Zur Ausgabe
Artikel 21 / 21
Vorheriger Artikel

Fünf Minuten mit Ulrich Wickert "Nach meinem dritten Buch wusste ich, wie man Bücher schreibt."

Als Moderator der "Tagesthemen" wünschte der heute 75-Jährige den Zuschauern 15 Jahre lang eine "geruhsame Nacht". Mittlerweile ist er vor allem Buchautor.
Das Interview führte Julia Wehmeier
aus Harvard Business manager 9/2018
Foto: Paul Ripke

Harvard Business manager: Herr Wickert, bis 2006 haben Sie die "Tagesthemen" moderiert, heute sind Sie Autor. Hatten Sie Respekt vor Ihrem ersten Buch?

Ulrich Wickert: Vor dem ersten Buch auf jeden Fall. Mittlerweile ist es Routine. Als ich bei den "Tagesthemen" aufhörte, hatte ich schon 15 Bücher geschrieben. Gerade sitze ich an einem politischen Buch über die Lage in Deutschland. Und ein Krimi ist auch wieder in Planung. Nach meinem dritten Buch wusste ich, wie man Bücher schreibt. Für einen Krimi brauche ich gut ein Jahr. Für ein Sachbuch, wie mein letztes Buch über Frankreich, zwei Jahre.

Lead Forward

Der wöchentliche Newsletter für erfolgreiche Führungskräfte

Antonia Götsch, Chefredakteurin des Harvard Business managers, teilt Wissen aus den besten Managementhochschulen der Welt und ihre eigenen Erfahrungen mit Ihnen. Einmal die Woche direkt in Ihr Email-Postfach. 

Jetzt bestellen

Wissen Sie schon vor dem Schreiben, wie das Buch enden wird?

Es kann nicht alles vorher feststehen. Bei einem Krimi muss die grobe Handlung und vor allem der Schluss stehen, bevor ich anfange zu schreiben. Es kann schon sein, dass ich einen Charakter einführe und dann merke, dass ich den gar nicht mehr brauche. Vielleicht lasse ich ihn dann auf eine Mine treten. Bei politischen Büchern ist das natürlich anders. Ich habe es immer wieder erlebt, dass ich vorher aufschreibe, welche Bereiche ich abdecken will. Und meistens passt ein Drittel davon dann nicht mehr rein.

Kennen Sie Phasen, in denen Ihnen die Motivation fehlt?

Eigentlich nicht. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich ein Thema sacken lassen muss. Dann gehe ich zwei, drei Monate lang nicht direkt das nächste Thema an, sondern räume ein bisschen auf. Es kommt aber nie zu dem Punkt, dass ich alles aufgeräumt habe und immer noch nichts im Kopf habe. Meistens habe ich gerade angefangen, und dann geht es schon wieder los. Ich kann mich nicht hinsetzen und mich zwingen, ein bestimmtes Thema zu bearbeiten. Es muss in mir gären, dann kommt der innere Druck. Und damit die Motivation.

In Ihrem letzten Buch schreiben Sie, dass Sie nur das machen, worauf Sie Lust haben. Ist das noch immer so?

Ja, das habe ich mein Leben lang so gemacht. Ich suche mir immer das Thema aus, das mich im Augenblick selbst am meisten interessiert.

Ist es ein Luxus, nur das machen zu können, wozu man Lust hat?

Es ist schon ein Luxus, aber ein selbst gewählter Luxus. Ich habe früh gemerkt, worauf ich Lust habe und worauf nicht. Ich habe Jura studiert, aber je mehr ich es studierte, desto gruseliger fand ich es. Das erste Staatsexamen habe ich noch gemacht. Aber gearbeitet habe ich in dem Beruf nie.

Stattdessen wurden Sie Journalist und haben bei den "Tagesthemen" fast jeden interviewt, der Rang und Namen hatte. Hat Sie das am Anfang Überwindung gekostet?

Nein, das nicht. Bei den "Tagesthemen" ist die Schwierigkeit, dass die Gespräche so kurz sind. Ich habe immer viel vorbereitet, aber aufgeschrieben hatte ich nur die Einstiegsfrage. Danach muss man zuhören und nachfragen. Spult man Fragen einfach ab, ist es langweilig.

Welches Gespräch ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ich habe viele denkwürdige Interviews geführt. Mit Angela Merkel hatte ich auch schwierige Gespräche. Einmal hat sie mich auflaufen lassen. Ich sagte: "Frau Merkel, Sie haben meine Frage nicht beantwortet." Sie sagte einfach nur: "Ja." © HBM 2018

Dieser Beitrag erschien in der September-Ausgabe 2018 des Harvard Business managers.

Zur Ausgabe
Artikel 21 / 21
Vorheriger Artikel