Zur Ausgabe
Artikel 7 / 13
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Die gegenseitige Abhängigkeit von Vorgesetzten und Untergebenen führt oft zur krankhaften Erscheinung der "folie à deux" Manager können Mitarbeiter in den Wahnsinn treiben

Jeder von uns erinnert sich noch an das schreckliche Geschehen in Guayana, an die erschütternden Berichte aus einem Lager in der Nähe von Jonestown, wo der Sektenführer Jim Jones seine Anhänger massenweise in den Selbstmord trieb. Nachdem die Staubwolken verzogen waren, die dieses furchtbare Ereignis aufgewirbelt hatte, wollte jeder wissen, wie so viele Leute uneingeschränkt an einen Menschen glauben konnten, daß sie, nur um ihm zu gefallen, Selbstmord verübten. So sehr diese Geschichte einen auch schaudern macht, sie strahlt auch eine gewisse Faszination aus. Ein Grund für diese Faszination mag sein, daß jeder von uns sich eines kleinen Teils seines Ichs bewußt ist, das allein wegen eines anderen Menschen etwas verrückt spielen kann. Übermäßige Abhängigkeit von anderen ist ein Stadium, aus dem der Mensch im allgemeinen herauswächst; wenn die Abhängigkeit jedoch auf Gegenseitigkeit beruht und die Realitäten sie zu stützen scheinen, kann es unmöglich werden, davon loszukommen. In Wirtschaftsunternehmen kann es geschehen, daß die Bedingungen für einen ungesunden Drang nach Abhängigkeit erfüllt sind ? mit katastrophalen Folgen für die Beteiligten und ihre Unternehmen.
aus Harvard Business manager 3/1980
Manfred F. R. Kets de Vries
Mehr lesen über
Zur Ausgabe
Artikel 7 / 13
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel