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Vorstellungsgespräche als Videokonferenz Bewerber schneiden virtuell schlechter ab

Digitale Vorstellungsgespräche sind einfacher zu organisieren und in der Pandemie zudem sicherer. Für Bewerber sind sie aber häufig keine gute Wahl, das fanden Psychologen der Universität Ulm heraus. Denn Personaler lassen sich beeinflussen.
aus Harvard Business manager 2/2021
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RLT Images / Getty Images

Seit Beginn der Corona-Pandemie finden Vorstellungsgespräche in vielen Unternehmen nur noch per Videokonferenz statt. Das macht auch die Organisation einfacher und senkt die Kosten. Doch welche Auswirkungen haben digitale Interviews auf die Bewertung der Kandidatinnen und Kandidaten? Verhindern sie womöglich, dass sich Bewerber von ihrer besten Seite präsentieren?

Dieser Frage sind fünf Psychologen und Psychologinnen der Universität Ulm nachgegangen. Für ihre Studie führten sie insgesamt 114 simulierte Auswahlinterviews mit Studierenden durch, die Hälfte davon als persönliches Gespräch vor Ort, die andere Hälfte per Videokonferenz.

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Dabei zeigte sich: Die Interviewer bewerteten die Leistung der Kandidaten in Onlinegesprächen negativer als bei Bewerbern, die zu einem Präsenzgespräch erschienen waren. Zudem nahmen die Personalentscheider soziale Präsenz und Blickkontakt in digitalen Gesprächen als weniger intensiv wahr als in den persönlich geführten. Selbst identische Antworten der Bewerber bewerteten sie in Videokonferenzen kritischer als im analogen Interview.

Online fehlt der Blickkontakt

Warum ist das so? Bei digital geführten Gesprächen ist das sogenannte Impression Management erschwert, also der Einsatz sozialer Techniken, die das Gegenüber beeindrucken sollen: die eigenen Schwächen herunterspielen, Stärken hervorheben, eine bestimmte Körperhaltung und Gestik einsetzen.

"Ohne Blickkontakt gelingt es kaum, eine starke soziale Präsenz zu entwickeln", sagt Johannes Basch, Erstautor der Studie. "Beides ist entscheidend dafür, ein Gespür zu entwickeln, mit welchen Taktiken ich mein Gegenüber am besten für mich einnehmen kann."

Er und seine Co-Autoren empfehlen Unternehmen daher, sich in einer Auswahlrunde für ein bestimmtes Interviewformat zu entscheiden: entweder nur analog oder nur digital. Ansonsten liefen sie Gefahr, jene Bewerberinnen und Bewerber zu benachteiligen, die per Video hinzugeschaltet werden.

Quelle: Johannes M. Basch et al.: "It Takes More Than a Good Camera: Which Factors Contribute to Differences Between Face-to-Face Interviews and Videoconference Interviews Regarding Performance Ratings and Interviewee Perceptions?", Journal of Business and Psychology, September 2020

Ausgabe Februar 2021

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Dieser Artikel erschien in der Februar-Ausgabe 2021 des Harvard Business managers.

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