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Open Source Kurse Wie MOOCs die Weiterbildung verändern

Massive Open Online Courses (MOOCs) sind kostenlos, oft qualitativ hochwertig und auch mit vollem Terminkalender zu stemmen. Doch wie eine Studie zeigt, fühlen sich Unternehmen bislang nicht für diese Art der Weiterbildung zuständig. Eine vertane Chance.
aus Harvard Business manager 4/2018
Foto: leungchopan / imago/Panthermedia

Unternehmen behaupten immer, die Weiterbildung und berufliche Entwicklung ihrer Mitarbeiter sei ihnen wichtig. In der Praxis jedoch sparen sie an Trainingsmaßnahmen und überlassen es Arbeitnehmern oft selbst, sich weiterzuqualifizieren. In einer Befragung unter 1481 berufstätigen Kursteilnehmern, die ich kürzlich durchgeführt habe, gaben mehr als ein Drittel an, sie hätten in den vergangenen zwölf Monaten keine Weiterbildung durch ihren Arbeitgeber erhalten. Die Befragten waren vorwiegend Manager und Wissensarbeiter, die an Onlinekursen teilgenommen hatten.

Noch schlechter sieht es aus, wenn man sich die Berufstätigen insgesamt anschaut. So sank in den USA der Anteil derjenigen, die eine vom Arbeitgeber geförderte Weiterbildung erhielten, von 21 Prozent im Jahr 2001 auf 15 Prozent im Jahr 2009 (die neuesten verfügbaren Zahlen). Das hatte nichts mit der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun: In Zeiten des Wirtschaftswachstums sanken die Zahlen schneller als während einer Rezession.

Das bedeutet, viele Menschen, die sich in ihrem Beruf weiterqualifizieren möchten, sind auf sich allein gestellt. Daran könnten Unternehmen durchaus etwas ändern und den Rückgang betrieblicher Weiterbildungsmaßnahmen aufhalten: indem sie ihre Mitarbeiter ermutigen und dabei unterstützen, sich für sogenannte MOOCs anzumelden. Die Abkürzung (ausgesprochen: "Muhks") steht für "Massive Open Online Courses", also offen zugängliche, interaktive Onlinekurse. Diese sind auf Plattformen wie Coursera und EdX kostengünstig verfügbar. (Eine Liste mit deutschsprachigen Kursen finden Sie im Kasten "Deutsche Angebote").

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Seit sie 2008 in der Weiterbildungsszene auftauchten, haben sich MOOCs zunehmend auf Wissen spezialisiert, das für das Arbeitsleben wichtig ist. Die Kursthemen reichen von maschinellem Lernen und Java-Programmierung bis hin zu Kommunikation und Führungsverhalten. Geht man davon aus, dass Arbeitnehmer MOOCs bereits von sich aus nutzen, um weitere Fachkenntnisse zu erwerben und ihre Karrierechancen zu verbessern, liegt hier für die Betriebe noch eine ungenutzte Chance, diese Form der Weiterbildung für ihre Unternehmensziele nutzbar zu machen.

Kompakt

Das Problem

Viele Arbeitnehmer bilden sich heute mit MOOCs (Massive Open Online Courses) weiter - oft jedoch ohne Unterstützung oder Wissen ihrer Arbeitgeber. Dadurch verpassen Unternehmen eine Gelegenheit, dem Rückgang betrieblicher Weiterbildung entgegenzuwirken und das Engagement ihrer Mitarbeiter zu stärken – bei minimaler Investition.

Die Lösung

Führungskräfte sollten ihre Mitarbeiter ermutigen, sich für MOOCs anzumelden, und ihnen ausreichend Zeit zum Lernen gewähren. Womöglich können sie sogar ein Ersatz für die fehlende Kursleitung sein. Indem sie einzelne Mitarbeiter Kurse testen lassen, können sie deren Relevanz und Qualität beurteilen. Wenn sie das Engagement in MOOCs offiziell anerkennen, stärkt das den Wert des Lernens und erhöht die Chance, dass Teilnehmer ihre Kurse abschließen.

Einige Unternehmen haben das bereits erkannt und sich mit MOOC-Anbietern zusammengetan, um das Weiterbildungsangebot für ihre Mitarbeiter zu erweitern. Prominente Beispiele sind AT&T, GE, L'Oréal und Marks & Spencer. Andere wie McKinsey, Microsoft  und Tenaris (ein Röhrenzulieferer für die Energiebranche) produzieren sogar eigene Inhalte für die öffentliche Nutzung – zu Management, Informatik, Ingenieurwesen, Finanzen und anderen Themen.

Lerner werden alleingelassen

Leider nutzen nur wenige Unternehmen MOOCs optimal, um ihre Mitarbeiter weiterzuqualifizieren. Zwar erklärten 67 Prozent der berufstätigen Kursteilnehmer, die ich befragt habe, sie wollten ihr neu erworbenes Wissen und ihre zusätzlichen Fähigkeiten für ihren aktuellen Job oder ihr Unternehmen einsetzen – und 27 Prozent gaben an, sie ausschließlich dort nutzen zu wollen. Doch nicht mehr als 5 Prozent erhielten finanzielle Förderung durch ihre Arbeitgeber, 8 Prozent durften in ihrer Arbeitszeit lernen, und nur bei 4 Prozent floss die Lernarbeit in die Leistungsbewertung ein. Die meisten MOOC-Nutzer wurden also im Grunde sich selbst überlassen.

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