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Kommunikation Was Tippfehler verraten

E-Mails mit Schreibfehlern hinterlassen einen emotionaleren Eindruck, das fand eine aktuelle Studie heraus. Führungskräfte sollten aufpassen, welche Signale sie mit unaufmerksam abgeschickten Nachrichten senden.
aus Harvard Business manager 11/2021
Foto:

IVELIN RADKOV / MAURITIUS IMAGES

E-Mails und andere schriftliche Kommunikation gelten in der Regel als durchdacht und reflektierter als mündliche Kommunikation, da die Absender ihre Nachrichten überprüfen und bearbeiten können. Neue Forschungsergebnisse zeigen jedoch ein komplizierteres Bild – eines, bei dem simple Tippfehler Rückschlüsse auf die Gefühle des Absenders geben.

So empfanden Probanden E-Mails mit einigen falsch geschriebenen Wörtern als emotionaler, verglichen mit identischen, aber fehlerfreien E-Mails. In einer Studie bekamen 598 Menschen die E-Mail eines Managers zu lesen, der einen Mitarbeiter zurechtwies, weil dieser einen Bericht zu spät fertiggestellt hatte. Eine Teilnehmergruppe sah eine Version mit drei Tippfehlern, während eine zweite Gruppe den gleichen Text ohne Fehler erhielt.

Erstere bewertete den Manager als signifikant verärgerter als die zweite Gruppe. Ein Folgeexperiment zeigte, dass das Muster auch bei E-Mails über ein positives Ereignis auftrat. In diesem Fall erhöhten die Tippfehler das Bewusstsein für die Freude des Absenders.

Schreibfehler senden emotionale Signale

Wenn Menschen etwas Unerwartetes wie einen Schreibfehler entdecken, suchen sie nach einem Grund dafür, erklären Studienautorin Hayley Blunden und Managementprofessor Andrew Brodsky. Wir alle seien kulturell darauf konditioniert, zu glauben, dass intensive Gefühle zu Fehlern bei der kognitiven Verarbeitung führen. Daher wirkten "Kommunikationsfehler wie ein Verstärker für die wahrgenommene Intensität einer anders ausgedrückten Emotion".

Der Vorteil: Wenn Menschen in einer emotional aufgeladenen E-Mail Tippfehler entdecken, urteilen sie weniger streng über den Absender, als wenn diese emotional neutral ist. Die Fehler führen sie eher auf überbordende Gefühle zurück, weniger auf mangelnde Intelligenz.

Wer sich bewusst macht, welche emotionalen Signale Schreibfehler übermitteln können, kommuniziere womöglich erfolgreicher, schlussfolgern die Forschenden. "Wenn beispielsweise eine Managerin in einer E-Mail ein in ihren Augen angemessenes Maß an Verärgerung kommunizieren möchte, sollte sie diese besser drei Mal auf Fehler überprüfen."

Quelle: Hayley Blunden, Andrew Brodsky: "Beyond the Emoticon: Are There Unintentional Cues of Emotion in Email?", Personality and Social Psychology Bulletin, April 2021

Ausgabe November 2021

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Dieser Artikel erschien in der November-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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