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Innovation Mission: Management 2.0

Das Management, wie wir es kennen, stößt an seine Grenzen. Eine Gruppe renommierter Professoren, Manager und Berater hat eine Liste mit den 25 wichtigsten Herausforderungen für eine bessere Unternehmensführung erarbeitet.
aus Harvard Business manager 4/2009
Foto: Cecilie Arcurs / E+ / Getty Images

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Das Management von Unternehmen ist zweifellos eine der wichtigsten Errungenschaften der Menschheit. Über hundert Jahre lang trugen Fortschritte bei der Unternehmensführung zur Stärkung der wirtschaftlichen Entwicklung bei. Das Problem heute: Die meisten fundamentalen Managementinnovationen sind inzwischen einige Jahrzehnte alt. Die Optimierung von Arbeitsabläufen, die Einführung von Jahresbudgets, Analysen zur Rentabilität, Projektmanagement, die Gliederung in Geschäftsbereiche, Markenpositionierung – diese und zahlreiche weitere unerlässliche Konzepte und Methoden gibt es schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts.

Die Entwicklung des Managements verlief in Form einer klassischen S-Kurve. Nach einem fulminanten Start zu Beginn des 20. Jahrhunderts nahm das Tempo, mit dem Neuerungen in den Geschäftsalltag einflossen, allmählich ab, und in den vergangenen Jahren kamen Innovationen nur noch im Schneckentempo voran. Management ist wie der Verbrennungsmotor eine ausgereifte Technik, die nun für eine neue Ära fit gemacht werden muss. Unter diesem Vorzeichen hat sich im vergangenen Jahr eine Gruppe von Vertretern aus Wissenschaft und Wirtschaft zusammengetan, um einen Fahrplan für eine Neudefinition des Managements zu erstellen.

Der Gruppe ging es vor allem darum, mit ihrer Liste besonders schwieriger und ehrgeiziger Ziele die Energie von innovativem Managementdenken weltweit zu bündeln. Als Vorbild für ihre Arbeit diente der Gruppe eine von der U. S. National Academy of Engineering veröffentlichte Zusammenstellung mit 14 großen technischen Herausforderungen für das 21. Jahrhundert. Dazu zählen die Entschlüsselung der Funktionsweise des menschlichen Gehirns und die Entwicklung von Verfahren, um Kohlendioxid aus der Luft abzuscheiden und einzulagern. Warum, so fragten wir uns in der Gruppe, sollten sich Managementexperten aus Theorie und Praxis nicht gleichermaßen ehrgeizige Ziele setzen?

Neue Realitäten, neue Notwendigkeiten

In unserer Gruppe gab es verschiedenste Auffassungen dazu, was beim Management in seiner aktuellen Form verbesserungswürdig sei, aber in einem Punkt waren wir uns alle einig: Um Unternehmen mit dem Rüstzeug für die Herausforderungen der Zukunft zu versehen, bräuchte es eine Managementrevolution, die nicht weniger bedeutend ausfallen dürfte als die Revolution, die zur Entwicklung der modernen Industriegesellschaft führte.

Zu Beginn ging es beim Management in Unternehmen um die Lösung zweier Probleme: Erstens, angelernte Arbeitnehmer dazu zu bringen, Routinearbeiten kompetent, sorgfältig und effizient zu erledigen. Zweitens mussten diese Tätigkeiten so koordiniert werden, dass komplexe Waren und Dienstleistungen in großen Mengen her- oder bereitgestellt werden konnten. Die beiden Probleme lassen sich kurz mit den Begriffen "Effizienz" und "Menge" zusammenfassen, und die Lösung für diese Herausforderungen lautete "Bürokratie"; das heißt hierarchische Strukturen, aufeinander aufbauende Ziele, präzise Rollendefinitionen und genau ausgearbeitete Regeln und Verfahren.

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Heutzutage stehen Manager vor neuen Problemen, die sich aus einem wirtschaftlichen Umfeld ergeben, das immer weniger vorhersehbar ist und unbarmherzig auf Fehler reagiert. So stellt sich beispielsweise die Frage, wie im Zeitalter rapiden Wandels Organisationen geschaffen werden können, die einerseits anpassungsfähig und flexibel, andererseits aber auch problemspezifisch und effizient sind? Wie können Unternehmen in einer Welt, über die die kreative Zerstörung wie ein Orkan hinwegweht, mit der richtigen Mischung aus Schnelligkeit und Kühnheit dafür sorgen, dass sie relevant und profitabel bleiben? Wie lassen sich in einer von Kreativität abhängigen Wirtschaft, in der unternehmerischer Einfallsreichtum der Schlüssel zum Erfolg ist, Mitarbeiter tagtäglich zu Initiative, Ideenreichtum und Leidenschaft für ihre Arbeit anspornen? Wie lassen sich die Unternehmenschefs in einem Umfeld, in dem die ehemals verborgenen Kosten der Industrialisierung so deutlich zutage treten, davon überzeugen, ihrer Verantwortung allen Interessengruppen gegenüber gerecht zu werden?

Um diese Probleme erfolgreich angehen zu können, müssen sich die verantwortlichen Führungskräfte und die Experten erstens eingestehen, dass das Management 1.0 - das Paradigma des Industriezeitalters, das auf Prinzipien wie Standardisierung, Spezialisierung, Hierarchie, Kontrolle und Primat der Interessen der Anteilseigner beruht - an seine Grenzen gestoßen ist. Sie müssen sich damit abfinden, dass die geschäftlichen Notwendigkeiten von morgen nicht mit den auf bürokratischer Arbeitsteilung basierenden Managementmethoden von heute gelöst werden können.

Warum sollten so viele Menschen in langweiligen Unternehmen arbeiten müssen?

Zweitens dürfen die Führungskräfte die Unzufriedenheit mit dem gegenwärtigen Zustand nicht unterdrücken, sondern müssen sie positiv nutzen. Wir brauchen so etwas wie eine ernsthafte Entrüstung des Managements über die aktuelle Situation. Warum sollte ein Wandel nur möglich sein, wenn man in einer Krise dazu gezwungen wird? Warum sollten Unternehmen statt nur zum Verwalten des Bekannten nicht auch zu Innovationen in der Lage sein? Warum sollten so viele Menschen in langweiligen Unternehmen arbeiten müssen? Warum sollten sich Manager instinktiv ihrer gesellschaftlichen Verantwortung entziehen, statt sich ihr zu stellen? Es gibt also jede Menge Raum für Verbesserungen.

Schließlich sollte sich jeder, dem etwas am Management liegt, sehr ehrgeizige Ziele setzen. Ganz gleich, ob es darum geht, zum Mond zu fliegen, das menschliche Genom zu entschlüsseln oder einen Teilchenbeschleuniger zu bauen, der Aufschluss über die Geheimnisse des Universums geben kann: Nur wer Großes will, kann auch Großes leisten. Das Gleiche gilt für Management. Nur allzu häufig gibt sich die Wissenschaft damit zufrieden, bewährte Praktiken zu kodifizieren, statt den Blick über diese Erkenntnisse hinauszurichten. Aus der Praxis kommt häufiger die Frage "Hat das schon jemand ausprobiert?" als "Ist es einen Versuch wert?" Wir brauchen jetzt - mehr als je zuvor - ehrgeizige Ziele, die zur Suche nach radikal neuen Methoden zur Mobilisierung und Organisation menschlicher Fähigkeiten motivieren.

25 Forderungen zur Erneuerung des Managements

Unsere Rebellentruppe aus Akademikern, CEOs, Beratern, Unternehmern und Risikokapitalgebern stellte sich vor diesem Hintergrund folgende Fragen: Was muss geschehen, um Unternehmen wirklich für die Zukunft zu wappnen? Welche Prioritäten sollten die Managementpioniere von morgen setzen? Die 25 Forderungen, die so zusammengetragen wurden, sind weder umfassend, noch schließen sie sich gegenseitig aus.

Die Konferenz der Managementrebellen

Das aktuelle Managementmodell ist ein integriertes Ganzes, das nicht einfach in Stücke zerlegt werden kann. Daher überschneiden sich auch zahlreiche Forderungen. Dennoch stellt jeder einzelne Punkt einen wichtigen Schritt zum "Management 2.0" dar. Die Teilnehmer stimmten jedoch darin überein, dass die ersten zehn Punkte von herausragender Bedeutung sind.

1. Sorgen Sie dafür, dass Manager einem höheren Zweck dienen

Die meisten Unternehmen versuchen, den Reichtum ihrer Aktionäre zu mehren. Dieses Ziel ist in mehrfacher Hinsicht unpassend. Als emotionaler Katalysator reicht das Anhäufen von Reichtum nicht aus, um die gesamte menschliche Energie zu mobilisieren. Es ist auch eine unzureichende Verteidigung, wenn die Legitimität der Macht der Unternehmen infrage gestellt wird. Als Motivation zur Erneuerung ist wachsender Reichtum ebenfalls nicht konkret oder überzeugend genug. Aus diesen Gründen müssen sich die Managementmethoden von morgen darauf konzentrieren, gesellschaftlich relevante und ehrenwerte Ziele zu erreichen.

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