollen. Zehn Hersteller von Robotern, Computern und Industrieanlagen sind beteiligt. * Die staatliche japanische Nippon Telegraph & Telephone Co. (NTT) hat eine "Task Force" zur Roboterentwicklung ins Leben gerufen, die den Einsatz von "intelligenten" (sprich mit Computer-, Echtzeit- und eigener Steuerfähigkeit ausgestatteten) Robotern im Fernmeldewesen als Arbeitsauftrag hat. (INDUSTRIAL ROBOTS INTERNATIONAL, 21.2. und 14.3.83; THE JAPAN ECONOMIC JOURNAL, 1.2.83; NEW SCIENTIST, 6.1.83) trendletter 15/83

Franchising weiterhin auf dem Vormarsch

Das U.S. Department of Commerce veröffentlicht jährlich einen Bericht über die Entwicklung des Franchising. Der neueste ist jetzt erschienen. "Franchising in the Economy: 1981 - 1983" kostet 6,25 Dollar (Scheck der Bestellung beilegen) und kann bezogen werden von: Superintendent of Documents, U.S. Government Printing Office, Washington, D.C. 20402, USA. Bestellnummer (Stock Number) 003-008-00189- 1. Einige wesentliche Trends daraus: * Franchising von Produkten und Markennamen ist nach wie vor der größte Bereich. Der Umsatz wird 1983 324 Milliarden Dollar erreichen - trotz eines Rückgangs an Verkaufspunkten, da viele Tankstellen und Autohändler schließen mußten. * Das Franchising ganzer Geschäftskonzeptionen wird 1983 einen Umsatz von 111 Milliarden Dollar bringen (1982 = 99 Milliarden Dollar), und zwar in 297 000 Verkaufspunkten (1982 = 261 000). Bei diesem "Business Format"-Franchising dominieren die Großen: 57 Firmen trugen 53 Prozent der Verkaufsstellen bei. Fast die Hälfte kam aus den Bereichen Gaststätten sowie Automobilprodukte und -service. * Starke Konkurrenz gibt es zwischen konventionellen Schnellgaststätten und denen, die mehr Bequemlichkeit des Speisens bieten. Feinschmecker-, Landsmannschafts- und Diätgaststätten wachsen überdurchschnittlich. * Alle Dienstleistungen am Auto haben weiterhin gute Chancen. Absehbar sind Autocenter mit Schnellserviceangeboten verschiedener Franchisenehmer. * Franchising wird vor allem auch im Dienstleistungssektor gute Zuwachsraten haben, und zwar in den Bereichen Immobilienmakler, Finanzberatung, Schnellreparaturen für häusliche Schäden, Versicherungen, Rechtsberatung, Buchhaltungs- und Steuerhilfe, Gesundheitswesen, Gründungshilfe für Jungunternehmer, Gewichtsabnahme, Abgewöhnung des Rauchens und alle Bereiche, die mit der Unterstützung der Personalcomputerwelle zu tun haben. Deutliche Umsatzsprünge gibt es augenblicklich in dem Angebot von bankenunabhängigen Schließfächeranlagen auf Franchisebasis. * Franchising wird eine zunehmende Rolle bei der schnellen Einführung von Neuheiten spielen. (INFO FRANCHISE NEWSLETTER, Februar 1983) trendletter 15/83

Peter F. Drucker:
Parkinsonsche "Inflation" im Mittelmanagement

Der amerikanische Managementprofessor meint, daß sich in den vergangenen 30 Jahren in der Managementhierarchie zwischen Vorarbeiter und Unternehmensspitze mehr "Inflation" abgespielt hat als irgendwo sonst. Das trifft auf die Wirtschaft zu, aber genauso auf staatliche Verwaltung, Militär, Universitäten und Gesundheitswesen. Zwei Gründe dafür: die große Zunahme der Hochschulabsolventen und die Tatsache, daß der Computer nicht die erwartete Verminderung des mittleren Managements brachte, sondern immer mehr Spezialisierungen und Stabsnotwendigkeiten. Die schnell wachsende Wirtschaft ermöglichte das, wenn sie es nicht sogar erforderte. Platz für den Nachwuchs wurde vielfach durch Scheinbeförderungen und neue Titel geschaffen. Das Ergebnis: Der Entscheidungsprozeß hat sich zu einem "Kriechvorgang" verlangsamt und verhindert zunehmend, daß sich Organisationen an Veränderungen anpassen. Drucker hält die Zeit für gekommen, das Mittelmanagement drastisch "abzuspecken", auch wenn der Druck der Abgängerjahrgänge aus den Hochschulen erst in einigen Jahren abflauen wird. Seine Rezepte: * Wenn jemand aus dem Unternehmen ausscheidet, die Position nicht mehr automatisch besetzen. Vor allem auch keine Untersuchung durchführen, ob der Posten notwendig ist. Das stellt sich nach sechs bis acht Monaten von selbst heraus. (Firmen, die das praktizieren, berichten, daß nach einem halben Jahr die Hälfte der unbesetzten Stellen einfach verschwunden ist.) * Beförderungen vermeiden, dafür Arbeitsbereich, Selbständigkeit und Verantwortung erweitern sowie Rotation in andere Aufgabenbereiche verstärken. (THE WALL STREET JOURNAL, 29.3.83) trendletter 16/83

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