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Sexismus in Unternehmen Wie Männer Haltung zeigen

Ein Leitfaden, wie Männer zu Verbündeten werden können im Kampf gegen Sexismus.
aus Harvard Business manager 5/2018
Foto: Daniel Grizelj / Digital Vision / Getty Images

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Anfang November 1991 lud mich meine Mutter zum Abendessen ein. Einen Monat zuvor hatte Anita Hill wegen sexueller Belästigung gegen Clarence Thomas ausgesagt, einen aussichtsreichen Kandidaten für den Supreme Court. Nach einem langen und vergnüglichen Mahl sagte meine Mutter, dass ihr Anita Hills Schilderungen nur allzu bekannt vorkämen: An der Universität hatte ihr Doktorvater sie begrapscht. Am nächsten Tag hatte sie die Hochschule verlassen und ihre Promotion hingeschmissen. Auch in den folgenden 30 Jahren schloss sie ihre Doktorarbeit nicht ab.

In den 90ern wollte niemand Hills tapfer vorgebrachten Anschuldigungen glauben. Stattdessen wurde sie vom Justizausschuss des Senats als betrogene Frau verunglimpft. Der Journalist David Brock verhöhnte Hill gar in einem reißerischen Artikel als "a little bit nutty and a little bit slutty", also als "ein bisschen verrückt und ein bisschen nuttig". Heute bereut Brock seine Wortwahl. Damals prägte die Reaktion den Ton: In den folgenden 25 Jahren wurde Frauen von der Öffentlichkeit der Prozess gemacht, wenn sie den Mut hatten, sexuelle Übergriffe zu melden und anzuprangern. So geschehen etwa im Fall des Entertainers Bill Cosby: Der Beschwerdeführerin wurde kurzerhand ihre Glaubwürdigkeit abgesprochen.

Doch jenseits dieser öffentlichen Auseinandersetzungen bewegte sich plötzlich etwas: Frauen wie meine Mutter begannen, im privaten Bereich über ihre eigenen schmerzhaften Erlebnisse zu sprechen. Mütter erzählten ihren Kindern davon, Ehefrauen ihren Männern, Frauen ihren Freunden, Töchter ihren Eltern. Und man glaubte ihnen.

Kompakt

Das Problem

Obwohl die meisten Männer genau wissen, dass sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz tabu sind, und sich nicht selbst danebenbenehmen wollen, tolerieren sie allzu oft Anzüglichkeiten, Zudringlichkeiten und ähnliche Fehltritte von anderen Männern.

Die Lösung

Kommt es zu sexuellen Übergriffen, scheuen auch jene Männer offene Kritik oder die Konfrontation mit dem Täter, die solche Entgleisungen ablehnen. Sie sollten sich daher solidarisieren und eine Taktik absprechen, mit der sie beim nächsten Vorfall gemeinsam gegen die Untaten und den Übeltäter vorgehen können.

Sozialwissenschaftler, die sich mit der Entwicklung gesellschaftlicher Bewegungen beschäftigen, nennen drei Voraussetzungen für eine Revolution: Erst kommen die strukturellen Bedingungen – lang anhaltender institutioneller Wandel erhöht den Druck, manchmal ohne bemerkt zu werden. Beim Thema sexuelle Belästigung ebneten die 25 Jahre, in denen Frauen auf kleiner Flamme immer wieder private Berichte und Erzählungen austauschten, den Weg für den aktuellen und breit angelegten Widerstand gegen sexuelle Übergriffe. Das zweite Element einer Revolution sind die Auslöser – Wendepunkte, an denen ein Wandel rasch Fahrt aufnimmt. In diesem Fall war die Veröffentlichung des "Access Hollywood"-Videos im Jahr 2016 ein solcher Auslöser. Donald Trump  brüstet sich auf der Aufnahme damit, Frauen geküsst und begrapscht zu haben. Dass er trotz dieses Beweises zum US-Präsidenten gewählt wurde, machte viele Frauen fassungslos und wütend.

Schließlich braucht es einschneidende Ereignisse, die dann eine Explosion auslösen. Beim vorliegenden Thema waren es die schnell aufeinander folgenden Enthüllungen über Fernsehproduzent Roger Ailes, Moderator Bill O'Reilly und Hollywood-Filmproduzent Harvey Weinstein. Und zum allerersten Mal wurden die Erzählungen der Frauen nicht bezweifelt, sondern man glaubte ihnen. Das war der Start von #MeToo, einer derart öffentlichen Abrechnung, dass die Frauen, die sich dort starkmachten, vom Magazin "Time" als Menschen des Jahres 2017 ausgezeichnet wurden.

Wir erleben also eine völlig neue Situation, die für viele von uns – vor allem für Männer – angsteinflößend und unangenehm ist. Männer fühlen sich angreifbar und haben Angst vor falschen Anschuldigungen (oder auch vor zutreffenden). Sie fürchten, dass Dinge, die sie in der Vergangenheit getan haben, nun in neuem Licht betrachtet werden könnten. Sie erzählen mir, dass sie sich fühlen, als liefen sie auf rohen Eiern. Deshalb verhalten sich viele Männer lieber still, anstatt sich an der Diskussion zu beteiligten. Doch sich wegzuducken ist nicht unbedingt der richtige Ansatz. Männer können viele wichtige Dinge tun oder sagen, um den Frauen in ihrem Leben zu helfen.

Durch meine Forschungen zu Männlichkeit und durch meine Arbeit als Berater von Unternehmen habe ich viel Erfahrung in Fällen von sexuellen Übergriffen. Ich möchte vor allem Männern helfen, das Thema in ihrem Arbeitsumfeld effizient anzugehen. Hierfür müssen wir vier Fragen beantworten: Warum belästigen Männer Frauen? Ist ihnen nicht bewusst, dass ihr Verhalten falsch ist? Wie kommen sie damit durch? Und schließlich: Was können wir dagegen tun?

1. Warum belästigen Männer Frauen?

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